Donnerstag, 22. April 2010

Ein anrüchiges Angebot und ein Schnäppchen

Mich schrieb ein früherer Kaffeeröster an, der inzwischen zum Gemischtwarenladen mutiert ist. Ich soll mich künftig wie folgt gewanden:
Herr Matthia im Jeanskleid?
Ich weiß nicht so recht. Mir scheint das anrüchig, wenn ich ein »Jeanskleid« oder »Cardigan und Top« anziehe, bevor ich ins Büro gehe. Und ich meine auch, dass die beste aller Ehefrauen nicht unbedingt begeistert wäre von meinem neuen »1001 Style«.

So, und nun das Sonderangebot. Mancher wartet ja auf eine »Erweckung«, die dann die leeren Kirchenbänke oder Gemeindestühle füllen wird, damit auch die Kasse (wegen der vielen neuen Spendenden) wieder stimmt. Nun scheint das jedoch irgendwie nichts zu werden, obwohl die Erweckung Jahr für Jahr »jetzt kommt sie!« angekündigt wird. Meine Mutter sagte schon: »Von nichts kommt nichts« Und die Erweckungsprediger predigen ja auch gerne über Saat (Geld von den Gläubigen) vor der Ernte (Segen für die Gläubigen). Also kann man Erweckung bestimmt mit einer Startinvestition in Gang bringen. Diesbezüglich hatte Google neulich einen Tipp parat:
Erweckung zum Schnäppchenpreis!

Mittwoch, 21. April 2010

Apfelzwang

Bisher konnten wir die Apfelwelt umgehen, aber nun muss MatMil, um einen großen Kunden nicht zu verlieren, ein Apple MacBookoder ein ähnliches Gerät anschaffen. Und auch Microsoft Office 2008 Macmuss dazu kommen.

Nun könnte es ja sein, dass jemand unter den geschätzten Blogbesuchern ein gebrauchtes, aber funktionierendes Gerät zum Verkauf anbietet. Wir brauchen nicht unbedingt ein bestimmtes oder nagelneues MacBook oder MacBook Pro oder Contra oder Air oder was es da alles gibt. Wichtig ist nur Apple beziehungsweise Mac und die Office 2008 Ausgabe für den Apfelcomputer.

Falls also jemand etwas Passendes anbieten möchte, bitte gerne per E-Mail an info ät matmil punkt de.

Ärger mit ASUS – Die Fortsetzung

Am 13. März hatte ich hier über die unendlich scheinende Ärger-mit-ASUS-Geschichte berichtet. Am 24. März konnte ich vermelden, dass ASUS Besserung gelobt hat, nachdem ich die Pressestelle gefragt hatte, ob man meine Leidensgeschichte wirklich gerne in einer namhaften Computerzeitschrift sehen würde.
Am 14. April kam das Paket mit dem Ersatz-Notebook an. »Refurbished« stand auf dem Karton. Also kein neues Notebook, aber immerhin endlich, nach sechs Monaten, überhaupt ein Gerät statt des wohl nicht reparablen Computers.
Am Freitag, dem 16. April nahm ich mir dann die Zeit, den Karton auszupacken und das Gerät in Betrieb zu nehmen. Alles schien prächtig zu funktionieren, nach der üblichen Ersteinrichtungsorgie habe ich gleich das Windows-7-Update installiert. Das Notebook hing dabei am Netzgerät, denn so ein Akku will ja erst mal aufgeladen werden. Auch über Nacht ließ ich den Akku laden. Dachte ich. Am nächsten Morgen zog ich dann den Netzstecker, um das Notebook mit ins Wohnzimmer zu nehmen. Der Bildschirm ward schwarz, das Gerät stromlos.
Stecker wieder in die Buchse – Notebook läuft hoch. Blick in die Systemsteuerung: Kein Akku vorhanden, meldet Windows. Der ist aber im Gerät. Also Akku rausnehmen – kritisch anschauen, ob irgendwo eine Folie den Kontakt mit dem Gerät verhindert. Nö.
Folglich ging am Samstag früh eine E-Mail an ASUS raus:
Sehr geehrte Damen und Herren,
das mit "refurbished" gekennzeichnete Gerät ist angekommen (ich nahm an, Sie liefern ein neues). Allerdings ist entweder der Akku defekt oder das Gerät. Jedenfalls gibt das Notebook die Systemmeldung "Kein Akku wurde ermittelt" aus, obwohl er richtig eingelegt und verriegelt ist (und das Gerät über Nacht am Netzteil hing).
Ich würde ungern wieder das Notebook einsenden, da der Austausch ja bereit von Oktober 2009 bis April 2010 gedauert hat.
Wären Sie in der Lage, zunächst einen Austausch-Akku zu schicken? Falls das keinen Erfolg bringt, bleibt mir nichts übrig, als das gerade gelieferte Notebook zur Reparatur einzuschicken.
Freundliche Grüße
G. Matthia
Darauf folgte das übliche ASUS-Schweigen. Am Dienstag dann ein Anruf: Nein, ich solle das Gerät einsenden zur Reparatur. Das geschieht nun heute. Am 21. April.
So setzt sich also die Episode fort, die mit dem Kauf eines defekten Gerätes am 27. September 2009 begann. Ich bin gespannt: Werde ich innerhalb von zwölf Monaten seit dem Erwerb, also vor Ende September 2010, im Besitz eines funktionierenden ASUS-Notebooks sein?

Dienstag, 20. April 2010

Gegrilltes im Sonnenschein

Am vergangenen Sonntag haben wir, angesichts des wolkenlosen und vulkanaschefreien Himmels über Berlin, die Garten-Grillsaison eröffnet. Auf dem Balkon hatten wir schon zwei Wochen zuvor den Gasgrill in Betrieb genommen. Das geht recht einfach.
Im Garten ist, eher als auf dem Balkon, ausreichend Platz, wenn liebe Familienmitglieder anrücken, jedoch ist dort der Umgang mit Holzkohle unvermeidlich, falls man wie Tom Hanks triumphierend in den wolken- und (noch) aschelosen Himmel rufen will: I made fire!
Ich habe Feuer gemacht!
Lecker war’s, was nach einer gewissen Verweildauer über der Glut schließlich auf den Tellern landete. