Donnerstag, 29. Oktober 2009

Für (werdende) Väter

Da immer mehr Väter Elternzeit beantragen, möchte ich mit ein paar Tipps für den Alltag behilflich sein. Die versteht man auch, ohne des Englischen mächtig zu sein.

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Gefunden bei Kevin Twombly

Mittwoch, 28. Oktober 2009

U2.com > News > Historic Performance at Berlin's Brandenburg Gate


U2.com > News > Historic Performance at Berlin's Brandenburg Gate

So far no chance to get a ticket. Eventim is responding with a stupid Warteraum-page.

I'll keep trying...

Nachtrag 11:06 Uhr: YESSSSS! Zwei Karten erwischt. Heureka!

Wer Lust hat, mich mal wieder zu treffen: Am 5. November bin ich am Brandenburger Tor. So etwa ab 17:30. Da müsste ich ja dann eigentlich leicht zu finden sein...


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Warum eine herkömmliche Gemeinde manchmal nicht die richtige Gemeinde ist

Im vergangenen Jahr haben deutlich mehr Protestanten die evangelische Kirche verlassen als in den Vorjahren. 2008 habe es rund 160.000 Austritte gegeben, sagte der Finanzchef der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thomas Begrich, bei der EKD-Synode in Ulm. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz hatte im September mitgeteilt, dass 2008 mehr als 120.000 Mitglieder aus der katholischen Kirche ausgetreten seien.

Austritte sind das eine, hinzu kommt der »natürliche« Mitgliederverlust. REMID, der religionswissenschaftliche Medien- und Informationsdienst e.V., hat zuletzt im Februar Ergebnisse der  Mitgliederentwicklung von Kirchen und Religionsgemeinschaften veröffentlicht. Die Tendenz der letzten Jahre setzt sich in Deutschland fort: Die katholische Kirche schrumpfte von 2006 zu 2007 um rund 221.000 Mitglieder, die evangelische Kirche um rund 252.000. Derzeit haben beide großen Kirchen noch je rund 25 Millionen Mitglieder.

Bei den meisten Freikirchen und Gemeinden fehlen Angaben zur Entwicklung, da es - anders als bei den großen Kirchen - keine offiziellen Daten (anhand der Kirchensteuerzahler) gibt und interne Zahlen kaum veröffentlicht werden. Der Bund freier Pfingstgemeinden nennt etwa 44.000 Mitglieder, die Baptisten liegen irgendwo zwischen 75.000 und 100.000; die Freien Evangelischen Gemeinden zählen 36.000.

Insgesamt scheint die Tendenz unaufhaltsam: Die christlichen Kirchen und Gemeinschaften schrumpfen, genau wie die Bevölkerung. Regional gibt es natürlich Unterschiede, die Einwohnerzahl von Berlin beispielsweise geht seit 2004 wieder kontinuierlich nach oben.

Vom Missionsauftrag, von dem Gedanken, dass die Gemeinde Christi sich ausbreitet und größer wird, ist die Realität vielerorts weit entfernt. Nicht nur in Berlin. Vielleicht liegt das ja daran, dass manches in den Kirchen und Gemeinden einer Reformation bedürfte?

Einige Einwürfe meinerseits - als Diskussionsstoff gedacht, nicht etwa als Heilmittel der Misere. Auch deshalb schreibe ich im folgenden Text »wir« – und nicht »die Verantwortlichen«:

  1. gemeindeupsidedownEin großer Teil des Einwohnerzuwachses sind entweder Zuwanderer oder Kinder aus Familien mit asiatischem, afrikanischem, türkischem, arabischem oder anderem ausländischen Hintergrund. Wir haben keine Ahnung, welche Gemeindeformen, -ausprägungen und -strukturen für solche Menschen attraktiv sein könnten, weil wir keine Ahnung von deren Kultur, Gesellschaft und Religion haben. Und selbst von der deutschen Kultur und Gesellschaft haben viele Leitende und Verantwortliche in Kirche und Gemeinde überhaupt keine Vorstellung mehr. Der durchschnittliche Besucher ohne christliche Vorprägung wird wenig finden, was mit seiner Welt etwas zu tun hat.
  2. Wir haben ein Mercedes-Modell der Gemeinde im Kopf: Eine Gemeinde braucht ansprechende Räume, moderne technische Ausstattung, ansehnliche Druckerzeugnisse, bequeme Stühle und bezahlte Mitarbeiter vom Pastor bis zur Sekretärin. Ein Mercedes mag ein vortreffliches Auto sein, aber in Sachen Sparsamkeit und Erschwinglichkeit ist er nicht die erste Wahl und er ist auch nicht jedermanns Geschmack. Unsere Vorstellung von »Erfolg« im geistlichen Bereich ist zu sehr mit Wohlstand und gesellschaftlichem Status verbunden. Gerade die Notleidenden und Hilfsbedürftigen bleiben draußen vor der Tür.
  3. Normalsterbliche Laien kommen gar nicht auf die Idee, dass sie »Gemeinde« sein oder werden könnten. Nur theologisch ausgebildete Fachleute kommen als Gemeindeleiter und -gründer in Frage. Man muss - je nach Konfession - Theologie studiert oder eine Bibelschule besucht haben. Schon von »normalen« Gemeindemitgliedern wird erwartet, dass sie Glaubenskurse und -schulungen mitmachen, bevor man überhaupt in Erwägung zieht, jemanden zu taufen. Die Gläubigen meinen, all das sei Aufgabe der Profis, der Pastoren oder Ältesten und Evangelisten. Daher sind Hauskreise und Gesprächsgruppen für Gäste und Besucher häufig ungeeignet, ein Ort zu werden, an dem man Gott kennenlernen kann.
  4. Weil man gerne vieles den Profis überlässt, gibt es viel zu viele Glaubenskurse, -seminare, -fachbücher und Sonstiges aus Expertenhand. Die Experten ihrerseits wachen darüber, dass sie nicht überflüssig werden, weil etwa jemand auf die Idee kommt, Lieschen Müller und Otto Mustermann könnten anfangen, »Gemeinde« zu sein. Gemeindeleitung und -gründung muss kompliziert und eine Sache von Fachleuten bleiben. Angesichts von »vorgeschriebenen« Kursen, Seminaren und Abläufen, wenn man gläubig und aktiv werden möchte, lassen es viele lieber bleiben, und Kirchenferne können sowieso nirgends ihre Talente investieren. Sie sind ja nicht fromm genug.
  5. Die meiste Energie der Gemeinden, auch bei Neugründungen, richtet sich nach innen. Es geht darum, als Organisation zu überleben, die Menschen werden animiert, sich innerhalb der Gemeinde für die Gemeinde in diversen Diensten und Bereichen zu investieren. Der Mercedes muss gewartet und gepflegt werden. Die Menschen werden schon irgendwie zur Gemeinde strömen, wenn sie nur gut geschmiert ist und poliert wurde, damit sie glänzend genug aussieht. Doch der Besucher, der von außen kommt, lässt sich mitunter nicht so leicht blenden wie der Dauergast.
  6. Viele Gemeinden sprechen den Intellekt nicht an, fördern oder fordern nicht das eigenständige Denken der Besucher. Die Predigten sind häufig eine Aufzählung der Überzeugungen des Predigers und selten eine Einladung, sich selbst mit Glaubensfragen und -zweifeln auseinanderzusetzen, selbst Antworten zu suchen und zu finden. Der Prediger verkündet Rezepte, die Besucher sollen die verordneten Pillen unbesehen schlucken. Die Deutschen neigen heutzutage nicht mehr dazu, Untertan sein zu wollen – also bleiben sie fern.
  7. Die Liturgie ist in freikirchlichen Gemeinden genauso zementiert wie in den großen Kirchen. Selbst wenn kein einigermaßen begabter Musiker zur Verfügung steht, muss unbedingt eine »Zeit der Anbetung« Bestandteil der Zusammenkünfte (ob Hauskreis oder Gottesdienst) sein. Selbst wenn dem Prediger keine vernünftige Predigt eingefallen ist, muss er eine halten. Es ist viel von der »Freiheit in Christus« die Rede und wenig zu spüren. Das Gemeindeleben besteht überwiegend aus Frontalprogramm und passiven Zuschauern, mehr Form als Inhalt. Für kirchenferne Menschen ist ein Theater- oder Kinobesuch wesentlich unterhaltsamer.
  8. Es werden »biblische Grundlagen« verwendet, die in der Bibel nicht zu finden sind. Das reicht vom »notwendigen Übergabegebet« und der Vorstellung, dass »Pastor« ein Beruf wäre über moralische Maximen und Finanzierungsmodelle bis zur Vorstellung, die Bibel sei ein unfehlbares Lexikon für das Leben - man müsse nur den passenden Vers zur jeweiligen Situation finden. Die unpassenden Verse werden ignoriert. Für manchen Besucher, der nicht schon fromm ist, wirkt das absolut unglaubwürdig. Auch manche Gläubige werden in den letzten Jahren stutzig, weil das verkündigte Wort wenig mit der Realität zu tun hat.
  9. Menschen, die inzwischen mit neuen Glaubensausprägungen experimentieren, neue Formen der Gemeinschaft ausprobieren, unantastbare moralische Postulate über Bord werfen, werden flugs, im günstigsten Fall, als »Spinner« bezeichnet. Oder gleich als Irrlehrer gebrandmarkt. Wer Homosexuelle oder Moslems in seiner Runde willkommen heißt, bei dem ist sowieso der »Geist von unten« am Werk. Eindringlich wird vor solchen Menschen und Bewegungen gewarnt, da sie offensichtlich als Konkurrenz verstanden werden. Was nicht nach Schema F aussieht, ist erst einmal grundsätzlich falsch. Ergo fühlen sich in herkömmlichen Kirchen und Gemeinden viele Menschen, Homosexuelle zum Beispiel, von vorne herein ausgegrenzt, unerwünscht.

P.S.: Zum Teil wurden diese Gedankenanstöße inspiriert von Brad Boydston, der sich in einem Beitrag auf seinem Blog mit der Situation der Gemeinde in Nordamerika auseinandersetzt: Top 10 reasons the church planting movement in North America is in trouble

Dienstag, 27. Oktober 2009

Das schöne Schlafzimmer oder Warum man sich immer präzise ausdrücken sollte.

schlafzimmer Paul Müller, ein relativ neuer Mitarbeiter, ruft beim Chef an und sagt: »Ich komme heute nicht zur Arbeit. Ich bin wirklich sehr krank, der Kopf tut weh, mir ist schlecht, und die Beine sind wackelig. Ich gehe zum Arzt. Hoffentlich ist es nicht H1N1.«
Der Chef meint: »Wissen Sie, Herr Müller, ich brauche Sie heute wirklich am Arbeitsplatz. Der Großauftrag muss abgewickelt werden! Die Schweinegrippe wird es schon nicht sein, Sie waren ja nicht auf einem Bauernhof in letzter Zeit.
Wenn es mir mal so schlecht geht, dann gehe ich zu meiner Frau und wir haben Sex. Anschließend fühle ich mich viel besser. Versuchen Sie das bitte.«
Zwei Stunden später erscheint Paul Müller am Arbeitsplatz und erzählt dem Chef freudestrahlend: »Ich habe gemacht, was Sie gesagt haben! Jetzt geht es mir wieder gut. Übrigens, Sie haben ein sehr hübsches Schlafzimmer, Chef.«

Montag, 26. Oktober 2009

Unentschieden – und keine Verlängerung!

Nee, nicht das letzte Hertha-Spiel ist gemeint, über unserem Hauptstadt-Weltklasse-Fußballtrümmerhaufen liegt nach wie vor der barmherzig-höfliche Mantel des Schweigens.

Gemeint ist die Abstimmung der geschätzten Leserschaft über den Fortgang der Entblößung vom letzten Freitag. Vielen Dank an die 20 Menschen, die sich die Mühe gemacht haben, einen Mausklick auszuführen.

fiftyfifty

Diese klare Entscheidung bot sich meinem Auge heute früh dar. Und damit wird nun eben weiter geschrieben, schließlich leben wir (ich zumindest) in einem demokratischen Land. Mancher Leser stößt auch aus weniger freiheitlichen Gegenden auf diesen Blog, wie mir die Zugriffsstatistiken zeigen, aber das ist eine andere Geschichte und die soll ein andermal erzählt werden.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Der eine und der andere

robbieDer eine trat am letzten Freitag kostenlos runde 40 Minuten im Nieselregen (er selbst samt Band natürlich unter einem schönen Bühnendach) auf, zahlreiche Fans waren dabei. Von diesem relativ jungen Mann habe ich keine Platten. Er musiziert ganz nett, paulchenfinde ich, aber da muss ich nicht hin, selbst wenn’s umsonst ist.

Muss er eigentlich deshalb kaputte Hosen tragen, weil er für solche Minikonzerte keinen Eintritt verlangt?

Der andere, relativ ältere Herr, kommt demnächst, am 3. Dezember, in unsere Stadt, der Konzertbesuch kostet einen ziemlich schmerzhaften Eintritt. Von ihm habe ich etliche Platten. Seine Musik, ob Soloprojekt oder mit seiner ehemaligen Combo, kann mich begeistern, auch nach 40 Jahren noch. Und ich hatte nie die Gelegenheit, ihn (mit oder ohne die damalige Combo) live zu erleben.

Er kann sich intakte Kleidung und eine Krawatte leisten. Unsere Eintrittskarten sind bestellt, damit er auch in Zukunft eine neue Hose kaufen kann, falls eine zerreißen sollte.

Samstag, 24. Oktober 2009

Der Mantel des Schweigens

Über manches sollte man barmherzig oder höflich den Mantel des Schweigens ausbreiten. Zum Beispiel mache ich keine Bemerkungen zu:






Freitag, 23. Oktober 2009

Die Entblößung – Teil 4

abstimmung3 Ich habe keinen Grund, mich über die Entscheidung der geschätzten Leserschaft nach dem 3. Teil zu beschweren. Schließlich habe ich das Schlamassel selbst herbei beschworen. Niemand hat mich gezwungen, eine Frage, ganz zu schweigen von jener Frage, zu stellen.

Die Abstimmung hat ergeben, dass die Fotos echt sind. Nun gut. Ich hatte anderes im Sinn, aber die von mir ersonnenen Spielregeln sollen deshalb nicht außer Kraft gesetzt werden. Also muss mein Freund Haberling erfahren, dass keine Manipulationen vorliegen.

Zunächst jedoch, bevor es weiter geht mit der Entblößung, erneut die faire Warnung: Auch mit dieser vierten Fortsetzung ist die Geschichte nicht zu Ende. Wer weiterliest, bleibt wiederum ohne einen Ausgang der Handlung, womöglich drehen sich hinterher sogar noch mehr Fragen im Kopf als zuvor. Also beschwere sich niemand. Lesen auf eigene Gefahr.

Ach ja, und natürlich noch der Hinweis auf die bisherigen Teile: Teil 1 /// Teil 2 /// Teil 3

Genug der Vorrede.

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»Das kann aber nicht sein«, widersprach Stephan Haberling, »wenn diese Fotos echt sind, wie Ihr Kollege behauptet, warum weiß ich dann nichts davon? Es wurde wirklich nichts daran manipuliert?«

Detlef Fischer zog die Schulten empor. »Ich bin kein Experte, aber für mich klingt die Analyse eindeutig. Lichttemparatur, Konturübergänge, Schattenwurf, digitale Informationen… ich gehe einfach davon aus, dass ein Fachmann wie mein Kollege, ehemaliger Kollege besser gesagt, weiß, wovon er redet, wenn er zu einem so eindeutigen Urteil gelangt. Er hat immerhin auch festgestellt, dass die bisher vorhandenen Bilder nacheinander aufgenommen wurden, und dass die abgebildete Person zwar jeweils die gleiche Haltung eingenommen hat, aber – wie dies bei einem echten Menschen nicht anders zu erwarten wäre – ist das natürlich nicht zu 100 Prozent gelungen. Schon die Stellung der Füße ist auf keinem der vier Fotos wirklich identisch. Wenn man es weiß, sieht man es auch.«

Stephan Haberling betrachtete die Vergrößerungen der Füße auf dem Bildschirm. Es stimmte, was sein Nachbar sagte. Also blieb eigentlich nur eine einzige logische Erklärung: Trotz der Narbe am Knie war diese Person nicht er selbst. Das wiederum war unlogisch, denn eine dermaßen verblüffende Ähnlichkeit mochte es höchstens bei Zwillingen geben, und er hatte keinen Bruder, geschweige denn einen Zwillingsbruder.

»Und der Raum«, fragte Detlef Fischer, »der ist Ihnen wirklich völlig fremd?«

Die mehr und mehr entblößte Figur nahm den größten Teil der Fotos ein, man erkannte im Hintergrund eine Vitrine aus weißem Holz mit Glaseinsätzen, links daneben ein kleines Stück Wand im Terrakottaton offenbar mit einer interessanten Rohputztechnik gestaltet. Rechts waren Zweige und Blätter eines Ficus benjaminii zu erkennen. Was vom Fußboden zu sehen war, schien ein geknüpfter Teppich zu sein. Der Halogenstrahler, nach dem die Gestalt sich ausstreckte, gehörte zu einem Seilsystem. In der Vitrine stand weißes Geschirr, womöglich konnte ein Fachmann anhand der Bilder erkennen, welche Marke das war. Doch ob nun Seltmann oder Rosenthal oder sonst ein Hersteller, das änderte nichts daran, dass Stephan Haberling den Raum nicht kannte oder zumindest nicht erkannte. Er schüttelte den Kopf und meinte: »Keine Ahnung. Nie gesehen. Noch ein Bier, Herr Fischer?«

Vier leere Flaschen Krušovice standen auf dem Schreibtisch. 16 volle Flaschen waren noch vorrätig, aber der Nachbar lehnte dankend ab.

Wieder allein in seinem Arbeitszimmer überlegte Stephan Haberling, ob er nun etwas unternehmen oder einfach abwarten sollte. Polizeiliche Ermittlungen, das hatte er verstanden, waren einstweilen nicht angebracht, da keine eindeutige Straftat vorlag. Es blieb also die Möglichkeit, Picasaweb zu kontaktieren und darum zu ersuchen, die Galerie zu sperren. Allerdings war zu erwarten, dass alter.ego flugs mit anderen Anmeldedaten eine neue Galerie ins Leben rufen würde, ein endloses Katz- und Mausspiel. Auch nicht gerade sinnvoll.

Falls der Urheber des ganzen Schlamassels etwas von ihm wollte, hatte Stephan Haberling bisher nicht begriffen, was. Er öffnete noch einmal die letzte E-Mail. »Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andren zu« - mehr nicht. Unverständlich. Absurd. So wie die ganze Angelegenheit.

Er klickte auf »Antworten« und schrieb: »Tut mir leid, ich verstehe nicht, was gemeint ist. Ich weiß nicht, was Sie wollen. Ich weiß nicht, wer Sie sind. Entweder Sie machen verständliche Aussagen, oder es ist hoffnungslos.«

Nach dem Absenden nahm er die vier leeren Bierflaschen und brachte sie zurück in die Küche. Die Gläser räumte er in die Spülmaschine. Irgend etwas essen könnte jetzt nichts schaden. Ein Ölsardinenbrot? Vielleicht eine Pizza?

Das Telefon unterbrach seine Kostauswahl.

»Haberling.«

»Hier ist Lisa.«

Er hatte keine Ahnung, wer Lisa sein mochte. Das hatte nicht viel zu bedeuten, da er sich Namen schwer merken konnte. »Hallo Lisa.«

»Ich will nur kurz fragen, ob du heute Abend beim Autorenstammtisch dabei bist.«

Also war Lisa wohl eine Autorin? Wenn sie einen Nachnamen genannt hätte, wäre es Stephan Haberling unter Umständen leichter gefallen, sich ein Gesicht vorzustellen. So ganz sicher war allerdings auch dies nicht. »Ich habe vor, zu kommen. Warum?«

»Dann bringe ich dir etwas mit, was vielleicht interessant für deine Arbeit ist. Sonst hätte ich es mit der Post geschickt.«

Nun gut, dann würde er spätestens in dem Moment wissen, wer Lisa ist, in dem ihm eine Dame etwas überreichte. Er nickte, was am Telefon zwar unerheblich, aber dennoch seine Angewohnheit war. »Okay, dann bis später, Lisa.«

Ihre Stimme klang nach einem Lächeln. »Ja, bis nachher, Stephan.«

bergmann
Der Autorenstammtisch fand alle drei Monate statt, zu Stephan Haberlings Leidwesen in Kreuzberg. Am Lokal gab es nichts auszusetzen, Speisen und Getränke waren erschwinglich und gut, der Stammtisch im Kellergeschoss bot genügend akustische Entfernung zum lauten Betrieb oben, um sich ohne erhobene Stimme unterhalten zu können. Das einzige Problem am »Bergmann 103« war die Tatsache, dass es in der Bergmannstraße im Haus Nummer 103 lag, und ringsherum gab es so gut wie keine Parkplätze. So musste er zusätzlich zur normalen Fahrtdauer von 40 Minuten stets eine Parkplatzsuche und dann einen Fußweg von rund 15 Minuten zum Lokal einplanen.

Mitglied konnte jeder in Berlin lebende Autor sein, der mindestens ein Buch in einem »richtigen« Verlag veröffentlicht hatte. Da der Stammtisch nirgends publik gemacht wurde, kamen neue Mitglieder oder Gäste nur durch persönliche Einladung in die Runde. Bei den vierteljährlichen Treffen tauschte man sich zwanglos über Gott und die Welt, das Schreiben und das Lesen aus, ohne dass ein Thema vorgegeben war. Meist ergab sich ein Schwerpunkt von selbst.

Als Stephan Haberling eintraf, saßen bereits vier Stammgäste am Tisch, und darüber hinaus eine junge Dame, die er noch nie gesehen hatte. Da neben ihr ein Stuhl frei war, setzte er sich zu ihr und stellte sich vor: »Guten Abend, ich heiße Stephan Haberling. Sie sind zum ersten Mal dabei?«

»Ja, ich bin gespannt auf den Austausch. Herr Bendix Kleefeld war so freundlich, mich einzuladen.«

Stephan Haberling stutzte. Etwas am Tonfall kam ihm bekannt vor. Aber was?

Bendix Kleefeld lächelte über den Tisch und ergänzte: »Sie ist eine ganz famose Erzählerin und charmante Gesellschafterin, dafür lege ich die Hand ins Feuer.«

»Und haben Sie«, fragte Stephan Haberling, »auch einen Namen?«

»Natürlich. Lisa del Giocondo.«

Die Anruferin. Die Autorin des von ihm hochgeschätzten Buches »Mein zweites Ich«. Seine heimliche Muse. Die Unerreichbare – plötzlich erreichbar, direkt neben ihm am Stammtisch? Er war zu perplex, um sofort zu antworten.


Nach dem Stammtisch begleitete er Lisa in deren Wohnung, die in der gleichen Straße ein paar Hauseingänge entfernt lag. Es war überhaupt nicht seine Gewohnheit, fremde Frauen in deren Privatbereich aufzusuchen, aber hier und jetzt war sowieso alles dermaßen jenseits der Normalität, dass er keinen Augenblick gezögert hatte, als sie beim Aufbruch leise zu ihm sagte: »Wir gehen jetzt zu mir. Dort bekommst du das, was ich am Telefon versprochen habe.«

Sie stiegen die Treppen empor, im dritten Stock schloss Lisa eine Türe auf. Der Flur ließ bereits ahnen, dass diese Wohnung so ungewöhnlich eingerichtet und ausgestattet sein musste, wie ihre Bewohnerin ungewöhnlich war. Die Wände waren mit einem hellbraunen Baumwollstoff bezogen, so sah es auf den ersten Blick aus, aber die Wände leuchteten. Nicht grell, sondern in einer augenschmeichelnden Helligkeit.

Stephan Haberling berührte den Stoff, fasziniert von dem Effekt. Seine Begleiterin erklärte lächelnd: »Das ist mit Stoff bespanntes Glas, vom Boden bis zur Decke. Dahinter ist die LED-Beleuchtung installiert, und dahinter wiederum liegen die ursprünglichen Wände. Wenn ich die Wohnungstüre aufschließe, empfängt mich automatisch das Licht.«

Er nickte und sagte: »Wer bist du eigentlich, Lisa?«

»Geradeaus ist das Wohnzimmer. Setz dich hin, ich bringe ein paar Getränke aus dem Kühlschrank.«

Er war nicht mehr sonderlich überrascht, als er im Wohnzimmer eine Rohputzwand im Terrakottaton sah, an der eine Vitrine mit Geschirr und neben dieser ein Ficus benjaminii stand. Der Teppich war so weich, wie er auf den Fotos aussah. Unter der Zimmerdecke war ein Halogen-Seilsystem angebracht. Was fehlte, war ein zunehmend nackter Mann, der sich zu einem der Strahler empor streckte. Stephan Haberling hob die Arme und stellte fest, dass er, falls er sich auf die Zehenspitzen stellte, den Strahler erreichen konnte.

