Sonntag, 19. Juli 2009

Ausnahmezustand

Das war mal ein Schreibtisch, beziehungsweise es kann wieder einer werden, wenn er zusammengebaut wird. Die Teile hat gerade ein Freund abgeholt, der sich über die Glas-Stahl-Eckkonstruktion sehr freut. Etliche Regale hat er auch gleich mitgenommen. An diesem Schreibtisch sind viele Texte entstanden, die meine verehrten Blogleser kennen.

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An diesen dünnen Kabeln hängen nicht nur Telefon, Fax, Netzwerk und DSL, sondern auch in gewisser Weise MatMil und vieles mehr. Einer der Drähte war beim Abbauen der Möbel rausgerutscht. Es dauerte eine Weile herauszufinden, wo er hingehörte. Hätte ich es nicht herausgefunden, gäbe es jetzt diesen Blogbeitrag nicht.

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Und so sieht eine Teilansicht unseres gemütlichen Wohnzimmers nun aus, während nächste Woche die Handwerker fleißig sind. Richtig wohnlich, oder? Im Flur stehen noch weitere Kartons herum. Einige Kisten mit Büchern haben wir zum Verschenken aussortiert, damit dann Platz für Nachschub ist.

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Immerhin: Die Technik funktioniert, solange nicht einer der Handwerker ein Kabel beschädigt oder aus der fragilen Konstruktion zieht. Der Ausnahmezustand dürfte, so Gott will, die Handwerker fleißig sind und wir leben, dann am nächsten Wochenende zu Ende gehen.

Samstag, 18. Juli 2009

Steve Turner: Imagine


Die Aussagen von U2 über den persönlichen Glauben hätten wahrscheinlich weniger Wirkung gehabt, wenn sie diesen Glauben nicht konsequent vorgelebt hätten. Ich bin überzeugt, dass ein großer Teil des Respektes für sie daher kommt, dass man sie für Menschen hält, die zu ihrem Wort stehen. Das Evangelium macht für die Menschen mehr Sinn, wenn sie es gelebt sehen, statt es nur zu hören. -Steve Turner
Der Verfasser dieses Buches ist Journalist, Musikkritiker und Autor. Er lebt in London und schreibt regelmäßig für Zeitungen und Magazine. Er hat verschiedene Bücher über Musiker wie die Beatles, Cliff Richard, Eric Clapton, U2 und andere, sowie mehrere Gedichtbände veröffentlicht. Aus seiner Feder stammt auch die offizielle Biografie »The Man called Cash« über Johnny Cash.

Im vorliegenden Buch geht es auch um Musik und Musiker, aber »Imagine« ist weit mehr als ein Portrait von Künstlern. Steve Turner öffnet den Blick für eine weite und visionäre Perspektive, wie Christen heute Kunst schaffen können, die authentisch ist und etwas bewirkt, weil sie von der säkularisierten Gesellschaft nicht ignoriert wird.

Es hat sich eine ungesunde Spaltung in »christliche« und »weltliche« Kunst entwickelt, das betrifft nicht nur die Musik, sondern genauso die Literatur, Malerei, Theater, Film und Bildhauerei. Axel Nehlsen, Pfarrer in Berlin, sagte 2004: »Als Verantwortliche in Kirche und Gemeinde sind wir oft erschrocken über die kulturelle Irrelevanz der Christen. Wir entdecken mehr Rückzug in den frommen Bereich statt kompetente Einmischung in die Gesellschaft.«
Woher diese Spaltung kommt, die im Versagen vieler sicher sehr begabter Christen gipfelt, ihre Mitmenschen überhaupt zu erreichen, untersucht Steve Turner. Er ist schon früh in seinem Leben auf das ausschlaggebende Denken gestoßen:
Als ich einmal erzählte, dass ich Autor werden wollte, sagte ein älterer Christ zu mir: »Das wäre sehr schön. Es gibt ein paar gute christliche Zeitschriften.« Seine Überzeugung war, dass ein Christ für Christen über das Christentum schreibt, dass ich vielleicht für eine überregionale Zeitung oder ein Magazin über allgemeine Theman schreiben wollte, kam gar nicht in Betracht.
Gut, dass Steve Turner seinen Weg als Autor gefunden hat, der mit seinen Werken nicht nur ein Nischenpublikum erreicht. Er begann als Journalist und interviewte die seinerzeit berühmtesten Musiker, darunter Elton John, Frank Zappa, Lou Reed, Eric Clapton, Pink Floyd, The Who, Rolling Stones ... um nur einige zu nennen. Im Buch »Imagine« schildert er unter anderem ein ausführliches Gespräch mit John Lennon zu der Zeit, als das Album »Imagine« gerade erschienen war. Lennon hatte einen Brief bekommen, in dem es hieß: »Du brauchst Jesus, John!« Steve Turner sprach lange mit ihm über Jesus, Gott, Jesus-People und mehr. John Lennon hatte durchaus einiges dazu zu sagen.

Steve Turner untersucht in diesem Buch Zusammenhänge von Kirche und Kunst, auch biblische Befunde, schildert die Einflüsse der Reformation und stellt dann anhand der Paulus-Briefe die Frage, was denn eigentlich »die Welt« sein soll.
Die Bibel warnt tatsächlich vor »der Welt« und »Weltlichkeit«. Wenn wir Gott treu sein wollen, müssen wir herausfinden, was damit gemeint ist. ... »Habt nicht lieb die Welt...« bedeutet weder »kümmert euch nicht um den Planeten« noch »schließt euch aus der Gesellschaft aus«. Es bedeutet: »Eignet euch kein anti-göttliches Denken an.«
Der Autor widmet sich auch dem Dilemma, in dem viele Christen, die künstlerisch tätig sind, sich wiederfinden.
Man fordert christliche Künstler dazu auf, die alltäglichen Dinge des Lebens zu ignorieren, weil sie keine Gelegenheit zum Zeugnis des Glaubens bieten. Die Erwähnung von Seife oder Football führt nicht natürlicherweise nach Golgatha. Also bleibt ihnen nur das offensichtlich Geistliche, und das macht sie in den Augen von Nichtchristen zu einseitigen Menschen. Es scheint, als hätten sie keinen Alltag, als würden sie nicht in der normalen Welt mit Telefonen, Autos, Fernsehen und so weiter leben.
Steve Turner schildert »missbrauchte und erlöste Kreativität«, untersucht die Bibel auf künstlerische Bestandteile und führt seine Gedanken über den kreativen Geist Gottes, die Zeit in der wir leben und gesellschaftliche Veränderungen schließlich zu der Frage: Ist es möglich, dass Christen eher zum Künstler berufen sind als zum Prediger? Und wenn ja, wie kann das authentisch gelebt werden?
Am Beispiel der Band U2, in der drei der vier Mitglieder Gläubige sind, zeigt er dann exemplarisch, wie das gelingen kann.
Obwohl jeder Fehler, den die Band in den letzten zwanzig Jahren gemacht hat, öffentlich bekannt wurde, hat U2 sachkundig ein Gesamtwerk geschaffen, das sich aus den besten Traditionen der modernen Musik speist und dem sie etwas Einmaliges hinzufügt. Ihre Musik trägt eine Vision in sich, die eindeutig in der Bibel verwurzelt ist. Mehr als jede andere Band haben sie Gott, Jesus, die Bibel und eine christliche Weltanschauung auf die Tagesordnung gezwungen.
Doch Steve Turner beschränkt sich nicht auf die Musik oder U2 in diesem Buch. »Imagine« stellt Künstler aus allen Bereichen des kreativen Schaffens vor, mit ihren Stärken und ihren Schwächen, ihren Erfolgen und ihren Niederlagen. Das Buch inspiriert, macht Mut und öffnet Wege aus der frommen Sackgasse. Und das ist auch gut so.

Mein Fazit: Sowohl für Kunstschaffende als auch für Kunstinteressierte eine Fundgrube voller einmaliger Inspirationen und Impulse. »Das Evangelium macht für die Menschen mehr Sinn, wenn sie es gelebt sehen, statt es nur zu hören.« Dieses Buch zeigt, wie das gelingen kann.

Steve Turner: Imagine
Taschenbuch, 144 Seiten
Euro 9,80
ISBN 3-935992-17-3
Erhältlich bei: Down to Earth, Berlin

Freitag, 17. Juli 2009

Amazon ist gut drauf!

Kürzlich hatte ich mich hier (und selbstverständlich bei Amazon direkt) bitter beklagt: Amazon ist mies drauf...

Eben bekam ich eine Mail von Amazon:
Guten Tag,
wir haben Neuigkeiten für Sie in Bezug auf die limitierte Version von 'Windows 7 Home Premium' zum Angebotspreis von EUR 49,97.
Sie zählten zu den Kunden, die während des Bestellvorgangs am vergangenen Montag mit technischen Problemen zu kämpfen hatten und ihre Bestellung nicht zu Ende führen konnten. Dies ist auch für uns ein sehr ärgerlicher Vorfall. Wir freuen uns deshalb, Ihnen mit dieser Mail einen Gutscheincode überreichen zu können, mit dem Sie auch jetzt noch eine "Windows 7 Home Premium" Version zum Aktionspreis von EUR 49,97 vorbestellen können.
Wir bitten Sie nochmals um Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten, denn selbstverständlich wollen wir für unsere Kunden auch bei sehr hohem Bestellaufkommen jederzeit einen reibungslosen Bestellablauf gewährleisten. Wir hoffen daher, Ihnen mit diesem Gutschein nun eine Freude zu machen.
Na also, nun habe ich Windows 7 bestellt und bin mit Amazon versöhnt. Scheint also doch das kundenfreundlichste Unternehmen sein zu wollen.

Dankeschön, lieber Kundenservice! Mein Einkaufswagen wird zukünftig nicht mehr leer bleiben...

Schönes Wochenende schon mal!

Man will ja nicht klagen über Arbeit, nein, das sei in Zeiten wie diesen ferne. Obwohl ich lieber Bücher lesen und Eigenes schreiben würde, das ist allerdings auch wahr. Jedoch: bis Ende Juli sind noch zwei CD-Programmierungen fertig zu stellen, also beschäftige ich mich wieder mal mit solchen netten Texten:


Noch dazu muss vor Montag früh das Arbeitszimmer komplett leergeräumt sein, weil dann die Handwerker in Sachen Renovierung und Möbeleinbau kommen. Leerräumen heißt in diesem Fall etwa 1.200 Bücher aus den Regalen nehmen, in Kartons packen oder an der Wohnzimmerwand hoch stapeln, dazu jede Menge Aktenordner und was sich sonst so im Lauf der Jahre ansammelt, vom Tonervorrat bis zum Glas mit Büroklammern. Ganz zu schweigen von all der Technik und Verkabelung: 2 PCs, Netzwerkswitch, 2 Drucker, diverse externe Festplatten...

Und dann hinterher alles wieder zurück ins neue Arbeitszimmer. Na ja. Man gönnt sich ja sonst nichts...

P.S.: Morgen gibt es an dieser Stelle eine Rezension über ein Buch, das in gewisser Weise zum Auftritt von U2 in Berlin passt. Ich hätte kostenlos ins Konzert gekonnt, aber die Arbeit lässt es leider nicht zu...

Donnerstag, 16. Juli 2009

Amazon ist mies drauf...

Wenn ich beim Kaufland, Obi, Penny oder sonstwo meinen Einkaufswagen fülle und zur Kasse schiebe, und dort nimmt man mir Waren wieder weg, die bereits drin liegen - wäre das Diebstahl? Kaum, da ich ja noch nichts bezahlt habe. Aber es wäre unverschämt und geschäftsschädigend, oder etwa nicht? Und wenn mir dann der Ladeninhaber die gleiche Ware zum verdoppelten Preis zurück in den Wagen legt - was ist das dann?

Nun gehöre ich zu den Tausenden, die gestern früh gegen 9:00 Uhr Windows 7 zum Sonderpreis bei Amazon kaufen wollten. Es gelang mir um 9:02 Uhr auch tatsächlich, den Artikel in den Einkaufswagen zu legen und »zur Kasse« zu gehen. Beim letzten Klick, der den Bestellvorgang abschließt, erschien dann eine 404-Fehler Seite. Nach mehrmaligem hin- und zurückklicken war um 9:04 dann plötzlich Windows 7 weg. Aus meinem Warenkorb geklaut. Und siehe da- runde 10 Minuten später lag die Software wieder in meinem Einkaufskorb - zum mehr als doppelt so hohen Preis. 119 Euro statt 49 Euro.

