Samstag, 22. Mai 2010

Wunderliches: Ein ASUS-Notebook, das funktioniert

Regelmäßige Blogbesucher kennen die schier unendliche Geschichte, die mich durch das Jammertal des ASUS-Kundendienstes führte. Anfang Oktober 2009 schickte ich ein defektes Notebook zur Reparatur ein – und nun habe ich tatsächlich seit Mittwoch, dem 19. Mai 2010, ein Ersatzgerät, das (immerhin schon 3 Tage!) zu funktionieren scheint.

Zuletzt gab es noch diese erbauliche Episode auf dem Weg zum Ziel:

  • Das Ersatzgerät war am 14. April mit einem Akku geliefert worden, der nicht aufgeladen werden konnte. Oder einem sonstigen Defekt, der das Laden verhinderte.
  • Ich bat um einen Ersatzakku, um das Gerät nicht erneut einschicken zu müssen. Telefonisch wurde mir gesagt, das ginge nicht, das Gerät müsse ins »Service-Center«.
  • Am 21. April schickte ich das Gerät ein.
  • Am 28. April schlug man mir vor, 172,79 Euro zu bezahlen für einen Akkutausch, weil der keine Garantie mehr habe.
  • Auf meinen gerade noch höflichen Protest hin versicherte man mir, den Akku kostenlos zu tauschen.
  • Eine Woche später fragte ich nach, wie lange solch ein Akkutausch wohl dauern würde. Als Antwort bekam ich zu lesen:  »Guten Tag Herr Matthia, das Gerät befindet sich zur Zeit noch in der Reparatur, der Akku wurde laut den mir vorliegenden Daten bereits getauscht. Leider scheint das Problem dadurch noch nicht zuverlässig behoben zu sein, deswegen möchten wir noch das Mainboard austauschen um alle möglichen Fehlerquellen ausschliessen zu können. Das Mainboard ist zur Zeit leider nicht auf Lager, befindet sich laut den mir vorliegenden Informationen aber kurzfristig im Zulauf. Ich entschuldige mich für Ihre Unannehmlichkeiten und verbleibe…«
  • Ich seufzte zutiefst und schrieb an die ASUS-Herrschaften: »Sehr geehrte Damen und Herren, so langsam wird das zur Posse, was Sie mir zumuten. Was Sie mir geschrieben haben, heißt doch nichts anderes, als dass Ihr »refurbished«-Austauschgerät, das ich im April 2010 als Ersatz für ein Anfang Oktober 2009 eingeschicktes Gerät erhalten habe, mit einem defekten Mainboard (oder sonst einem Defekt) ausgeliefert wurde. Hat ASUS Probleme mit der Modellreihe? Hat ASUS kein Interesse am Kunden? Ist es für ASUS keine Selbstverständlichkeit, Kunden für gutes Geld auch gute Ware zu liefern? Ich würde Ihnen vorschlagen, dass Sie mir einen Scheck über die von mir im Dezember ausgegebenen 699 Euro schicken (die Rechnung hatte ich bereits drei Mal eingeschickt) und die ganze Sache damit aus der Welt schaffen. So langsam dürfte das auch für Sie die preisgünstigere Lösung der Misere sein. Wir würden mit unseren Kunden jedenfalls nicht so umgehen wie ASUS mit uns - dann hätten wir nämlich bald keine Kunden mehr. Freundliche Grüße…«
  • Die Antwort am Dienstag, 18. Mai 2010: Das Gerät sei repariert und auf dem Weg zu mir.
  • Und siehe da: Am nächsten Tag kam das Paket an. Mit neuem Akku und Netzgerät – ob ein Mainboard getauscht wurde, weiß ich nicht und will ich gar nicht wissen…

Immerhin hat es nur sieben Monate seit dem Einsenden eines defekten Notebooks gedauert, bis ich für mein Geld auch einen Gegenwert erhalten habe. Wie viele E-Mails waren notwendig, um dieses schnelle Ergebnis herbeizuführen? Wie viel Geduld? Wie viel Nachsicht? Doch wie schon der Volksmund sagt: Ohne Fleiß kein Preis.

