Donnerstag, 15. November 2007

Vom Vorteil, ein Esel zu sein

In der Bibel finden wir eine wundersame Eselin, die ihrem Reiter ziemlichen Verdruss macht und dafür Schläge erntet.

Insgesamt ist die Geschichte (4. Mose) ziemlich verwickelt. Bileam, der Reiter des störrischen Tieres, wohnt in Mesopotamien und muss wegen seiner Weissagungen bekannt gewesen sein, denn als die Israeliten nach ihrem Sieg über die Ammoniterkönige östlich vom Jordan lagern, schickt der Moabiterkönig Balak seine Boten zu ihm. Er bittet Bileam zu kommen und Israel zu verfluchen. Ihm ist bekannt, dass sein Wort eintrifft. Er sagt:
Denn ich habe erkannt: wen du segnest, der ist gesegnet, und wen du verfluchst, der ist verflucht. (4. Mose 22, 6)
Die Gesandten hatten einen längeren Weg von etwa 20 Tagereisen zurückgelegt, doch Bileam weigert sich, mitzuziehen. Er hatte nämlich klare Anweisungen:
Und Gott sprach zu Bileam: Du sollst nicht mit ihnen gehen; du sollst das Volk nicht verfluchen! Denn es ist gesegnet.
Balak gibt sich mit der Ablehnung nicht zufrieden, und neue, vornehmere Boten erreichen schließlich, dass Bileam doch mitkommt. Gott gesteht es ihm unter einer Bedingung zu:
Wenn die Männer gekommen sind, um dich zu rufen, mache dich auf, geh mit ihnen! Aber nur das, was ich dir sagen werde, darfst du tun!
Was sich dann ereignet, mutet zunächst widersprüchlich an. Gott hatte gerade gesagt, dass Bileam mit ihnen gehen solle, und dann lesen wir:
Da entbrannte der Zorn Gottes, dass er ging.
Was soll das?

In 2. Petrus 2, 15 finden wir eine Erklärung. Petrus schreibt hier über die falsche Gesinnung mancher Propheten. Dabei führt er aus:
Sie sind abgeirrt, da sie den geraden Weg verlassen haben, und sind nachgefolgt dem Weg Bileams, des Sohnes Beors, der den Lohn der Ungerechtigkeit liebte, aber eine Zurechtweisung der eigenen Gesetzlosigkeit empfing: ein stummes Lasttier redete mit Menschenstimme und wehrte der Torheit des Propheten.
Im Judasbrief lesen wir über Irrlehrer in der Gemeinde:
Wehe ihnen! Denn sie sind den Weg Kains gegangen und haben sich für Lohn dem Irrtum Bileams völlig hingegeben.
Bileam zieht nicht mit den vornehmen Boten, um zu tun, was Gott ihm auftragen wird, sondern um des versprochenen Lohnes willen. Deshalb entbrennt der Zorn Gottes, und der Engel des Herrn tritt ihm "als Widersacher in den Weg."

Nun handelt seine Eselin, die mehr Weisheit zu haben scheint als ihr Besitzer: Sie erkennt den Engel Gottes und redet schließlich mit ihrem Reiter.
Da öffnete der HERR den Mund der Eselin, und sie sagte zu Bileam: Was habe ich dir getan, dass du mich nun schon dreimal geschlagen hast?
Vielleicht noch erstaunlicher als diese plötzliche Sprachbegabung des Reittieres ist Bileams Reaktion darauf. Er erschrickt nicht darüber, dass die Eselin sprechen kann, er wundert sich nicht, dass hier Unerhörtes geschieht, sondern:
Bileam sagte zu der Eselin: Weil du Spott mit mir getrieben hast. Hätte ich doch ein Schwert in meiner Hand! Gewiss hätte ich dich jetzt erschlagen!
Dieser Prophet scheint etwas begriffsstutzig zu sein.
Und die Eselin sagte zu Bileam: Bin ich nicht deine Eselin, auf der du geritten bist von jeher bis zum heutigen Tag? War es je meine Gewohnheit, dir so etwas zu tun? Und er sagte: Nein.
Bileam versteht immer noch Bahnhof. Nun öffnet Gott seine Augen und er erkennt nicht nur den Engel mit dem gezogenen Schwert, sondern auch, dass er gesündigt hat. Er will umkehren. Aber der Engel fordert ihn auf, weiterzuziehen, legt ihm jedoch erneut besonders nahe, nur das zu reden, was Gott ihm sagen wird.

Für Balak hat Bileam dann eine Überraschung parat: Er spricht keinen Fluch, sondern nur Segen über Israel aus. Zumindest soweit hat Bileam verstanden, dass er auf dem falschen Weg gewesen war.

Doch obwohl Gottes Geist ihn erfüllt (4. Mose 24,2) und Bileam Gottes Worte erkennt und weitersagt, gibt er später den Midianitern, den Nachbarn und Verbündeten Moabs und auch Balak den Rat, Israel zum Abfall vom Herrn und zum Götzendienst zu verleiten (4. Mose 31,16). Schließlich wird Bileam in einer Schlacht getötet, obwohl er sich eigentlich gewünscht hatte, den "Tod der Aufrichtigen" zu sterben (4. Mode 23,10).

Im Neuen Testament ist Bileams Name ein Sinnbild der Habsucht und der Teilnahme an heidnischen Kulten (2. Petrus 2,15 und Judas 11). Er diente dem Herrn als Werkzeug, war mit Heiligem Geist erfüllt und versagte später auf der ganzen Linie - mit weitreichenden Folgen. In der Offenbarung lesen wir:
Aber ich habe ein weniges gegen dich, dass du solche dort hast, welche die Lehre Bileams festhalten, der den Balak lehrte, eine Falle vor die Söhne Israels hinzustellen, so dass sie Götzenopfer aßen und Unzucht trieben. (Offenbarung 2, 14)
Es gibt Situationen im Leben, bei denen wir wie Bileam beim Ritt auf der Eselin reagieren. Wir kennen den Herrn, haben seine Stimme gehört, vermeintlich oder tatsächlich seine Erlaubnis für ein Vorhaben bekommen - und dann stellt sich ein Engel in unseren Weg, um uns vor schlimmen Folgen zu bewahren. Anstatt aufmerksam zu werden, unsere Motivation zu überprüfen, Gott um weiteren Rat zu fragen, prügeln wir die Eselin. Wir könnten innehalten, aber unsere Sturheit will voran. Wir sind blind für die geistliche Realität - sehen nicht den Engel mit dem gezogenen Schwert.

Wäre es da nicht besser, ein Esel oder eine Eselin zu sein? Offene Augen zu haben, und nicht in das hinein zu rennen, wovor uns Gott gerade bewahren möchte?

Es gibt solche Situationen. Es gibt aber auch den Widerstand des Teufels bei einem Vorhaben, das richtig ist. Um solchen Widerstand zu überwinden, sind natürlich andere Schritte notwendig - aber auch oder gerade dann ist es notwendig, zuerst zu Gott zu kommen und seinen Rat einzuholen.

Wenn du also in einer Lage bis, in der alles wie festgefahren wirkt, dann sei ein Esel oder eine Eselin. Bewahre deine geistliche Sicht oder lass dir, wenn du sie verloren hast, von Gott die Augen öffnen, damit du die Umstände richtig sehen und entsprechend handeln kannst. Verbringe lieber zwei Stunden im Gebet und mit der Bibel, als 20 Minuten mit blindwütigen Bemühungen, die Eselin in Bewegung zu setzen.

Womöglich ist gar nicht das Tier störrisch, sondern der Mensch, der darauf sitzt?

Mittwoch, 14. November 2007

Ein Freund in der Tagesschau

Gestern kurz nach 20 Uhr tauchte zwischen all den Münteferings, Merkels, Becks und Steinmeiers auch einer meiner Freunde für zwei oder drei Sekunden im Ersten Deutschen Fernsehen auf.

Er las in einer Broschüre, um die neben ihm schlummernde Dame im Warteraum einer deutschen Behörde nicht durch Konversation zu stören. Es muss wohl ein Filmschnipsel aus dem Tagesschau-Archiv gewesen sein, denn meines Wissens ist mein Freund mittlerweile über das Broschürenlesen hinaus...

Na so was. Ich war letzte Woche im Bundestag - die Tagesschau hat mich ignoriert. Bin ich jetzt froh oder eingeschnappt? Oder einfach nicht so fotogen?

Gips am Bein

Wenn ein Ehepaar, wie die Bibel sagt, ein Fleisch, also ein Organismus ist, dann ist eines von meinen vier Beinen seit gestern im Gips, weil einer von meinen vier Füßen vorgestern abend bei einem Unfall gebrochen wurde.
Daher kam ich gestern nicht zum Bloggen oder Mails beantworten und werde auch in den nächsten Tagen weniger Zeit haben als sonst, denn wer sich mit Gips am Bein mittels Gehhilfen (früher hieß das Krücken) durch Wohnung und Welt bewegt, kann ja - probiert es ruhig aus, liebe Leser - nicht mal eine Tasse Kaffee sicher von der Küche ins Arbeitszimmer transportieren...

Sonntag, 11. November 2007

Von wegen Lazy Sunday...

...afternoon. Ich habe zwar in den letzten Tagen nichts auf den Blog gebracht, war aber gut beschäftigt und fleißig.

Am Freitag waren Eva und ich im Deutschen Bundestag (eine persönliche Einladung der CDU Reinickendorf, inklusive Führung und sachkundigen Erklärungen durch einen Abgeordneten im Europa-Parlament) - es war ein sehr interessanter Spätnachmittag und Abend. Wir sind zwar keine Mitglieder der genannten Partei, aber wir wurden ganz lieb umsorgt und haben die Zeit im hohen Haus der deutschen Politik genossen.

Am Wochenende habe ich dann etliche Stunden darauf verwendet, unsere Firmen-Homepage an die geänderten Angebote anzupassen und ihr dabei gleich ein völlig neues Gewand einschließlich Struktur zu geben. Wer schon mal vorab schauen will: MatMil demnächst.

In den nächsten Tagen werden nun alle Texte noch ins Englische übersetzt, dann geht sie "richtig" online. Sollte jemand noch Tippfehler* finden, sind wir für jeden Hinweis dankbar - wäre ja echt peinlich.

Nun aber ist Feierabend, jawohl, so was gibt es am Sonntag um 19:00 Uhr tatsächlich auch für Freiberufler...

*P.S. am Montag: Die Fehler im Bereich "Ghostwriting" habe ich gerade gesehen - sie werden morgen früh verschwunden sein.

Freitag, 9. November 2007

Emerged to find Jesus

Mit leichten Variationen im Text wird jedes Konzert der Never Ending Tour seit mehreren Jahren so angekündigt:


Ladies and gentlemen please welcome the poet laureate of rock 'n' roll. The voice of the promise of the 60's counterculture. The guy who forced folk into bed with rock. Who donned makeup in the 70's and disappeared into a haze of substance abuse. Who emerged to find Jesus. Who was written off as a has-been by the end of the 80's, and who suddenly shifted gears releasing some of the strongest music of his career beginning in the late 90's. Ladies and gentlemen - Columbia recording artist Bob Dylan!

Meist geht das im Begeisterungssturm des Publikums ein wenig unter, denn wer will schon den Announcer hören, wenn His Bobness kommt.

Ich freue mich jedes Mal, dass Jesus auch bei den Theme Time Radio Hours nicht ausgesperrt wird. In dieser Woche ging es um Körperteile, von Kopf bis Fuß. Wie üblich mit allerlei Witzen (...to pick out pants, put em round your neck!) und Skurrilitäten (the guy who opens beer bottles with his eye socket) gespickt...


  • From Head To Toe - Smokey Robinson & The Miracles (1965)
  • Dry Bones - The Delta Rhythm Boys (1953)
  • I've Got You Under My Skin - Louis Prima & Keely Smith (1959)
  • I Wanna Be Like You (The Monkey Song) - Louis Prima (1967)
  • A Fistful Of Dollars - Ennio Morricone (1964)
  • Fist City - Loretta Lynn (1968)
  • Down On Bended Knee - Johnny Copeland (1962)
  • Heart Of Glass - Blondie (1978)
  • Ten Tiny Toes, One Baby Nose - Sol Hoopii and His Novelty Quartet (1933)
  • Finger Poppin' Time - Hank Ballard & The Midnighters (1960)
  • Roll In My Sweet Baby's Arms - The Monroe Brothers (1936)
  • Big Legs - Gene Phillips (1947)
  • Moulty - The Barbarians (1966)
  • She's Scattered Everywhere - Archibald (1950)
  • If I Only Had A Brain (The Wizard Of Oz) - Shorty Rogers (1959)
  • Brain Cloudy Blues - Bob Wills & His Texas Playboys (1946)
  • Waist Deep In The Big Muddy - Pete Seeger (1967)
  • With Arms Outstretched - Rilo Kiley (2002)

Sakrales und Säkulares in bunter Mischung, die Spaß macht. Ein gut aufgelegter Bob Dylan, der behauptet, die Sendung in Cannes aufzuzeichnen, während Pierre Mencini behauptet, man befände sich im Historical Abernathy Building. Prima so. Genau richtig: I'm not there.

Croz sei Dank, hier ist die Sendung:

From Head to Toe

P.S.: Foto von Columbia Records. Schließlich geht es ja um den Columbia Recording Artist... :-)

Donnerstag, 8. November 2007

Ilsebill salzte nach.

Es ist nun wirklich reiner Zufall, dass gestern Salz das Thema dieses Blogs war und heute Ilsebill nachsalzen darf. Das Salz der Ilsebill ist sowieso ein anderes. Es dient der Geschmacksverbesserung eines Fischgerichtes.

Die Rede ist, Literaturkenner haben es längst an der Überschrift erkannt, vom Beginn eines ganz großartigen Romans. In einem Wettbewerb um den besten ersten Satz wurden 17.000 Einsendungen ausgewertet. Die Jury kam zu folgendem Ergebnis:

Platz 1:
Ilsebill salzte nach.
Günter Grass: Der Butt

Platz 2:

Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.
Franz Kafka: Die Verwandlung

Platz 3:

Hamilkar Schaß, mein Großvater, ein Herrchen von, sagen wir mal, einundsiebzig Jahren, hatte sich gerade das Lesen beigebracht, als die Sache losging.
Sigfried Lenz: Der Leseteufel


Dies sind die drei Siegersätze bei der Erwachsenenliteratur. In meiner kleinen Erzählung Sprachlos hatte ich vor zwei oder drei Jahren erste Sätze erwogen und verworfen, keiner der drei Sieger dieses Wettbewerbes war dabei. Dennoch schließe ich mich gerne der Jury an, denn dies sind wahrlich drei ganz famose erste Sätze.

Mehr Einzelheiten zum Wettbewertb und die Siegersätze aus anderer Sparte sind zu finden in Die Welt. Nicht in der Welt. In die Welt.

Dienstag, 6. November 2007

Salz

Das Matthäusevangelium überliefert uns sehr detailliert eine Fülle der Lehren Jesu. Die Kapitel 5 bis 7 umfassen das, was meist als „Bergpredigt“ bezeichnet wird. Darin gibt es ein paar Stellen, die oft in Predigten oder anderen Betrachtungen nicht im Zusammenhang gesehen, sondern aus ihm herauslöst werden. Dabei geht leicht zumindest ein Teil dessen verloren, was Matthäus tatsächlich berichtet.

Zum Beispiel:
Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz fade geworden ist, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden. (Matthäus 5, 13)
Das klingt erst mal ganz gut, meist wird daraus eine Predigt darüber, dass man Zeugnis geben und sein, das Evangelium zu den Menschen bringen soll. Oder dass Salz eine konservierende, reinigende Wirkung habe und wir als Christen insofern „salzig“ sein müssten. Das ist an und für sich völlig richtig. Aber – ist das wirklich das, was Jesus hier anspricht?

Im Zusammenhang gesehen lesen wir:
Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch gegen euch reden werden um meinetwillen. Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln; denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren. Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz fade geworden ist, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden. (Matthäus 5, 11-13)
Nun mag mancher fragen: Was hat denn Verfolgung, Schmähung und lügnerische Rede mit dem Salz zu tun? Eine ganze Menge. Salz ist nämlich in der Heiligen Schrift nicht nur ein Konservierungs- und Geschmacksmittel, sondern häufig etwas, was geopfert wird:
Alle Opfergaben deines Speisopfers sollst du mit Salz salzen und sollst das Salz des Bundes deines Gottes auf deinem Speisopfer nicht fehlen lassen; bei allen deinen Opfergaben sollst du Salz darbringen. (3. Mose 2, 13)
Salz ist auch ein Zeichen der Vernichtung:
Und Abimelech kämpfte jenen ganzen Tag gegen die Stadt. Und er nahm die Stadt ein, und das Volk, das darin war, erschlug er. Und er riß die Stadt nieder und bestreute sie mit Salz als Zeichen bleibender Verwüstung. (Richter 9, 45)
Es geht Jesus in Matthäus 5 nicht um das Evangelisieren oder das Bewahren von christlichen Werten, sondern darum, dass seine Nachfolger verfolgt, geschmäht, verlästert und ihres Lebens beraubt werden. Das wird noch deutlicher, wenn wir uns die entsprechenden Verse bei Lukas anschauen:
So kann nun keiner von euch, der nicht allem entsagt, was er hat, mein Jünger sein. Das Salz nun ist gut. Wenn aber auch das Salz kraftlos geworden ist, womit soll es gewürzt werden? Es ist weder für das Land noch für den Dünger tauglich; man wirft es hinaus. Wer Ohren hat zu hören, der höre. (Lukas 14, 33-35)
Auch bei Markus finden wir das Salz im Zusammenhang mit Nachfolge um jeden Preis und Opferbereitschaft:
Und wenn dein Auge dir Anlaß zur Sünde gibt, so wirf es weg! Es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes hineinzugehen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden, "wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt". Denn jeder wird mit Feuer gesalzen werden und jedes Schlachtopfer wird mit Salz gesalzen werden. Das Salz ist gut; wenn aber das Salz salzlos geworden ist, womit wollt ihr es würzen? Habt Salz in euch selbst, und haltet Frieden untereinander! (Markus 9, 47-50)
Wenn Jesus also im Rahmen seiner Bergpredigt sagt, wir seien das Salz der Erde, dann meint er, dass wir als seine Nachfolger Salz sind, wenn „sie uns schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch gegen uns reden werden.“ Solches Salz wird nicht „hinausgeworfen und von den Menschen zertreten“, sondern es ist etwas Wertvolles. Dann dürfen wir uns „freuen und jubeln“.

Sicher ist es angenehmer, in Frieden und unbehelligt zu leben. Merkwürdig – also würdig, sich das zu merken – scheint mir dabei der Umstand, dass die Gemeinde in Jerusalem erst Verfolgung brauchte, um ihren Auftrag, „in alle Welt“ zu gehen, anzupacken.

Hier in Deutschland kommt die Welt zu uns: Asylanten, Migranten, Studenten, Spezialisten, Touristen... Und dann ist ja da auch noch unser Nachbar, der von Jesus nichts weiß.

Was darf uns eigentlich die Nachfolge Jesu und sein Auftrag an uns kosten?

Montag, 5. November 2007

Herausforderung Islam

Geht es nach der Presse, dann muss man ungefähr diesen Eindruck gewinnen:
Berlin ist eine Stadt mit rein islamischen Wohngebieten, Moscheen, Zwangsverheiratungen von minderjährigen Mädchen, islamischen Cafés mit verhängten Fenstern, kriminellen Parallelgesellschaften und Morden an aufmüpfigen Frauen sowie an den verhassten Christen*. Erst kürzlich sagte ein Angeklagter bei der Vernehmung, dass das deutsche Recht ungültig sein, lediglich der Koran sei verbindliche Richtlinie.
Es stimmt: Wer sich aus dem Islam zum Christentum bekehrt, hat laut Koran den sofortigen Tod verdient.
Berlin ist nicht die einzige Stadt in Deutschland, in der die islamischen Gruppen wachsen. Die Herausforderung des Islam für die Kirchen und die westliche Gesellschaft kann nicht mehr ignoriert werden.

