Sonntag, 13. März 2011

Jessika – ein Verhängnis /// Teil 15

Eine einsame Stimme hat sich diese Fortsetzung für den Sonntag gewünscht. Hier ist sie. Vorher noch das Obligatorische: [Teil 1] /// [Teil 2] /// [Teil 3] /// [Teil 4] /// [Teil 5] /// [Teil 6] /// [Teil 7] /// [Teil 8] /// [Teil 9] /// [Teil 10] /// [Teil 11] /// [Teil 12] /// [Teil 13] /// [Teil 14]

--- --- ---  --- --- ---  --- --- ---

Bevor der Junge eine weitere Rüge einstecken musste, weil er natürlich den Mund nicht geleert hatte bevor er sich zu Wort meldete, sagte Jessika: »Das meinte Johannes nicht, dass ihr beide eine Weile unterwegs wart. Er fragt sich, wo meine eigene Heilungskraft war, als ich sie gebraucht hätte, stimmt's?«

Johannes nickte nur.

»Ich hatte schon zu viel Blut verloren«, erklärte sie. »Das Leben, so viel weiß auch die Bibel und jeder Arzt dieser Welt zu berichten, ist im Blut, und wenn das Blut schwindet, dann schwindet das Leben mit ihm. Und gleichzeitig auch die bei unserer Art wesentlich stärkere Kraft, gesund zu werden, die ihr normalen Menschen nur sehr eingeschränkt besitzt. Es war einfach schon zu spät, mir selbst zu helfen.«

Giacomo schüttelte den Kopf. »Ich will das alles eigentlich nicht wissen. Alesia hat mir damals, als wir heiraten wollten, erklärt, dass sie nicht – äh – also dass sie zwar ein Mensch ist, aber auch das Erbe einer Rasse – einer Art – dass sie etwas in sich trägt, also dass sie anders ist. Ich habe das akzeptiert, aber nicht ganz verstanden. Es ist mir egal. Und heute hat sie mir, als ich nach Hause kam, erzählt, dass Luca – na ja, dass er dazugehört. Luca trug bereits die Motorradjacke und hatte den Helm in der Hand. Alesia hat mir erklärt, wohin wir fahren müssen und eingeschärft, dass ich tun soll, was Luca verlangt, um dich«, er sah Jessika stirnrunzelnd an, »zu retten. Auf dem Motorrad kann man nicht richtig miteinander reden, aber ich habe unterwegs so viel begriffen, dass ich meinem Sohn dann den Arm mit meinem Rasiermesser aufgeschnitten habe, als er ihn mir hinstreckte. Das Messer hatte Alesia in meine Jacke gesteckt. Gefallen hat mir das aber nicht, so viel ist sicher.«

Johannes nickte vor sich hin. Er überlegte, ob er den Hautkontakt noch einmal ansprechen sollte, war sich aber nicht sicher, ob das für einen Zwölfjährigen nicht doch zu peinlich wäre. Luca hatte sich zwar ohne zu zögern – und vermutlich ohne überhaupt darüber nachzudenken – das Hemd vom Leib gerissen und sich auf die unbekleidete Sterbende gelegt, aber als es Jessika dann besser ging, vermied er jeden Blick in ihre Richtung, bis sie sich angezogen hatte. Zuvor waren Jessika und Johannes noch einmal in den Lago di Montepulciano gestiegen, um das Blut abzuwaschen. Luca hatte gewartet und dann darum gebeten, dass niemand hinschaute, als er selbst aus dem gleichen Grund kurz ins Wasser ging.

Giacomo blickte auf seine Armbanduhr und drängte zum Aufbruch. Er hatte alles stehen und liegen lassen, Alesia wollte sich zusammen mit Sofia um die Auslieferungen kümmern, damit wenigstens die Restaurants und Geschäfte ihre bestellte Waren bekamen, aber es blieb natürlich einige Arbeit liegen wegen dieses Ausfluges.

»Das Motorradfahren ist ja sicher auch nicht das Richtige für die Bandscheibe«, bemerkte Johannes.

Luca lachte und erklärte fröhlich: »Das haben Mama und ich vor der Abfahrt noch schnell in Ordnung gebracht. Papa hatte sein Leiden sowieso lange genug genossen, jetzt ist er gesund.«

»Genossen? Diese Schmerzen? Monello!« schimpfte Giacomo, allerdings mit einem verschmitzten Grinsen.

Jessika und Johannes verabschiedeten sich von ihren italienischen Freunden, dass man sich in absehbarer Zeit wiedersehen würde, war nicht sehr wahrscheinlich. Sie trugen herzliche Grüße an Alesia und Sofia auf und winkten hinterher, bis das Motorrad außer Sicht war. Dann standen sie etwas unschlüssig auf dem Parkplatz.

»Ich meine immer noch, dass du so schnell wie möglich aus dem Land musst«, brach Johannes schließlich das Schweigen. »Wir sollten die Nacht durchfahren.«

Jessika sah ihm in die Augen. Ihre Stimme klang zögerlich, unsicher. »Kann ich dir vertrauen? Es scheint so, bisher zumindest. Du weißt zu viel über mich, Johannes, viel zu viel. An und für sich dürftest du mit diesem Wissen nicht länger auf der Welt herumspazieren.«

»Wir lernen uns immer besser kennen, so sollte es ja auch sein. Kann ich denn dir vertrauen? Wenn du im Ristorante Mengrello nach Pedro fragst und anschließend wieder eine Waffe bei dir hast – wirst du sie gegen mich richten?«

Jessika zuckte mit den Schultern. Sie überlegte, ob sie die volle und reine Wahrheit sagen sollte oder nicht. Kenne ich die Wahrheit überhaupt selbst? Weiß ich denn, ob Nitzrek plötzlich einen Auftrag erteilt? Muss ich überhaupt antworten?