Nun frage ich mich: Soll ich mich für den prompten und schnellen Kundendienst bedanken? Vielleicht warte ich mal ein paar Wochen, ob das Gerät wirklich einwandfrei arbeitet…

P.S.: Wer will, kann die Details hier noch mal nachlesen: [ASUS 1] [ASUS 2] [ASUS 3] [ASUS 4]

Freitag, 21. Mai 2010

Gesichtsbuchtest

gjm-fbNachdem die beste aller Ehefrauen seit geraumer Zeit viel Spaß an ihren Facebook-Aktivitäten hat, und nachdem nicht nur Hinz und Kunz, sondern dem Vernehmen nach die halbe Welt dort zu finden ist, habe ich mich schließlich aufgerafft, einen Versuch zu unternehmen: Taugt das was für mich? Stiehlt es mir nur Zeit? Oder bringt es auch was?

Es wird sich zeigen. So nach und nach. Meine Großmutter pflegte zu sagen: »Probieren geht über studieren.«

Ich probiere. Ich bin sozusagen nun ein temporärer Gesichtsbuchbenutzer. Ein Klick auf das Bild sollte den geschätzten Blogbesucher eigentlich auf mein Facebook-Profil katapultieren, Lust, Zeit und Laune vorausgesetzt natürlich.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Namensgebung

Ein Baby von sxc.hu»Ich bestehe darauf«, zeterte Mandy Müller, »und damit basta!«
Die Standesbeamtin war ratlos. Seit zehn Minuten versuchte sie, der jungen Mutter Vernunft einzureden. Mit Engelszungen, mit energischer Stimme, mit Bitten und mit Drohen. Alles vergebens. Eine Lösung musste jedoch gefunden werden, denn heute, am 17. März 2011, lief die Frist ab. In Deutschland gibt es für alles eine Frist, natürlich auch für die Namensgebung eines Kindes. Vier Wochen nach der Geburt spätestens muss ein Name her, und wenn die Eltern sich nicht einigen, dann entscheidet das Standesamt, ob Vater oder Mutter mit ihrem Wunsch zum Zuge kommen.
Das Problem war allerdings, dass sowohl Mandy Müller als auch Klaus-Peter Müller den gleichen Vornamen für ihre Tochter wollten.
»Nun überlegen Sie doch mal. Wenn Ihr Kind in die Schule kommt...«
»Es ist in Deutschland erlaubt, seine Tochter Paris zu nennen. Oder Agatha. Die Tochter von der Erna, das ist meine Nichte, die heißt April. Womöglich ist sogar Xanthippe erlaubt, das weiß ich jetzt nicht«, meckerte Mandy, »aber wir dürfen uns keinen Namen für unsere Tochter aussuchen?«
»Jawohlja!« ergänzte Klaus-Peter.
»Ich muss sonst von Amts wegen einen Namen eintragen, den ich für angemessen halte«, drohte die Standesbeamtin. Ob das überhaupt zulässig war, wusste sie nicht, aber einen Versuch war es ja wert.
Mandy wurde zornesbleich. »Das wäre ja noch schöner! Klaus-Peter, sag du doch auch mal was!«
»Jawohlja!«
»Denken Sie doch noch mal in Ruhe nach. Denken Sie vor allem an die Hänseleien oder all die Probleme, die Ihre Tochter später im Leben hätte.«
»Wir haben vier Wochen lang nachgedacht.«
»Jawohlja!«
»Und wir bleiben dabei. Unser Mädchen ist immerhin unter Umständen gezeugt worden, die es verdienen, nicht vergessen zu werden. Daher wird sie so heißen.«
»Jawohlja!«
Ermüdet blätterte die Standesbeamtin in ihren Rechtsvorschriften. Vielleicht fand sich ja eine Möglichkeit, die Namensgebung aufzuschieben? Nächste Woche hatte ein Kollege Dienst, sie selbst würde weit weg im Urlaub sein...
»Das war nämlich so«, erklärte Mandy und bekam rote Bäckchen, »wir haben da in der Flughafenhalle übernachtet. Ich wollte schon schlafen, da kam mein Klaus-Peter zu mir unter die Decke gekrabbelt. Also wir lagen ja auf so Isomatten, nicht wahr, und mit braunen Wolldecken vom Roten Kreuz oder so zum Zudecken. Ich sage zu ihm lass das, hier sind doch hundert Menschen, sage ich. Aber mein Klaus-Peter, na ja, der... – also schon ganz in Fahrt oder so, na ja, es war ja auch nur gedämpftes Licht. Jedenfalls haben wir dann wie noch nie zuvor, vielleicht weil es so aufregend war mit den vielen Leuten ringsrum, als täten wir was Verbotenes, dabei sind wir ja schon vier Jahre verheiratet.«
»Jawohlja!«
Die Standesbeamtin fand keinen Paragraphen, der Aufschub gestattet hätte. Verzweifelt betrachtete sie Mandy und Klaus-Peter. Vermutlich brachte ihr diese Sprechstunde eine Rüge ein, aber sie konnte die Geschichte nicht noch einmal zu Ende anhören. Drei Mal hatte sie in den letzten zwanzig Minuten gehört, wie das namenlose Mädchen gezeugt worden war. Nicht noch einmal! Kapitulierend holte sie tief Luft und sagte: »Also gut, wenn Sie...«
Doch Mandy unterbrach ihren Redefluss nicht. »Man konnte sich ja nicht so doll bewegen, die Menschen ringsum schliefen vielleicht, oder auch nicht. Darum hat es länger gedauert als sonst. Ich dachte schon, das wird nichts, der arme Klaus-Peter wird am Ende so schlafen gehen müssen, also mit - ohne - äh - na Sie wissen schon. Das ist doch bestimmt unbequem, als Frau weiß man das ja nicht so genau. Dann kam ein lauter Gong durch die Lautsprecher wegen einer Durchsage oder so, und gleichzeitig war mein Klaus-Peter soweit. Mit dem Gong! Wahnsinn! Unter uns gesagt, wie ein Vulkan, mein Klaus-Peter, beim Gong...«
Die Standesbeamtin griff zu Formular und Stift. Wenn sie auch nur eine einzige weitere Minute zuhören musste, würde sie sich schreiend auf den Boden werfen und in die Auslegeware beißen. Dann schon lieber eine Rüge in den nächsten Tagen und eine Ungültigkeitserklärung der Urkunde von vorgesetzter Stelle. Damit konnte sich dann der Kollege nächste Woche herumärgern.
Sie atmete noch einmal tief durch und schrieb hinter Vorname des Kindes: Eyjafjallajökull.

Mittwoch, 19. Mai 2010

Michael Crichton: Pirate Latitudes

piraten Nach den ersten etwa 20 Seiten war ich ziemlich sicher, dass Michael Crichton dieses Buch so noch nicht veröffentlicht hätte. Es las sich (für mich als Autor zumindest) wie eine Rohfassung, die noch einmal zu überarbeiten man sich vorgenommen hat. Aber genau das machte den Roman für mich dann ganz besonders reizvoll. Manche Nebenhandlung ist angerissen, und hätte er an dem Buch noch arbeiten können, wären Michael Crichton sicher seine typischen Spannungsfäden nach allen Seiten hin gelungen. Auch einige Charaktere hätte er sicher noch ausgefeilt, mit Schattierungen versehen und eingefärbt, falls er die Geschichte nicht sowieso nur für sich, nur zum Spaß geschrieben hat. Wir werden es nicht erfahren, ob das Manuskript für die Veröffentlichung vorgesehen war.

Dieses nach seinem Tod in den persönlichen Unterlagen aufgefundene Werk ist alles andere als ein typischer Crichton. Wer so etwas wie »Jurassic Park« oder »Timeline« erwartet, wird nicht zufrieden sein.
»Pirate Latitudes« ist eine typische klassische Piratengeschichte mit allen Elementen, die normalerweise dazugehören, einschließlich Riesenkrake, Hurrikan auf hoher See, Verrat und List, Kannibalen und Schiffsbruch. Zunächst einfach unterhaltsam, dann nimmt etwa ab der Hälfte die Spannung zu, weil vieles sich völlig anders entwickelt, als der Leser zunächst erwartet. Die Spannung steigt immer mehr, und im letzten Drittel möchte man den Roman nicht mehr aus der Hand legen. Man meint immer wieder, aufatmen zu können, und schon bricht das nächste Verhängnis über unseren Gentleman-Piraten Charles Hunter herein. Meisterhaft fabuliert, wie man es von Michael Crichton erwartet.

Für mich machte gerade die etwas »unfertige« Note dieses Buch zu einem nicht nur spannenden, sondern auch interessanten Lesevergnügen. Ich konnte mir selbst ausmalen, was Crichton aus diesem oder jenem Handlungsstrang oder Hintergrund hätte komponieren wollen - sozusagen ein Blick hinter die Kulissen eines leider viel zu früh verstorbenen großartigen Schriftstellers.

In manchen Kritiken auf Amazon zur deutschen Version las ich, dass der Übersetzer wohl einige Formulierungsfehler eingebaut hat, die im Original nicht vorhanden sind. So soll zu lesen sein, dass ein Schiff »kielgeholt« wird oder dass Segel »angeluvt« werden, und auch dass auf einer nur mit Kakteen bewachsenen Insel Holz für die Mastreparatur gesammelt wird, soll in der deutschen Ausgabe stehen. Wenn das stimmt, dann beweist sich wieder einmal, dass es - ausreichende Sprachkenntnisse vorausgesetzt - so gut wie immer besser ist, das Original zu lesen. Von solchen Fehlern ist nämlich dort nichts zu finden.

Mein Fazit: Spannend, unterhaltsam, gut geschrieben. An der Verfilmung (Spielberg, wer sonst!) wird bereits gearbeitet – aber man sollte unbedingt das Buch lesen, denn diese wunderbar verzwirbelte Geschichte passt nie und nimmer ohne Verluste in 90 oder 120 Minuten Film.

Bestellen kann man zum Beispiel hier bei Amazon:

Dienstag, 18. Mai 2010

Hertha sattelt um

Wenn ich Foto und Schlagzeile der Google-News richtig deute, dann wird Hertha BSC zukünftig nicht mehr Fußball zu spielen versuchen, sondern statt dessen Auto fahren lernen:
Hertha gibt Gas!
Vielleicht ja gar keine schlechte Idee, die Sportart zu wechseln. Die Frage bleibt allerdings unbeantwortet, wer die vielen teuren Autos bezahlt, die man für so eine Mannschaft braucht. Gibt es da schon einen Sponsor? Oder fahren die dann abwechselnd mit einem Fahrzeug? Und ist der blaue Streifen rund um den Rasen im Olympiastadion eigentlich breit genug für solche Eskapaden?
Derweil solche Fragen ungeklärt bleiben, hat die »Süddeutsche« zu berichten, dass eine Fanzüsin freigelissen wurde.
Franzüsin freigelissen!
Vermutlich ist das eigenwillige Deutsch dem andauernden Kater nach der Bayern-ist-Pokalsieger-Feier in der Redaktion geschuldet, denn die sitzt (oder liegt?) nun mal in München.
Dazu passt auch die Suchanfrage bei Google, über die ein Leser oder eine Leserin aus Bayern auf meinem Blog gelandet ist:
Ein Bayer sucht ficen mitt pfred
Allerdings hat der nächtliche Mensch aus München das gesuchte »fraun ficen mitt pfred« hier sicher nicht gefunden. Na ja.

Montag, 17. Mai 2010

Mehr oder breitere Autobahnen, bitte!