Nun darf man selbstverständlich nicht alle Moslems in einen Topf mit den Gewalttätern werfen, es gibt genug Verbrechen, die nichts mit Koran und Moslems zu tun haben - und die Kirchengeschichte ist voller grausamer Verbrechen im Namen der christlichen Religion. Die Presse berichtet so gut wie nie über die stillen, fleißigen, friedlichen Moslems. Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten, gilt für Journalisten.
Doch auch die friedliche, unauffällige Mehrheit der Moslems bleibt den Deutschen fremd und unzugänglich. Es scheint auch bei den Christen eine meist unterschwellige Furcht, gewisse Gefühle der Ohnmacht und vor allem Ratlosigkeit zu geben, wenn es darum geht, ob und wie wir mit Moslems umgehen. Dies sei nicht richtig und nicht notwendig, sagt ein Experte, der am Ende dieser Woche in Berlin zum Thema reden wird:

Dr. Stuart Robinson ist ein weltweit anerkannter Islam-Experte. Er verfügt über ein fundiertes Fachwissen, nicht nur über die geschichtliche Entwicklung und die geistlichen Hintergründe des Islam, sondern auch über die aktuelle weltweite Situation. In seinen Vorträgen gibt er viele wertvolle Einblicke und Anregungen, wie wir uns dieser Herausforderung stellen können. Er ist Pastor einer der größten Gemeinden in Australien, der 'Crossway Baptist Church' in Melbourne, einer charismatischen Baptistengemeinde. Die Kirche hat ca. 4000 Mitglieder und etliche Tochtergemeinden. Robinsons Gemeinde hat 55 Missionare ausgesandt.

Durch seinen Dienst haben sich viele Moslems bekehrt. Daraus ist eine Bewegung entstanden, die auf einige tausend Christen angewachsen ist. Robinson berichtet aus der Praxis, er ist kein reiner Theoretiker sondern jemand, der Mullahs in ihren Moscheen aufgesucht hat und auf Moslems zugeht, statt ihnen auszuweichen. Von seinen vielfältigen Erfahrungen berichtet er nun auch in Berlin.

Termine: Freitag, 9. November und Samstag, 10. November 19:30 Uhr, Sonntag, 11. November 10:00 Uhr und 19:00 Uhr jeweils im C-Campus, Waidmannsluster Damm 7 C-E, 13507 Berlin. Eintritt frei.

*Wer es nicht glauben will, dass Christen für Moslems vogelfrei sind und dass mancher Unfall in unseren Städten in Wirklichkeit ein Mord ist, möge sich diesen Bericht aus der ARD ansehen: Report Mainz: Christenverfolgung in Deutschland

Samstag, 3. November 2007

Wohlstand durch Gerechtigkeit?

Der Bundeskanzler Helmut Schmidt hat einmal im Bundestag gesagt:
Jeder sucht sich aus der Bibel das heraus, was für den jeweiligen Sonntag gerade passt.
Vor ein paar Wochen diskutierte ich in einer Gruppe von etwa 15 Gläubigen über den Zehnten, der - so eine Teilnehmerin sinngemäß - unbedingt an die örtliche Gemeinde abzuführen sei, dafür erhielte man dann eine Wohlstandsgarantie von Gott, denn dann sei man gerecht vor Gott. Die Verheißung stünde ja schließlich in der Bibel. Wenn jemand den Zehnten in das Haus des Herrn gebracht habe, dürfe er auch einfordern:
Blicke herab von deiner heiligen Wohnung vom Himmel, und segne dein Volk Israel und das Land, das du uns gegeben, wie du es unseren Vätern geschworen hast, ein Land, das von Milch und Honig überfließt. (5. Mose 26, 15)
Zweifellos steht diese Bitte im fünften Buch Mose im unmittelbaren Zusammenhang mit der Treue des Volkes Israel, von jeglichen Erträgen den Zehnten abzugeben. Allerdings - und das wird schon eher ungern zitiert - sollten diese Gaben (und die Erstlingsgaben, von denen heute sowieso nicht mehr geredet wird) nicht in den Tempel, sondern:
Am Ende von drei Jahren sollst du den ganzen Zehnten deines Ertrages von jenem Jahr aussondern und ihn in deinen Toren niederlegen. Und der Levit - denn er hat keinen Anteil noch Erbe mit dir - und der Fremde und die Waise und die Witwe, die in deinen Toren wohnen, sollen kommen und essen und sich sättigen, damit der HERR, dein Gott, dich in allem Werk deiner Hand, das du tust, segnet. (5. Mose 14, 28-29)
Auf heute übertragen hieße das: Der Priester / Levit / Pastor / Pfarrer / Prediger bekommt einen Teil vom Einkommen der Gläubigen, weil er nämlich besitzlos ist. Das bedeutet: Er hat kein regelmäßiges Gehalt, keinen Grundbesitz, keine Altersvorsorge... Er lebt von dem, was die Gläubigen ihm bringen. Welcher Priester / Levit / Pastor / Pfarrer / Prediger mag da heute die Hand heben und sagen: "Das bin ja ich!" - mit gutem Gewissen? Der Rest der Gaben des Volkes geht an die Asylanten, in die Waisenhäuser, an die Witwen... Doch das nur am Rande.