Johannes ließ ihr Zeit. Er brauchte ja keine Antwort, aber er wollte, dass Jessika sich mit diesen Gedanken beschäftigte. Sie sollte zu einer Entscheidung kommen, die für sie ungewohnt war, die gegen ihre Natur ging. Falls das gelang, konnte die Zukunft eine andere Wendung nehmen als er geplant hatte. Wohin das dann wiederum führen würde, war nicht abzusehen, aber der morgige Tag würde für sich selbst sorgen, erst einmal ging es um die Nacht, die vor ihnen lag.

Schließlich seufzte Jessika und trat dicht an ihn heran. »Nimmst du mich bitte in die Arme?«

Johannes drückte sie an sich und hielt sie fest. Sie legte ihren Kopf an seine Brust und murmelte: »Ich wünsche mir, dass du mir vertrauen kannst. Ich habe nicht vor, dir etwas anzutun. Ich will dir nichts antun. Aber ich bin nun mal eine Nephilim. Es gibt Gesetze, es gibt Regeln.«

Jessika weint. Er strich ihr sanft über den Rücken, als er spürte, wie nahe sie den Tränen war. »Jessika, natürlich gibt es die. Und dennoch lebt Giacomo mit seiner Nephilimfrau, anstatt im Grab zu liegen. Er ist ein Mensch, ein reinrassiger. Er kennt Alesias Geheimnis. Und jetzt auch das seines Sohnes.«

Johannes spürte, dass sein Hemd feucht wurde. Jessika weinte, schmiegte sich an ihn, hielt ihn fest mit zitternden Armen. Er wartete, ließ ihr Zeit. Es gab keine Eile, es wäre unklug gewesen, diesen Prozess abzukürzen, abzubrechen. Sie weinte die Tränen eines Kindes, dem die Kindheit viel zu früh geraubt wurde. Die Tränen einer Jugendlichen, die keine Jugendliche hatte sein dürfen. Die Tränen einer jungen Frau, die dem einzigen tief geliebten Menschen in ihrem Leben die Kehle durchgeschnitten tat. Die Tränen eines Menschen, der gefangen ist und Freiheit nicht für möglich hält.

Wie lange sie dort auf dem Parkplatz standen, umschlungen wie ein Liebespaar, war schwer zu schätzen. Die Minuten wurden zur Ewigkeit, die Ewigkeit gerann zu Minuten. Zeit spielte keine Rolle, hörte auf zu existieren. Schließlich ließ das Beben ihres Körpers nach. Jessika ließ Johannes los und kramte in ihrer Tasche nach den Papiertaschentüchern.

»Was bin ich für eine Heulsuse«, schniefte sie und schnäuzte sich. »Du hältst mich jetzt bestimmt für ein sentimentales Weichei.«

»Nein.«

»Doch.«

»Nein.«

»Was dann?«

»Du bist ein liebenswertes, kostbares Geschöpf, das an Grenzen stößt, die schmerzhaft sind.«

»Liebenswert? Du spinnst ja.«

»Nein. Ich meine das ernst.«

Jessika schüttelte den Kopf. Sie sah sich um, es wurde inzwischen dunkel. Weit und breit war kein Mensch zu sehen, der Parkplatz lag hinter dem Gebäude, in dem das Restaurant war. Außer dem schwarzen Dodge stand nur noch ein ziemlich verrosteter Fiat Punto auf der Asphaltfläche. Wenn ich wollte, könnte ich dich jetzt umbringen. Ich würde dich überraschen mit dem Angriff, und wenn ich deine Kehle erst mal im Griff habe, dann bist du verloren. Aber ich will dich nicht töten; was machst du bloß mit mir? Wer bist du?

Johannes fischte den Autoschlüssel aus seiner Jeanstasche und drückte auf den Knopf für die Entriegelung. Die Blinker leuchteten zweimal auf und die Scheinwerfer gingen an. Er legte seinen Arm um Jessikas Schultern, sie gingen zum Auto.

»Willst du fahren?«, fragte er.

»Ich darf dein Ungetüm steuern? Natürlich will ich!«

Er reichte ihr den Schlüssel und nahm auf dem Beifahrersitz Platz. Jessika stieg ein und stellte Sitz und Spiegel auf die passenden Positionen.

»Wohin?«, fragte Johannes, als das Navigationsgerät zum Leben erwachte. »Willst du die Pistole kaufen oder fahren wir durch nach Österreich?«

»Falls es Grenzkontrollen gibt, was ja nicht zu erwarten ist, wäre eine Waffe eher hinderlich.«

»Kontrollen sind unwahrscheinlich, aber andererseits sucht die italienische Polizei immer noch eine Mordverdächtige.«

»Eben. Ich glaube, wir fahren lieber durch, ohne dass ich Pedro treffe.«

Johannes nickte zufrieden und gab Innsbruck als Ziel ein. »Du wolltest und solltest noch etwas altern, bevor wir in die Nähe der Grenze kommen«, erinnerte er Jessika, als sie vom Parkplatz fuhren.