Ich sehe es ein, dass bei begrenztem Vorrat ein Artikel ausverkauft sein kann. Dann hat man eben Pech gehabt, falls man zu spät kommt. Aber ich kam nicht zu spät, der Artikel lag im Einkaufswagen und plötzlich verdoppelt sich der Preis - so etwas geht nun wirklich nicht bei seriösen Händlern. Ich schrieb also eine sehr sachliche und freundliche Mail an den Kundenservice. Zurück kam ein Standard-Schreiben mit Rechtschreibfehler (Kunden schreibt man groß), das vermutlich Tausende von Kunden bekommen haben:
Guten Tag,
vielen Dank für Ihr Schreiben an Amazon.de.
Wir möchten Ihnen einen effizienten und zufrieden stellenden Service bieten. Bitte entschuldigen Sie, dass wir in diesem Fall Ihre Erwartungen nicht erfüllen konnten.
Wir bedaueren sehr, dass Sie nicht in den Genuss der Vorbestell-Aktion "Windows 7 Home Premium für 49,97 EUR" gekommen sind. Aufgrund der sehr hohen Nachfrage war die vorbestellbare Menge zum Aktionspreis sehr schnell ausverkauft. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Wie ich sehe, ist der gewünschte Titel "Windows 7 Home Premium" nun auf unserer Website zum Preis EUR 119,97 gelistet. Wenn Sie weiterhin an dem Artikel interessiert sind, bitten wir Sie, diese über unsere Website zu bestellen.
Sicherlich haben Sie Verständnis dafür, dass aufgrund der Menge an kunden, die gleichzeitig versucht haben den Artikel zu bestellen, kam es teilweise zu Fehlermeldungen. Für diesen unglücklichen Vorfall entschuldige ich mich aufrichtig und bitte um Ihr Verständnis.
Wir hoffen dennoch Sie weiterhin durch unser reichhaltiges Angebot überzeugen zu können.
Es ist uns bewußt, dass diese Lösung nicht zufriedenstellend ist, aber möglicherweise konnten wir Ihnen einen kleinen Einblick in die Hintergründe geben.
Freundliche Grüße
Piyush Chandra Jha
Unser Ziel: das kundenfreundlichste Unternehmen der Welt zu sein
Ach ja? Das kundenfreundlichste Unternehmen der Welt hätte zumindest bei denjenigen Kunden, die den Artikel im Warenkorb hatten, auf eigene Kosten die Differenz zum teureren Preis übernommen und den Kunden beliefert.

Ich schrieb zurück:
Ein Standard-Erklärungs- und Entschuldigungsbrief ist keine Hilfe.
Sie schreiben: »Sicherlich haben Sie Verständnis dafür, dass aufgrund der Menge an kunden, die gleichzeitig versucht haben den Artikel zu bestellen, kam es teilweise zu Fehlermeldungen. Für diesen unglücklichen Vorfall entschuldige ich mich aufrichtig und bitte um Ihr Verständnis.«
Ich hatte den Artikel bereits im Einkaufswagen! Und dass er mir dort von Ihnen oder Ihrer mangelhaften Technik wieder heraus»gestohlen« wurde, das ärgert mich. So etwas ist unseriös und unfair, da können Sie sich nicht mit einem begrenzten Kontingent herausreden.
Wenn ich (als Dienstleister) einem Kunden eine Leistung zusage die ich nicht schaffen kann, er sie bestellt und ich dann nach dem April-April-Verfahren reagiere, dann bin ich meine Kunden bald los. Aber Amazon darf so etwas?
Vom Buch über DVD und Musik bis zum Laserdrucker, Bürobedarf und vieles mehr bin ich seit vielen Jahren zufriedener Amazon-Kunde gewesen ...
Es geht mir nicht um die 50 oder 60 Euro, sondern um die Unverschämtheit, mit der Amazon die Grundregeln des geschäftlichen Miteinander ignoriert. Vermutlich ist der Handelsriese zu riesig geworden?
Mein Einkaufswagen bei Amazon ist zur Zeit leer. Bücher, CDs, DVDs, Elektronik und Zubehör - so was gibt es doch auch andernorts?