Meine Frage in jener Diskussion, warum denn dann Paulus sowohl Mangel als auch Überfluss gekannt habe, und warum es in vielen Ländern heute Christen gibt, die Hunger und Durst leiden, blieb ohne Antwort.

Natürlich ist jeder froh, wenn er keine Not leiden muss. Es ist auch ganz gewiss keine Sünde, Geld und Besitz zu haben - nicht einmal für einen Priester / Levit / Pastor / Pfarrer / Prediger. Aber darf man als Rezept zum finanziellen Auskommen alttestamentarische Vorschriften predigen? Ich bin überzeugt, dass Paulus die Schriften besser kannte als wir. Und doch war er in Zeiten des Mangels so zufrieden wie in Zeiten des Überflusses. Ihm ging es nämlich um Gerechtigkeit.

Der Apostel hatte eine ganz präzise Vorstellung davon, was Gerechtigkeit vor Gott ausmacht. Das hat mit viel mehr zu tun als mit Geld und Opfern.

Wenn es heute noch nach dem Gesetz des Alten Testamentes ginge, hätte mancher von uns ein paar Probleme mehr. Zum Beispiel dieses:
Wenn ein Mann zwei Frauen hat, eine geliebte und eine gehaßte, und sie gebären ihm Söhne, die geliebte und die gehaßte, und der erstgeborene Sohn ist von der gehaßten: dann soll es geschehen an dem Tag, an dem er seine Söhne erben läßt, was ihm gehört, daß er nicht den Sohn der geliebten zum Erstgeborenen machen kann gegen den Sohn der gehaßten, der doch der Erstgeborene ist. (5. Mose 21, 15-16)
Oder, was die Erziehung der Söhne betrifft, vielleicht auch jenes:
Wenn ein Mann einen störrischen und widerspenstigen Sohn hat, der auf die Stimme seines Vaters und auf die Stimme seiner Mutter nicht hört, und sie züchtigen ihn, er aber hört weiterhin nicht auf sie, dann sollen sein Vater und seine Mutter ihn ergreifen und ihn hinausführen zu den Ältesten seiner Stadt und zum Tor seines Ortes. Und sie sollen zu den Ältesten seiner Stadt sagen: Dieser unser Sohn ist störrisch und widerspenstig, er hört nicht auf unsere Stimme, er ist ein Schlemmer und Säufer! Dann sollen ihn alle Leute seiner Stadt steinigen, daß er stirbt; so sollst du das Böse aus deiner Mitte wegschaffen. (5. Mose 21, 18-21)
Wie kommt es eigentlich, dass wir das eine und andere aus den Gesetzes- und Vorschriftensammlungen für "Wort Gottes" halten und anderes nicht?

Paulus war eindeutig: Gerecht im Sinne der Heiligen Schriften ist nur jemand, der das ganze Gesetz hält (es dürfte allerdings heute juristische Probleme geben, wenn widerspenstige Kinder künftig gesteinigt und mehrere Ehefrauen genommen werden). Wer das Gesetz einmal nicht hält, kann zur Sühne Opfer bringen, also Tauben schlachten, Böcken die Kehle durchschneiden, Geld in den Tempel tragen und ähnliches. Paulus hielt, nachdem er Christ geworden war, diesen Weg zur Gerechtigkeit allerdings, je nach Übersetzung, für Kot / Dreck (Philipper 3, 8). Heute würde mancher sagen: Scheiße.