»Weißt du wie viel Geld Frauen ausgeben, um jünger auszusehen als sie sind?«

»Viel Geld, davon leben ganze Industriezweige.«

»Und ich soll jetzt altern.«

»Genau. Kein Polizist hält nach einer 40jährigen Ausschau.«

»Na gut, für dich brauche ich ja nicht jung und schön sein, du bist ja schwul.«

Johannes lachte laut und herzlich. »Wir kommst du denn darauf?«, fragte er, als er wieder reden konnte.

»Weil du kein Interesse an meinem Körper hast. In der Pension in Parma schon hättest du Anzeichen erkennen lassen können, am ersten See und am zweiten, dann als ich aus der Dusche in Alesias Wohnzimmer kam … Aber auch vorhin, als ich in deine Arme geschmiegt war – danke übrigens, es hat mir gut getan – hat sich dein Penis nicht gerührt. Ich war dir nah genug, um das zu spüren.«

»Ach und deshalb bin ich schwul.«

»Ja. Bisher hat mich jeder Mann begehrt, dem ich auch nur einigermaßen nahe gekommen bin. Das hat mir ja auch meine Aufgabe erleichtert.«

Johannes grinste noch immer. »Es könnte ja auch andere Gründe geben, oder?«

»Du bist impotent«, gab sie zurück.

»Falsch.«

»Doch, schwul oder impotent.«

»Jessika, ich versichere dir, dass weder das eine noch das andere zutrifft. Beides wäre ja kein Verbrechen, nichts, dessen man sich schämen müsste, aber es stimmt nicht.«

»Dann will ich, dass du mit mir schläfst. Irgendwo unterwegs halten wir an, Decken sind ja im Kofferraum und warm genug ist die italienische Nacht auch.«

Jessika gab Gas, sie waren auf der Autobahn angekommen.

»Du kannst den Tempomat einschalten, wenn du willst«, sagte Johannes. »Dann fährt es sich entspannter.«

Sie suchte mit den Fingern nach dem Hebel am Lenkrad.

»Knopf drücken zum Einschalten und dann kurz nach unten bei der gewünschten Geschwindigkeit«, erklärte Johannes.

Jessika nahm den Fuß vom Gaspedal, der Wagen hielt die 120 Stundenkilometer und schnurrte behaglich die Autobahn entlang.

»Hast du auch so einen Knopf, mit dem man dich einschalten kann? Deinen Penis, meine ich?«

»Du bist ziemlich auf Sex fixiert, kann das sein?«

»Männer sind ständig auf Sex aus«, stellte sie mit Bestimmtheit fest.

»Nicht alle Männer.«

»Fast alle.«

»Viele.«

»Aber du nicht?«

Johannes lächelte und blickte geradeaus auf die relativ leere Autobahn. Jessika sollte, nein, sie musste einiges selbst herausfinden, andernfalls würde sie nicht überzeugt sein. Als er sie in Parma angesprochen hatte, in jener dunklen Straße, wusste er noch nicht, wie sich die Geschichte entwickeln würde. Er hatte noch keine Ahnung von Alesia und Luca, noch nicht einmal eine klare Vorstellung, welcher Art von Wesen Jessika eigentlich angehörte. Er hatte nur vor, sie besser, sie überhaupt richtig kennen zu lernen. Natürlich war ein erotisches Stelldichein ein verlockender Gedanke, aber bei dem Gedanken musste es auch bleiben. Warum das so war, darauf musste sie selbst kommen. Wie er sie an den Punkt bringen konnte, fiel ihm im Moment allerdings nicht ein.

»Du findest mich schon hübsch, oder?« fragte Jessika, als er keine Antwort gab.

Johannes schaute zu ihr hinüber, trotz der relativen Dunkelheit im Wagen konnte er sehen, dass sie die Stirn gerunzelt hatte. Er nickte und bestätigte: »Du bist sehr hübsch. Zweifellos. Mit und ohne Kleidung.«

Jessika schaute kurz von der Straße weg zu ihm hinüber und erklärte: »Unansehnlich bist du auch nicht, mit und ohne Kleidung. Nicht mehr der jüngste, aber ich alterte ja gerade ebenfalls.«

»Das geht so nebenbei, beim Autofahren?«

»Ja, einfach so. Es ist eine Sache des Willens, des Wollens, eine Entscheidung. Es dauert eine Stunde ungefähr, dann bin ich 40 Jahre alt. Für Menschen ist der Vorgang allerdings nicht verständlich, fürchte ich.«

»Wir Menschen«, sagte Johannes, »verstehen vieles nicht. Wir reimen uns dann eine Erklärung zusammen oder bestreiten die Tatsachen. Oder wir reden, wenn wir ausreichend religiös sind, von einem Wunder.

»Oder von einem Märchen.«

»Das meinte ich mit Tatsachen bestreiten.«

Jessika dachte zurück an Bernd. Sie war seine Muse geworden, er schrieb in seinen Horror- und Kriminalgeschichten auf, was sie ihn unwissentlich wissen ließ. Sie erlebte, was er dann als Fiktion niederschrieb. Dass ihm irgendwann die Wahrheit dämmerte, war sein Todesurteil gewesen. Ich war drauf und dran, dich mehr zu lieben, als unsere Gesetze, Bernd. Nun saß sie im Auto eines immer noch undurchschaubaren Mannes, und schon wieder geriet sie in Versuchung, das Gesetz aller Gesetze zu missachten. Kein Mensch darf einen Angehörigen der Nephilim identifizieren und mit dem Leben davonkommen. Wir sind ausgestorben oder haben nie existiert. Andererseits hatte Johannes vorhin Recht gehabt, was Giacomo und womöglich Sofia betraf.