»Kannst du mir den so verstellen, dass das Licht auf das obere Fach in der Vitrine fällt?«, fragte Lisa del Giocondo, die in der Wohnzimmertür stand und lächelte. »Er ist etwas zu niedrig ausgerichtet.«

»Darf ich meine Kleidung dazu anbehalten?« fragte er zurück.

»Selbstverständlich.« Wieder dieses Lächeln, das ihn erinnerte. Zurückerinnerte. Zurück in jene Zeit, in der sich alles änderte. Endgültig. Unumkehrbar.

Er richtete den Strahler behutsam nach oben, bis er die gewünschte Stelle beleuchtete. Zwischen dem Geschirr im oberen Fach stand ein kleiner Bilderrahmen. Stephan Haberling trat an die Vitrine und betrachtete das Portrait.

»Komm, setzt dich zu mir und erzähl mir von Isis«, bat ihn die Frau, die er wenige Stunden vorher noch nicht gekannt hatte, und die ihm nun plötzlich so vertraut war wie kein anderer Mensch auf dieser Welt.

»Erzähl mir von Isis, bitte.«

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So. Mehr gibt es heute nicht zu lesen. Aber natürlich darf die obligatorische Abstimmung nicht fehlen. Bittesehr:

Wer ist Isis?
Lisas Schwester.
Stephans frühere Frau.
Auswertung

Ich werde am kommenden Montag Ausschau halten, was meine lieben Leser bevorzugen. Und dann weiterschreiben, was unser Stephan über Isis zu berichten hat.

Nachtrag 26.10.: Wer mag, kann noch klicken, aber ich schreibe mit der Entscheidung von heute früh im Kopf und im Herzen weiter: Gleichstand.

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Behälter für den Eierbau?

Diese beiden E-Mails muss man von unten nach oben lesen, weil meine Antwort auf die Anfrage über der Anfrage nach meiner Antwort steht.


P.S.: Wie baut man eigentlich ein Ei? Ich dachte immer, die werden von Vögeln gelegt oder kommen schon fertig mit Kinder-Schokolade umhüllt auf die Welt.

Heute ist Siebentag

joyce Ach waren das noch Zeiten, als ich meinen Schneider-Joyce-Computer zunächst mit einer Diskette füttern musste, von der er das Schreibprogramm in den Speicher lud, um dann von einer zweiten Diskette den gewünschten Text zu laden, an dem ich arbeiten wollte.

Der Bildschirm zeigte, soweit ich mich erinnere, grüne Schrift auf dunklem Hintergrund. Grafik? Nö. Mehrere Anwendungen gleichzeitig öffnen? Nö. Rechtschreibprüfung? Nö. Schriftarten und –größen aussuchen? Kann sein, ich glaube das ging irgendwie…

Immerhin war es eine wunderbare Schreibmaschine, das Ding, und am Ende der Mühe konnte man auf einem ohrenbetäubenden Nadeldrucker das fertige Werk zu Papier bringen. Doch genug von der Nostalgie!

Heute ist nun für viele Menschen Siebentag, die Vorbestellungen von Windows 7 haben in England Harry Potter vom ersten Platz der meiste-Vorbestellungen-aller-Zeiten-Liste verdrängt, und auch hierzulande dürfte vielerorts eine Installationsorgie ausbrechen.

Ich habe Windows 7 in der Beta-Version ausgiebig getestet und werde, obwohl der Postbote das Amazon-Päckchen heute abliefern wird, erst am Wochenende dazu kommen, das neue Betriebssystem zu installieren. Macht ja nix. Geduld ist die Mutter aller Tugend.

Allen, die heute schon loslegen: Vorher Daten sichern und dann viel Spaß dabei!