Wenn man um 10:30 in Kühlungsborn losfährt und nach Berlin will…

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…und dann auf der Autobahn picknickähnliche Zustände herrschen…

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…und manche Zeitgenossen, weil es bis zur nächsten Raststätte durchaus noch zwei Stunden dauern kann, genötigt sind, ihre Notdurft am Straßenrand zu verrichten…

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…und die Reise erst um 17:30 vor der Haustüre endet – dann wünscht man sich mehr oder breitere Autobahnen. Welcher Partei muss ich denn bei der nächsten Wahl meine Stimme geben, damit das klappt?

Dennoch: Den Kurzurlaub haben wir genossen. Nun kehrt der Alltag wieder ein.

Samstag, 15. Mai 2010

Sauna, Saumseligkeit und Strandmöven

Am Donnerstag sind wir nach relativ ungestörter Fahrt (nur gelegentlich zähflüssiger Verkehr) in unserem Hotel angekommen.

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Was erwartet man in Kühlungsborn? Na ja, zum Beispiel einen Strand.
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Und natürlich ein wohnliches Zimmer für die Zeit des Exils.
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Wir genießen das Nichtstun und tun dieses und jenes. Am Strand wandern, in der Sauna schwitzen, im Schwimmbad Runden drehen, ein Sektchen auf dem Balkon des Zimmers.
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Gute Erholung also. Lediglich manche Einheimische sind etwas hölzern:
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Donnerstag, 13. Mai 2010

Up, up and away…

Balloon von sxc.hu…in my beautiful balloon sang einst eine Band namens 5th Dimension.

Wir machen uns heute vormittag ebenfalls auf den Weg, allerdings nicht im Ballon, sondern im Automobil. Demnach auch nicht nach oben in den Himmel, sondern nach oben auf der Landkarte, nach Kühlungsborn. Der Anlass ist das viertägige Wochenende, verlängert durch »Christi Himmelfahrt«.

Christi Himmelfahrt? Was ist das denn?

Bei dieser Gelegenheit fragten sie ihn: »Herr, wirst du jetzt Israel wieder zu einem freien und mächtigen Reich machen?« Darauf antwortete Jesus: »Die Zeit dafür hat allein Gott der Vater bestimmt. Euch steht es nicht zu, das zu wissen. Aber ihr werdet den Heiligen Geist empfangen und durch seine Kraft meine Zeugen sein in Jerusalem und Judäa, in Samarien und auf der ganzen Erde.« Nachdem er das gesagt hatte, nahm Gott ihn zu sich. Eine Wolke verhüllte ihn vor ihren Augen, und sie sahen ihn nicht mehr. (Apostelgeschichte 1, 6-9)

Die Jünger waren wieder allein, Jesus ließ sie zurück. Sie hatten ganz andere Erwartungen gehabt. Ein freies und mächtiges Reich Israel hatten sie sich ausgemalt, bereits um die besten Plätze in der Regierungsmannschaft gestritten, für ihre treue Nachfolge entsprechend verantwortungsvolle Ämter erwartet. Und dann ist Jesus einfach weg. Und sie sollen seine Zeugen sein. Nicht nur in der Nachbarschaft, sondern weltweit. Die Jünger Jesu hatten keine Ahnung von der Größe der Welt, aber das, was sie wussten, reichte auch schon. Und mit dem Versprechen, dass sie »den Heiligen Geist empfangen« würden, konnten sie nicht sonderlich viel anfangen, hatten keine Vorstellung, was und wie und warum… – Bibelleser wissen, dass die Jünger sich anschließend in einem Raum in Jerusalem einigelten, anstatt hinauszugehen und irgend etwas zu bezeugen.