»Du bist nicht zufällig Schriftsteller?« fragte sie.

--- --- ---  --- --- ---  --- --- ---

Nun ist wieder de geschätzte Lesegemeinde gefragt:

Johannes ...
... rückt mit der Wahrheit heraus.
... lässt Jessika im Unklaren.
... offenbart nur einen Teil der Wahrheit.
Auswertung
Fort? Setzung. Folgt.

Freitag, 11. März 2011

Sonntag oder Montag?

Die nächste Folge der Jessika-Geschichte ist fast fertig. Wann hätten die geschätzten Blogbesucher denn gerne die Fortsetzung? Am Sonntag oder erst am Montag?

Hoffentlich liest das niemand.

Hoffentlich liest das niemand. Der Beitrag mit dieser Überschrift ist so lang geworden, dass ich die Interessierten auf meinen textlastigen Blog umzuleiten mich genötigt fühle.

Als Appetithäppchen hier nur die ersten beiden Absätze:

Gelegentlich werde ich mit älteren Texten über Glaubensthemen aus meiner eigenen Feder konfrontiert, bei deren Lektüre mir etwas mulmig wird. Bei denen ich hoffe, dass sie möglichst niemand mehr lesen wird. Und dann ertappe ich mich dabei, dass ich meine Artikel in »gute« und »schlechte« sortiere, anstatt sie als Zeugnisse bestimmter Lebens- und Entwicklungsstufen zu betrachten, die nicht nur schlecht, sondern auch gut sind. Gleichzeitig.

Es ist dieses Schwarz-Weiß-Denken eine hartnäckige, schier unverwüstliche Angelegenheit. Ich habe eine erhebliche Anzahl von Jahren meines Lebens so gedacht, so gehandelt, als gäbe es keine Grautöne, von Farbnuancen ganz zu schweigen. Das konnte sich erst ändern, als mein aus diesem Denken geborenes Handeln nicht die Ergebnisse brachte, die es hätte bringen müssen; und zwar so gravierend, dass ein Wegschauen, ein Wegerklären oder Ignorieren nicht mehr möglich war – oder nur sehr mühsam gelungen wäre.

Wer weiterlesen will, möge so freundlich sein, auf das hübsche Bild oder den nachfolgenden Text in den eckigen Klammern zu klicken: [Hoffentlich liest das niemand.]

Donnerstag, 10. März 2011

Josef Wilfling: Abgründe

Josef Wilfling ist kein erfahrener oder gar »gelernter« Autor, das hat er auch nirgends behauptet. Er ist auch kein Psychologe, kein Seelsorger, kein Jurist, sondern der pensionierte Leiter einer Mordkommission.

Daher täte man ihm Unrecht, wenn man von seinem Buch eine herausragende Sprache, psychologische Einsichten in die Seelen der Verbrecher oder juristisch-distanzierte Analysen erwarten würde.

Zweifellos sind seine Formulierungen oft unfreiwillig komisch, wenn beispielsweise die Stiche »absolut tödlich« sind; es gibt nun mal keinen nicht absoluten Tod. Auch manche Redewendungen (Zittern wie Espenlaub) sind arg abgedroschen, doch wie gesagt – Wilfling lässt keine Ambitionen erkennen, ein guter Schriftsteller zu sein. Man könnte höchstens dem Verlag ankreiden, dass er das Geld für ein Lektorat nicht ausgegeben hat; vermutlich war Heyne etwas klamm in der Kasse.

Das Buch erzählt Fälle, die dem Autor aus seiner Laufbahn besonders eindrücklich in Erinnerung geblieben sind. Zwar mit geänderten Schauplätzen und Namen der Beteiligten, aber der Leser darf wohl davon ausgehehen, dass die geschilderten Ermittlungen tatsächlich so verlaufen sind. Bei der Lektüre tun sich Abgründe auf, insofern verspricht der Titel des Buches nicht zu viel. Dass Josef Wilfling seine Empfindungen nicht ausspart, dass er auch von eigenen Überreaktionen und Fehlern berichtet, dass er eine Meinung zur juristischen Praxis hat und ausdrückt, macht ihn sympathisch und glaubwürdig.

»Die Wirklichkeit ist packender als jeder Krimi«, wirbt der Verlag für das Buch – das sei dahingestellt, es gibt Krimis, die packender und spannender sind. Dass man einem Krimiautor so manches nicht abnehmen würde, was dieses Buch berichtet, ist allerdings anzunehmen. Ein Polizist klettert über die Trennwand einer Toilette und springt auf den Verdächtigen herab, woraufhin beide samt Kloschüssel durch den Boden brechen und in der Sickergrube landen – da würde man bei einem Krimi den Kopf schütteln und »völlig übertrieben« murmeln. Dass ein Mörder beim Vergraben von Leichenteilen den Plastiksack nicht mit verbuddelt, um die Umwelt zu schonen, würde bei der Lektüre eines Krimis zumindest Stirnrunzeln hervorrufen.

Das Leben ist zuweilen absonderlicher als die Fiktion, und dieses Buch schildert Episoden, in denen das sichtbar wird.

Ist »Abgründe« ein Sachbuch? Nein. Dann hätte es sachlicher ausfallen müssen. Ist es ein Roman? Nie und nimmer, ein Roman bemüht sich um Handlungsstruktur und Erzählstil. Ist es eine Autobiografie? Keineswegs, das Leben des Autors spielt keine Rolle. Haben wir es mit einer Erzählung oder einer Sammlung von Erzählungen zu tun? Schon eher, denn hier erzählt jemand seine Erlebnisse, wie er sie seinen Freunden beim Bier am Stammtisch erzählen würde. Nicht mehr und nicht weniger.

Mein Fazit: Lesenswert, denn die Lektüre ist an keiner Stelle langweilig.

Dienstag, 8. März 2011

Peter Rollins: Der rechtgläubige Ketzer

Peter Rollins
Es gab einmal eine kleine Stadt, deren Bewohner stets bestrebt waren, in ihrem Tun und Lassen den Lehren Gottes gehorsam zu sein. Man konnte die Verantwortlichen jener Gemeinschaft oft ins Gebet vertieft oder beim Bibelstudium, auf der Suche nach Wegweisung und Weisheit, antreffen, wenn sie vor schwierigen Entscheidungen standen.
Eines Abends, mitten im Winter, pochte ein junger Mann aus einer benachbarten Stadt an die Tür der Kirche und bat um Asyl. Der Hausmeister, ein Mann mit tiefem Glauben, ließ ihn sofort ein und sorgte für eine warme Mahlzeit und frische Kleidung, weil er bemerkte, dass der Flüchtling hungerte und fror.
Als er sich etwas erholt hatte, erklärte der junge Mann, dass er aus seiner Stadt geflohen war, weil die Regierung ihn als politischen Dissidenten bezeichnet hatte. Es stellte sich heraus, dass er bei seiner Arbeit als Journalist sowohl den Herrschenden als auch der Kirche gegenüber Kritik geäußert hatte. Der Hausmeister nahm den jungen Mann mit zu sich nach Hause und gestattete ihm, zu bleiben, bis ein Plan bezüglich der nächsten notwendigen Schritte gefasst war.
Der Priester wurde über das Geschehen informiert und er rief die Verantwortlichen der Stadt zusammen. Man musste beraten, was nun zu tun sei. Nach einer zweitägigen Diskussion beschloss die Ratsversammlung, dass der junge Mann der Obrigkeit seiner Heimatstadt übergeben werden sollte, um sich der Anklage wegen seiner Verbrechen zu stellen. Der Hausmeister jedoch protestierte: »Dieser Mann hat kein Verbrechen begangen, er hat lediglich kritisiert, was er als im Namen Gottes begangenes Unrecht seitens der Regierung empfunden hat.«
»Es mag ja stimmen, was du sagst«, erwiderte der Priester, »aber seine Anwesenheit hier bringt unsere ganze Stadt in Gefahr. Nicht auszudenken, wenn jene Obrigkeit erfährt, wo er ist und dass wir ihm Schutz gewähren!«
Aber der Hausmeister weigerte sich, den jungen Mann an den Priester und die Obrigkeiten auszuliefern. Er erklärte: »Er ist mein Gast, und solange er sich unter meinem Dach befindet, werde ich dafür sorgen, dass ihm kein Leid geschieht. Wenn er mit Gewalt aus meiner Obhut gerissen wird, dann werde ich mich öffentlich dazu bekennen, das ich ihm Asyl gegeben habe und die gleiche Ungerechtigkeit erleiden wie mein Gast.«
Der Hausmeister war sehr beliebt und der Priester hatte nicht die Absicht zuzulassen, dass ihm etwas zustieß. Also machte sich die Ratsversammlung daran, die Heilige Schrift nach einer Antwort zu durchforsten, denn sie wussten von dem tiefen Glauben des Hausmeisters. Nach einer ganzen Nacht des Bibelstudiums kamen sie wieder zum Hausmeister und sagten: »Wir haben vom Abend bis zum Morgen auf der Suche nach Wegweisung das heilige Buch durchforstet und sind zu dem Schluss gekommen, dass es uns anweist, die Obrigkeiten dieses Landes zu respektieren und Zeugen unseres Glaubens zu sein, indem wir uns ihnen unterordnen.«
Doch der Hausmeister kannte die Worte der Heiligen Schrift ebenfalls sehr gut und erklärte, dass die Bibel dazu auffordert, sich der Leidenden und Verfolgten anzunehmen.
Nun begannen die Verantwortlichen der kleinen Stadt, verzweifelt auf der Suche nach einer Lösung, auf der Stelle inbrünstig zu beten. Sie beschworen Gott, zu ihnen zu sprechen, und zwar nicht mit der leisen inneren Stimme des Gewissens, sondern eher so, wie er mit Mose und Abraham geredet hatte. Sie flehten Gott an, direkt mit ihnen zu kommunizieren, damit der Hausmeister seinen Irrtum zu erkennen vermochte. Tatsächlich verdunkelte sich der Himmel und Gott stieg herab. Er sprach den Hausmeister an: »Der Priester und die Vorsteher sagen die Wahrheit, mein Freund. Um die Stadt zu schützen muss dieser Mann der Obrigkeit übergeben werden.«
Aber der Hausmeister, ein Mann des tiefen Glaubens, schaute auf und erwiderte: »Wenn du, mein Gott, willst, dass ich dir treu bleibe, dann kann ich deine Anweisung nur ablehnen. Ich brauche weder die Schrift noch deine Ansprache um zu wissen, was ich tun soll. Du hast längst von mir verlangt, dass ich mich um diesen Mann kümmere. Du hast bereits geschrieben, dass ich ihn um jeden Preis beschützen muss. Deine Liebesworte reden durch die Gesichtszüge dieses Mannes, deine Wertschätzung ist in die Struktur seines Fleisches eingewoben. Daher, mein Gott, widersetze ich mich dir, um dir treu zu bleiben.«
Als Gott diese Worte gehört hatte, wandte er sich an die Ratsversammlung und sprach nun sie direkt an: »Wenn ich den Hausmeister nicht überzeugen kann, dann wird es euch erst recht nicht gelingen. Jetzt lasst ihn in Frieden.«
Dann lächelte Gott und zog sich leise zurück. Er wusste, dass die Angelegenheit endlich erledigt war.

--- --- ---

Quelle: The Orthodox Heretic von Peter Rollins, übersetzt von mir; mit freundlicher Genehmigung vom Autor. Danke, Peter!

Aus diesem Buch:



Mehr über den und vom Autor: Peter Rollins Webpage

Montag, 7. März 2011

Jessika – ein Verhängnis /// Teil 14

Eigentlich wollte ich die Szene, mit der diese Folge endet, noch weiter schreiben. Aber der Sonntag war denn doch mit anderen Aktivitäten gut gefüllt – daher bleiben wir am Schluss dort sitzen, wo wir eben sitzen.

Wie üblich hier die Verknüpfungsorgie vorab: [Teil 1] /// [Teil 2] /// [Teil 3] /// [Teil 4] /// [Teil 5] /// [Teil 6] /// [Teil 7] /// [Teil 8] /// [Teil 9] /// [Teil 10] /// [Teil 11] /// [Teil 12] /// [Teil 13]

------ ------ ------

Die Stimme war so unirdisch wie die Finsternis, aus der sie kam. »Du musst ihr das Leben schenken.«

Johannes war nicht nach Scherzen zumute, zu beklemmend war die Atmosphäre, zu groß die Sorge um Jessika. Sonst hätte er so etwas wie »wenn ich muss, dann gehe ich aufs Klo« geantwortet. Aber solche Sprüche gehörten in eine andere Welt, in ein anderes Leben. In eine andere Zeit womöglich. Statt dessen fragte er: »Wer ist da?«

»Ich bin Nitzrek. Du musst sie retten.«

»Aber ich weiß nicht, wie.«

»Wie du sie in diese Lage bringen konntest, wusstest du. Und nun bist du am Ende deiner Fähigkeiten?«

Johannes versuchte, die Gestalt zu erkennen, die mit ihm sprach. Es war jedoch zu dunkel, um mehr zu sehen als ein Etwas, ein Wesen, einen großen, tiefschwarzen Schatten, noch schwärzer als die Finsternis. Kein Gesicht, keine Konturen.

»Ich bin Nitzrek.«

Er antwortete: »Ich weiß. Und du willst Jessika nicht verlieren. Du kannst ihr helfen, ich nicht.«

Johannes wollte diesem Wesen in die Augen sehen, ihm Jessika in die Arme – falls Nitzrek Arme hatte – legen. Er nahm Jessika auf seine Arme, trat einen Schritt auf die Schattengestalt zu. Womöglich wurde es noch finsterer, als ginge von der Gestalt ein negatives Leuchten aus. In Johannes normaler Welt vertrieb das Licht stets die Finsternis, hier löschte sie dagegen jeglichen Schimmer aus. Ein weiterer Schritt in die gleiche Richtung, Johannes sah nichts mehr, konnte keine Konturen mehr ausmachen, stand orientierungslos in einem schwarzen Nichts. Die Stimme, die er hörte, mochte in seinem Kopf entstehen oder an seine Ohren dringen, sie war unwirklich weit entfernt und doch so nah, als spräche das Etwas direkt in sein Ohr.

»No man sees my face and lives«, sagte Nitzrek.

Johannes spürte, wie Jessika in seinen Armen erbebte, als habe sie ein Stromschlag getroffen. Gleichzeitig berührte ihn etwas an der Stirn, kalt, eisig kalt und feucht fühlte es sich an. Alle Kraft wich aus seinen Muskeln, seine Knie knickten ein und er sank, Jessika in seinen Armen, auf das Gras. Bevor sich Stille über ihn legte, hörte er noch wie aus unglaublich weiter Ferne einen Ruf. »Ich muss zu ihr«, schien die Stimme zu schreien, »wo ist sie?« - aber seine Sinne verließen ihn bereits, bevor er wusste, ob er wirklich etwas gehört hatte.

Als Johannes zu sich kam, lag die Lichtung im Abendsonnenschein, im Geäst zwitscherten ein paar Vögel. Die Luft war noch angenehm warm. Jessika lag halb auf seinem Körper, ihr Kopf ruhte auf seiner Brust. Ihre Haut war kühl, zu kühl für die Umgebungstemperatur. Er nahm das Gesicht behutsam in beide Hände und sagte mit brüchiger Stimme: »Jessika. Wach auf. Es ist vorbei.«

Sie reagierte nicht.

Aus der Ferne meinte Johannes, einen Motor zu hören, ein Motorrad mochte es sein. Das Geräusch klang weit entfernt.

»Jessika, bitte wach auf.«

Johannes bettete Jessikas Kopf vorsichtig auf ihren gesunden Arm und stand auf. Ich muss Hilfe holen. Ich brauche jemanden, der ihr hilft. Mir hilft. Aber wer?

Neben seinem Auto lag die Leiche mit der klaffenden Wunde im Hals, der zweite Angreifer war nicht mehr zu sehen. Ob der Mann tot gewesen war, konnte Johannes nicht sagen, er hatte nur noch Augen für Jessika gehabt in den Momenten, bevor die Finsternis vom Himmel gefallen war. Wie lange war das her? Seine Armbanduhr hatte er abgelegt bevor er ins Wasser ging. Johannes ging zu den Wolldecken hinüber und schaute auf das Ziffernblatt. Drei Stunden war es her, dass sie hier angekommen waren. Er vergaß, dass er sein Telefon holen wollte, um den Notruf zu wählen, sein Denken war blockiert. Er starrte in die Ferne, dann nahm er eine der Decken, ging zurück zu Jessika und breitete den Stoff über ihren Körper. Er kniete neben ihr nieder und versuchte festzustellen, ob sie noch atmete. Die Lippen waren halb geöffnet, ob die Lungen stillstanden oder noch schwach funktionierten, konnte er nicht feststellen. Johannes presste seinen Mund auf ihren, hielt ihre Nase zu und blies seinen Atem in sie hinein. Seine Finger suchten nach dem Puls an ihrem Kinn. Schwach, ganz schwach meinte er, ihn zu spüren, flüchtig nur und sehr langsam. Wieder blies er Luft in ihre Lungen.

Das Motorengeräusch wurde zunehmend lauter. Johannes dachte an die Lederkleidung der beiden Angreifer und sah sich nach dem Messer um, das er hatte fallen lassen. Es lag drei Schritte entfernt im Gras.

Vielleicht kommt Hilfe? Woher denn! Ich habe ja niemanden verständigt. Der Hüne kommt mit Verstärkung zurück, um seinen toten Freund zu rächen. Ich brauche jemanden … ich … jemanden von ihrer Art. Ich brauche Alesia.

Johannes stand wieder auf und holte sich den Dolch. Das Motorrad kam näher. Er überlegte, ob er sich etwas anziehen sollte, doch dazu hätte er sich zu weit von Jessika entfernen müssen. Ich werde dich verteidigen, bis zum letzten Atemzug, selbst wenn du stirbst. Zumindest das bin ich dir schuldig. Johannes starrte auf den Waldrand.

Sekunden später brach eine schwere Maschine durch das Unterholz. Der Fahrer trug einen Helm mit dunklem Visier, hinter ihm saß eine schmächtigere Gestalt auf dem Sitz. Einen Augenblick glaubte Johannes, den riesigen Räuber vor sich zu haben, aber dann sah er, dass der Motorradfahrer nicht so gigantisch war. Er steuerte sein Fahrzeug über die Lichtung und kam neben Jessika und Johannes zum Stehen. Der Motor verstummte. Die kleinere Gestalt sprang vom Motorrad und nahm den Helm ab, bevor der Mann das Gefährt auf den Ständer wuchten konnte.

»Jessika! Ich bin da! Ich bin gekommen!«

Luca warf den Helm beiseite und beugte sich über den leblosen Körper. »O bitte, lass es nicht zu spät sein!« rief er, während er die Decke beiseite zog und hinter sich warf.

Johannes war sprachlos. Woher … wieso …

Als der Fahrer der Maschine den Helm abnahm, erkannte er Giacomo. Dieser nickte ihm kurz zu und fragte dann seinen Sohn: »Was brauchst du?«

Luca zog seine Lederjacke aus und warf sie zur Decke hinter sich. »Mein Blut. Schnell.«

Giacomo griff in seine Jackentasche und brachte ein Rasiermesser zum Vorschein. Er klappte es auf und zog die Klinge ohne zu zögern über den ausgestreckten rechten Unterarm seines Sohnes. Das helle Blut floss schnell und reichlich.

Luca presste die Wunde auf Jessikas Oberarm, direkt auf den klaffenden Schnitt in ihrer Haut. Giacomo sah Johannes an und befahl: »Verbandskasten. Aus dem Auto. Sofort.«

Aus Jessikas Mund kam ein Stöhnen, ihre Augenlider flatterten. Johannes beugte sich zu ihr hinab.

»Subito! Sofort!« schrie Giacomo ihn an.

Johannes erwachte aus seiner Erstarrung und rannte los. Der Verbandskasten lag unter dem Fahrersitz. Er zog ihn hervor und eilte zurück. Giacomo streckte die Hand aus und nahm den Kasten an sich.

Luca war bleich geworden, Jessika öffnete die Augen. »Es ist …«, flüsterte sie.