P.S.: Update 17. Juli: Amazon ist gut drauf!

Mittwoch, 15. Juli 2009

Hartgekochte Eier

Gestern Eiswasser, heute hartgekochte Eier. Mich deucht, ich bin etwas restaurantlastig. Aber diese Geschichte wollte ich schon seit 1997 erzählen, ich bin bloß bisher nie dazu gekommen. Jetzt endlich, nachdem die lange Übersetzungsarbeit erledigt ist, berichte ich von jenem Mittag irgendwo, weißnichtmehrwo:

Es ist Mittag, ich bin in einer fremden Stadt, kenne mich nicht aus und kehre deshalb ein. Ich weiß zwar nicht, worauf ich Appetit habe, aber vielleicht weiß ich es doch, bin mir nur nicht ganz sicher. Die Kellnerin kommt mir entgegen, außer uns beiden ist niemand im Lokal. Ob heute ein Feiertag ist? Warum geht denn hier zu mittäglicher Stunde kein Mensch essen? Die Kellnerin betrachtet mich sehr genau, als ich mich hinsetze. Ein hübsches Gesicht hat sie, und sehr lange, schimmernde, hellhäutige Beine. Bei all dem dunklen Holz, das Wände verkleidet und aus dem die Möbel bestehen, schimmern sie um so heller. Wie mag sie heißen? Sie trägt kein Namensschild, wie man es sonst gelegentlich sieht.
Ich bitte sie: »Sagen Sie mir, was ich möchte.«
Sie meint: »Vermutlich wollen Sie hartgekochte Eier.«
Ein guter Vorschlag, bestätigt mein Magen. Oder ist es mein Gehirn? Egal. Jedenfalls stimme ich zu: »Prima Idee, richtig! Bringen Sie mir welche.«
Etwas huscht über ihr Gesicht, ein Lächeln wie ein vergänglicher Hauch Parfüm, wenn man auf der Straße an jemandem vorüber geht. Sie lächelt ganz kurz und sehr schüchtern: »Wir haben aber keine, Sie sind zur falschen Zeit gekommen.«
Dann ist das Lächeln wieder verflogen und sie fügt hinzu: »Ich weiß, dass Sie ein Künstler sind. Machen Sie eine Zeichnung von mir?«
Nun gut. Einstweilen kein Essen für mich. Vielleicht habe ich ja auch gar keinen Hunger. Da ich von Natur aus ein höflicher Mensch bin, sage ich freundlich: »Wenn ich könnte, würde ich das gerne tun. Aber ich zeichne nicht aus dem Gedächtnis.«
Etwas irritiert gibt sie zurück: »Aber ich stehe doch hier vor Ihnen! Haben Sie keine Augen im Kopf?«
»Das stimmt schon, aber ich habe meinen Zeichenblock nicht zur Hand.«
Da ist er wieder, der Hauch eines Lächelns. Wie kostbar ein solcher Moment ist, in einer fremden Stadt, eingekehrt in ein fremdes Gasthaus, die Freundlichkeit einer Fremden. »Ach so. Dann nehmen sie die hier«, sagt sie, und reicht mir eine Papierserviette, »darauf können Sie mich zeichnen.«
Ob ich dieses Lächeln noch einmal hervorzaubern kann? »Das würde ich tun, wenn ich könnte, aber ich weiß nicht, wo mein Bleistift geblieben ist.«
Sie zieht einen hinter dem Ohr hervor. Klingt sie etwas ungeduldig? »Nun aber los, zeichnen Sie mich. Ich bleibe ganz ruhig hier stehen.«
Ihr Mine bleibt ernst, fast konzentriert. Als müsste sie das Kunstwerk anfertigen. Ich male ein paar Striche auf die Serviette. Dann zeige ich ihr das Ergebnis.
Ein Lächeln? Nein. Im Gegenteil. Sie nimmt die Serviette und wirft sie zurück auf den Tisch. Die hübsche Stirn ist gerunzelt. »Das sieht überhaupt nicht aus wie ich!«
Ich sage: »Oh liebes Fräulein, ganz bestimmt sieht das aus wie Sie!«
»Sie machen wohl Witze?«
»Ich wünschte, das wäre so.«
Bin ich jetzt eigentlich unhöflich? Meines Charmes verlustig gegangen? Immerhin, rechtfertige ich mich vor mir selbst, hat sie mir nichts zum Essen gebracht und noch dazu eine Zeichnung verlangt. Seit wann bin ich denn Zeichner? Wenn ich überhaupt Kunst zustande bringen sollte, dann doch eher mit Worten ...
Unvermittelt fragt sie mich: »Sie lesen keine Literatur von weiblichen Autoren, oder?« Zumindest glaube ich, dass sie das gesagt hat. Falls ich mich nicht völlig verhört habe. Sie scheint gerne das Thema zu wechseln, ohne dass ich einen Anlass erkennen kann. Von den hartgekochten Eiern über das Zeichnen zum Bücherlesen.
»Hören Sie«, gebe ich zurück, »woher wollen Sie denn das wissen? Und überhaupt, welche Rolle könnte es spielen?«
»Sie machen nicht den Eindruck, das meine ich.«
Nun ja. Das kann ich nicht beeinflussen, welchen Eindruck ich auf sie mache. Aber immerhin kann ich den Irrtum aufklären. »Ganz falsch, völlig falsch!«, erkläre ich energisch.
Neugierig will sie wissen: »Und welche haben Sie gelesen?«
»Erica Jong.«
Sie geht einen Moment aus dem Raum in die Küche, ich schlüpfe vom Stuhl und trete wieder auf die belebte Straße hinaus. Doch niemand geht irgendwo hin.