Alternativ gibt es die Gerechtigkeit Gottes, die auch weniger mit unseren staatlichen Gesetzen (Mehrehe, Steinigung von ungezogenen Söhnen und vieles mehr) kollidiert.
...indem ich nicht meine Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die durch den Glauben an Christus, die Gerechtigkeit aus Gott aufgrund des Glaubens... (Philipper 3, 9)
Gerechtigkeit im biblischen Sinn hat nichts mit unserem Rechtsempfinden oder den Gesetzen des Staates zu tun. Unser Empfinden, meist vom Humanismus geprägt, betrachtet manches als gerecht oder ungerecht, was absolut nichts mit dem Begriff zu tun hat, wie ihn die Bibel verwendet: Gerecht ist, wer ohne eine einzige Sünde dasteht.

Ich ziehe es vor, durch den Glauben gerecht zu werden, denn ich habe weder Vergnügen daran, ungezogene Bengel zu steinigen, noch Schafe zu schlachten, noch einer Frau nach einer Balgerei die Hand abzuhacken. Nun gut, ich raufe nicht mit anderen Männern, aber denkbar wäre ja, dass ich angegriffen werde und eine Frau mir zu Hilfe eilt. Wenn dabei unabsichtlich ihre Hand in eine gewisse Gegend gerät, wird es brenzlig:
Wenn Männer miteinander raufen, ein Mann und sein Bruder, und die Frau des einen eilt herbei, um ihren Mann aus der Hand dessen, der ihn schlägt, zu retten, und sie streckt ihre Hand aus und greift an seine Geschlechtsteile: dann sollst du ihr die Hand abhauen; du sollst nicht schonen. (5. Mose 25, 11)
Gerecht oder ungerecht? Jeder hat die Wahl. Gesetzestreue oder Glaube? Mir ist zweiteres sympatischer. Ersteres würde ich sowieso nicht schaffen.

Freitag, 2. November 2007

Dreams, Themes and Schemes

Diese Woche gab es ja keine neue Theme Time Radio Hour, sondern eine Wiederholung aus der ersten Staffel (Halloween - nicht sonderlich witzig, abgesehen vom Boo! am Schluß). Muss ich nicht noch mal hören...

Daher habe ich mir in den letzten Tagen ein paar ältere Sendungen angehört, die ich in guter Erinnerung hatte, Water / Coffee / Countdown und - nach wie vor eine der besten Sendungen bisher:


Man hört bei jeder Moderation und an der Auswahl der Songs, dass Bob Dylan da ein Thema hatte, von dem er nicht nur was versteht, sondern dass sein Herz ganz besonders bei der Sache war.
You can go to your college
You can go to your school
But if you don't have Jesus
You're an educated fool
zitiert er aus dem Denomination Blues. Und meint das so.

Neben den Moderationen gibt es natürlich ganz hervorragende Musik:
  • Are You Bound For Heaven Or Hell - Rev. J.M. Gates (1926)
  • Bottle and a Bible - The Yayhoos (2001)
  • Samson And Delilah - Rev. Gary Davis (1956)
  • He Will Set Your Fields on Fire - Kitty Wells (1959)
  • Adam Come And Get Your Rib - Wynonie Harris (1952)
  • The Old Ark’s A’Moving – A.A. Gray and Seven-Foot Dilly (1930)
  • Denomination Blues - Washington Phillips (1929)
  • I’m Using My Bible For A Road Map - The Four Internes (1953)
  • Elijah Rock - Ollabelle with Amy Helm (2004)
  • The Rivers Of Babylon - The Melodians (1972)
  • John The Revelator - Blind Willie Johnson (1930)
  • Boogie Woogie Preaching Man - Jess Willard (1952)
  • Oh Mary Don’t You Weep - The Swan Silvertones (1959)
  • That’s What The Good Book Says - The Robins (1950)
Wem also das Warten auf nächste Woche (From Head to Toe) zu lange wird, dem kann ich obigen Download (thanks to Croz!) empfehlen. Oder eben sonst was aus dem Archiv. Bloß nicht unbedingt Halloween...