Jesus ist immer noch körperlich weg, wir können ihn nicht beim Einkauf treffen oder am Strand von Kühlungsborn. Wie die Jünger damals verbringen wir unser Leben hier in unserer Welt, und nicht im Himmel. Hier liegt unsere Aufgabe: Leid zu mindern und Freude zu mehren. Unser Job ist es nicht, die höchstmöglichen geistlichen Sphären zu erklimmen. Unser Auftrag ist auch nicht Gottes Aufgabe, sondern unsere. Zweifellos seit Pfingsten mit der Hilfe des Heiligen Geistes, aber den empfangen wir nicht, um ihn anzubeten, zu bejubeln, Lieder über ihn zu dichten oder gar in ihm zu soaken, sondern aus einem ganz und gar weltlichen, irdischen Grund:

Ihr werdet den Heiligen Geist empfangen und durch seine Kraft meine Zeugen sein.

Das ist der Auftrag Jesu, an den die »Himmelfahrt Christi« erinnert. Mancher ist so up, up and away »im Geist«, dass er vor lauter Wohlbehagen nicht mehr dazu kommt, die Not ringsherum wahrzunehmen. Vielleicht sollte er dann lieber den »Vater- oder Herrentag« feiern als »Christi Himmelfahrt?«

Ich wünsche jedenfalls allen Blogbesuchern, gläubig oder nicht, einen schönen und erholsamen Feiertag.

Mittwoch, 12. Mai 2010

Gastbeitrag Sundries: Rettungsstation

Lifeguard Station (sxc.hu)Es war einmal vor langer Zeit, da machten an einer gefährlichen Küste ein paar Leute eine Rettungsstation für Schiffbrüchige auf. Zu dieser Rettungsstation gehörte nur eine kleine Hütte und ein winziges Boot. Mit diesem wagte sich die kleine, mutige Mannschaft immer wieder, bei Tag und bei Nacht, auf das Meer hinaus, um Schiffbrüchige zu retten.

Es dauerte nicht lange, bis dieser kleine Stützpunkt bald überall bekannt war. Viele der Erretteten und andere Leute aus der Umgebung waren nun auch gern bereit, Zeit, Geld und Energie zu opfern, um die Station zu unterstützen. Man kaufte neue Boote und schulte neue Mannschaften. Die kleine Station wuchs und gedieh. Vielen Gönnern dieser Rettungsstation gefiel das ärmliche und schlecht ausgerüstete Gebäude nicht mehr. Die Geretteten benötigten doch einen etwas komfortableren Ort als erste Zuflucht. Deshalb wurden die provisorischen Lagerstätten durch richtige Betten ersetzt und das erweiterte Gebäude mit besserem Mobiliar ausgestattet. Doch damit erfreute sich die Seerettungsstation bei den Männern zunehmender Beliebtheit als Aufenthaltsort; sie richteten sich noch gemütlicher ein, da sie ihnen als eine Art Clubhaus diente. Schließlich brauchten sie bei ihrer harten Arbeit für die Schiffbrüchigen auch Ausgleich und Anerkennung.

Mit der Zeit entwickelt sich ein merkwürdiger Trend: Die Zahl der Mitglieder im Clubhaus wuchs, aber wenn eine Rettungsfahrt anstand, wurde es immer schwieriger, Freiwillige zu finden, die auf Bergungsfahrt gehen wollten. Zu viele hatten gerade keine Zeit oder andere durchaus nachvollziehbare Begründungen; wie z.B. das nächste Clubfest sei vorzubereiten oder das Clubhaus müsse gerade renoviert werden. Also: Geld war genug da - man beschloss eben Leute für diese Arbeit der Bergungsfahrten zu bezahlen. Man heuerte für die Rettungsboote eine eigene Besatzung an. Immerhin schmückte das Wappen des Seerettungsdienstes noch überall die Räume. Und von der Decke des Zimmers, in dem gewöhnlich Jubiläen von Clubmitgliedern, 10jährige, 20jährige und 30jährige Mitgliedschaft gefeiert wurden, hing das Modell eines Rettungsbootes. Etwa zu dieser Zeit scheiterte vor der Küste ein großes Schiff, und die angeheuerten Seeleute kehrten mit ganzen Bootsladungen frierender, durchnässter, schmutziger und halbertrunkener Menschen zurück. In dem schönen Clubhaus herrschte das Chaos. Das Verwaltungskomitee ließ deshalb gleich danach Duschkabinen im Freien errichten, damit man die Schiffbrüchigen vor Betreten des Clubhauses gründlich säubern könne.