P.S.: Kenner haben es längst erkannt: Diese kleine Geschichte wurde inspiriert von einer Passage im Song »Highlands«.
P.P.S.: Diese Erzählung ist auch in dem E-Book »Doch niemand geht irgendwo hin.« enthalten. Kostenlos für Kindle, Sony Reader und andere Geräte, auch als PDF. Hier klicken: Doch niemand geht irgendwo hin.

Dienstag, 14. Juli 2009

Eiswasser

Manches kann man noch nicht einmal schriftlich so übersetzen, dass es funktioniert. Man muss es im Original belassen und aussprechen. Also empfehle ich den geneigten Blogbesuchern, sich diese kleine Geschichte laut vorzulesen.

Letztes Jahr in Amerika bestellte ich in einem netten Restaurant zum Essen kein Getränk, da es ja dort sowieso immer Eiswasser kostenlos und so viel man möchte gibt. Die Kellnerin hatte sichtlich gute Laune und ein verschmitzes Lächeln auf dem Gesicht. War sie etwa 25 Jahre alt? Ich weiß es nicht, und das hat auch gar nichts mit dieser Geschichte zu tun. Hieß sie Sandy? Keine Ahnung, aber auch das hat nichts zu bedeuten, ausser dass ich einen Namen brauche, um weiter zu erzählen. Also nennen wir sie Sandy, okay? Sie steht am Tisch und lächelt.
Auf ihre Frage nach dem Getränkewunsch meinte ich: »Thanks, just some ice water.«
Sandy: »Alright, I'll bring you an onion.«
Vermutlich schaute ich etwas belämmert drein. »An onion?«
Sandy: »Yeah, you just bite into the onion. That will make your eyes water.«