»Nicht reden«, sagte der Junge. Er hob seinen blutenden Arm, riß sich das T-Shirt vom Leib und legte sich auf Jessikas Körper, schlang den freien linken Arm um sie und presste wieder Wunde auf Wunde. Jessika zitterte kurz, dann legte sie ihren unverletzten Arm um Luca und drückte ihn an sich. Wenige Minuten später sagte sie: »Es ist genug. Danke, Luca.«

»Sicher? Ganz bestimmt?«

»Ja. Hör auf. Lass dich verbinden.«

Giacomo half seinem Sohn beim Aufstehen und presste sofort eine Kompresse auf den Schnitt. Johannes nahm eine Binde und wickelte sie fest um den Unterarm des Jungen. Dann hatte er wieder Augen für Jessika. Sie lächelte. Sie bekam wieder Farbe ins Gesicht. Sie hatte sich aufgesetzt und deutete auf den Verbandskasten, der im Gras lag. »Eine Kompresse, bitte. Nur für ein paar Minuten.«

 

»Luca war es, der deinen Schrei gehört hat«, erklärte Giacomo.

Zu viert saßen sie auf der Terrasse eines Restaurants beim Essen. Jessika trug wieder das rote Kleid von Alesia und Johannes starrte alle paar Minuten auf ihren Arm, der keine Spur der beinahe tödlichen Verletzung mehr zeigte. Nur wenn man wusste, wo die Stelle war, konnte man noch eine leichte Schwellung sehen – oder sich eine solche einbilden. Luca hatte ein schwarzes T-Shirt an, keine Spur von dem Schnitt mit der Rasierklinge war auf seinem Unterarm zu erkennen.

»Ich glaube, dass das alles Einbildung war. Wir sind nicht überfallen worden, Jessika wurde nicht verletzt. Wir haben uns zufällig hier in diesem Restaurant mit Giacomo und Luca getroffen«, murmelte Johannes.

Luca gab zurück: »Und der Mond ist eine Scheibe«

Giacomo ermahnte ihn: »Erst runterschlucken, was du im Mund hast, dann reden. Niemand will die halb zerkaute Pasta auf deiner Zunge bewundern, monello.«

Jessika legte ihren Arm um den Jungen, drückte ihn an sich und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. »Heute darfst du alles«, sagte sie. Luca wurde rot, ließ sich aber auch noch einen Kuss auf die Wange gefallen.

Giacomo schüttelte resignierend den Kopf. »Ah bella! Wie soll man seinen Kindern Anstand beibringen, wenn einem ständig widersprochen wird?«

Johannes griff nach seinem Bierglas und trank einen kräftigen Schluck. Der herbe Geschmack, das kühle Glas – wunderbar real und zweifellos echt, im Gegensatz zu den verworrenen Erinnerungen an den Nachmittag am Lago di Montepulciano. Tiefe Schnittwunden, die innerhalb von Minuten verschwinden – heilen – sich auflösen, was auch immer; und überhaupt: eine merkwürdige Lebensrettungsmethode, die blutende Verletzung des Retters auf die des Opfers zu drücken und sich dabei mit so viel Hautkontakt wie möglich auf den ausgestreckten Körper zu legen …

»Ich sagte dir doch«, unterbrach Jessika seine Grübeleien, »dass wir schnell heilen.«

Johannes runzelte die Stirn und sagte: »Das habe ich bei meinen Recherchen über eure Art auch gelesen, aber so schnell? Und außerdem wärest du beinahe gestorben, nicht wahr? Wo war denn die schnelle Heilung, als sie gebraucht wurde?«

Luca schob den letzten Löffel Pasta in seinen Mund und erklärte: »Schneller ging es nicht. Mama hat uns den Ort beschrieben, an dem wir euch finden, aber fliegen können wir nicht. Papa ist immerhin gefahren wie ein Rennfahrer.«

------ ------ ------

Tja. Und nun?

Luca und Giacomo ...
... brechen alleine auf, zurück nach Hause.
... bleiben noch mit Johannes und Jessika zusammen.
Auswertung
Fortsetzung? Folgt. Wann? Demnächst.

Sonntag, 6. März 2011

Wenn ich heute …

…ein Stündchen Zeit zum Schreiben finde, geht es morgen weiter mit Jessika.

Elf zu sechs zu fünf.

Die Fortsetzung ist größtenteils geschrieben, lediglich die letzte Szene muss noch in eine Frage an die Leser münden.

Freitag, 4. März 2011

Zum Broterwerb …

… übersetze ich auch Bücher.

Nur so nebenbei bemerkt, falls jemand einen Übersetzer suchen sollte.

:-)

Guttenbergismus an Schule in Österreich?

Na na na – wenn da mal nicht ein Schüler oder eine Schülerin in Österreich für den Unterricht einen Aufsatz abzuliefern hat und nun via Google einen Guttenberg machen will …

Klingt sehr nach Aufsatzthema ...

Vorsicht, liebe Schülerin oder lieber Schüler. Vielleicht kennen sich auch die Lehrkräfte mit Suchmaschinen aus?

Spam der Woche mit Doktortitel

Ach so ist das.

Beinahe hätte es die Auszahlung direkt auf mein Girokonto auf Platz 1 geschafft, aber dann hat doch noch die putzige Behauptung Führungskräfte brauchen mehr als einen Doktortitel meinen Privatwettbewerb um die Betreffzeile der Woche im elektronischen Mülleimer gewonnen. Auch nicht schlecht ist natürlich die Tatsache, dass The Spirit gelegentlich eine vorher angekündigte Schulung durchführt und dass man für 31 Euro den Frühling nach Europa holen kann. Wenn wir zusammenlegen – 30 Blogbesucher und ich – kostet uns das Ende des Winters nur je einen Euro. Wie wär’s damit?