Bei der nächsten Versammlung gab es eine Auseinandersetzung unter den Mitgliedern. Die meisten wollten den Rettungsdienst einstellen, da er unangenehm und dem normalen Clubbetrieb hinderlich sei. Und außerdem gäbe es in letzter Zeit weniger Spenden, da müsse man halt auf manche Dinge in Zukunft verzichten.

Einige jedoch vertraten den Standpunkt, dass Lebensrettung die vorrangige Aufgabe sei und dass man sich ja schließlich auch noch als "Rettungsstation" bezeichne. Sie wurden schnell überstimmt. Man ließ sie wissen, dass sie, wenn ihnen das Leben all dieser angetriebenen schiffbrüchigen Typen so wichtig sei, ja woanders ihre eigene Rettungsstation aufmachen könnten. Das taten sie dann auch.

Die Jahre gingen dahin, und die neue Station wandelte sich genauso wie die erste. Sie wurde zu einem Clubhaus, und so kam es zur Gründung gar einer dritten Rettungsstation. Doch auch hier wiederholte sich die alte Geschichte. Wenn man heute diese Küste besucht, findet man längs der Uferstraße eine beträchtliche Reihe exklusiver Clubs. Immer noch wird die Küste vielen Schiffbrüchigen zum Verhängnis, die meisten der Schiffbrüchigen ertrinken allerdings.

Quelle: [Sundries]

Dienstag, 11. Mai 2010

Dabröselt

»Den Günter hot's dabröselt«, sagte mein Freund Egon vor gefühlten Hundert Jahren zu meiner damaligen Chefin, der Oberschwester Emma im Altenpflegeheim, in dem ich meinen Zivildienst leistete. Er meinte damit allerdings nicht, dass ich in kleine Stücke, so etwa wie Semmelbrösel, zerfallen war.
Anlass der Äußerung war meine Bitte an Egon, mich bei der Dienststelle als arbeitsunfähig zu entschuldigen, während ich mich auf den Weg zum Arzt machte. Für Blogbesucher, die des bajuwarischen Ideoms nicht so geläufig sind, mag es erhellend wirken, wenn ich dabröselt an einem aktuellen Beispiel erkläre. Mich hatte es nämlich am vergangenen Samstag erneut dabröselt.
THEY did that do me!Freitag war schon schlimm, ich nieste viel, hatte die Nase voll und so mancher Hustenanfall suchte mich heim. Samstag ziemlich schlimm, Sonntag dann ganz schlimm. Ohne Erzeugnisse der pharmazeutischen Industrie gar nicht mehr erträglich. Wenn ich, der ich gerne Auto fahre, die beste aller Ehefrauen bitte, das Steuer zu übernehmen, dann ist es zweifellos ganz schlimm. Und genau das kann man dann dabröselt nennen.
Am Montag, also gestern, dann ein leichtes Abklingen, dennoch hat die Beste aller Ehefrauen mich (mit anderen Worten als mein Freund Egon seinerzeit in Bayern vermutlich) bei der Arbeitsstelle entschuldigt und ich machte mich auf den Weg zum Arzt. Der hat mir - Ärzte sind Vampire - zunächst eine Verletzung beigebracht, siehe Foto. Und dann nach Abhören, diesem und jenem Untersuchen und so weiter schließlich festgestellt: »Sie haben eine abklingende Bronchitis. Darf ich raten? Am schlimmsten war es am Samstag und Sonntag.«
Na toll. Das hätte ich auch ohne Arzt gewusst. Immerhin hat er mich beruhigt, dass ich keineswegs irgend jemanden anstecken könne, wenn ich wieder ins Büro gehe. Das ist ja immerhin etwas.