Montag, 13. Juli 2009

Andrae, Sandra und Michael

Vielleicht sind einigen meiner Blogleser Andrae und Sandra Crouch ja ein Begriff. Sie gehören zu den etabliertesten Musikern aus dem christlich-charismatischen Lager. Die beiden Geschwister hatten über viele Jahre eine freundschaftliche Beziehung mit Michael Jackson.
Er habe kein »Übergabegebet« mit ihnen gesprochen, berichten Andrae und Sandra Crouch. Aber:
During our meeting, not unlike many other creative/music meetings we've had with him in the past, we sang together, prayed together and had a wonderful time.
(Wir sangen miteinander, beteten zusammen und genossen eine wunderbare Zeit bei unserem letzten Treffen, wie bei vielen vorangegangenen kreativ-musikalischen Zusammenkünften.)
Ich habe Michael Jackson häufig bedauert, wenn er wieder einmal zum Opfer der Gehässigkeit in den Medien wurde. Meist war es wohl der Neid, die Missgunst, die zu einschlägigen Berichten geführt hat. Sicher: Er führte kein vorbildlich frommes Leben, stürzte in allerlei Exzesse und stellte manches an, was ganz und gar nicht gut war. Er hat sehr viel Mist fabriziert. Wer unter uns ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein hinter ihm her, nachdem er selbst eine Meile in den Schuhen Michael Jacksons unterwegs gewesen ist.

Ich finde übrigens in meiner Bibel, egal welche Übersetzung ich zur Hand nehme, kein einziges »Übergabegebet«. Es sei denn, man will die Worte des neben Jesus gekreuzigten Verbrechers als solches bezeichnen.
Andrae and Sandra did in fact visit with MJ 2 times, once at the recording studio, and once at his home in the last 2 months, as recently as 3 weeks ago, asking for prayer concerning the anointing of the Holy Spirit, and how he could make his music more ‘spiritual’.
(Andrae und Sandra besuchten Michael Jackson in den letzten zwei Monaten zwei Mal, einmal im Studio und einmal zu Hause, drei Wochen vor seinem Tod. Er bat um Gebet bezüglich der Salbung des Heiligen Geistes und dafür, wie er seine Musik 'geistlicher' machen konnte.)
Soweit ich meinen Herrn und Erlöser Jesus Christus verstehe, entscheidet er anhand des Herzens eines Menschen. Und ein Herz, das sich nach der Salbung des Heiligen Geistes sehnt, ein Musiker, der seine Lieder mit geistlicher Tiefe ausstatten will, dürfte bei ihm in der Ewigkeit Trost, Frieden und endlich sehr viel Liebe finden.

Die Zitate stammen aus diesem Bericht: Gospel Artists Say They Did Not Lead Michael Jackson To Christ
Bild von ASBO Jesus

Sonntag, 12. Juli 2009

Kurz gesagt: Schön war’s.

Die Besucher – Waldbühne ausverkauft – warten geduldig auf Herrn Naidoo. Die Stimmung: Heiter, freundlich, familiär. Herr Naidoo lässt erst einen gewissen »Daniel Soundso« 40 Minuten singen, bevor seine Roadies noch mal gemütlich die Instrumente überprüfen und Wasserfläschen nebst Handtüchern verteilen. Die Berliner (und angereisten Gäste) sind wieder mal geduldig…

IMGP0966 Um 21 Uhr geht es dann endlich los. 22.000 Besucher bekommen 120 großartige Minuten Musik, einschließlich Liebeslieder, Anbetung, Gerichtsankündigungen und Trostreiches. Gänsehaut entsteht, als aus wohl so gut wie allen Kehlen der Ruf zum Himmel schallt: »Leg den Himmel über Deutschland!«

IMGP0979Erst nach Mitternacht waren wir zu Hause, aber es hat sich gelohnt. Ein beeindruckendes und bereicherndes Konzert. Danke, Xavier!

P.S.: Heute früh habe ich immer noch einen Ohrwurm im Kopf. Some things will change for the better, some things may change for the worse. So I'm writing you this letter, may you not be touched by the curse...

P.P.S.: Hier ein netter Bericht der Berliner Morgenpost: Wie Xavier Naidoo vor 22.000 Fans predigte

Voll auf Speed

DSL ist ja, so sagen die Experten, nicht gleich DSL. Abhängig von allerlei Einflussgrößen soll es mal schneller und mal langsamer funktionieren.

Nun war ich neugierig und habe einen Speedtest gemacht. Das Ergebnis mit dem Internet-Explorer 8:

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Und mit dem Firefox 3.5 kam, eine Minute später, dieses Ergebnis zustande:

speedtest-ff

Und nun frage ich mich als Laie, was es wohl mit dem PING-Ergebnis auf sich haben mag.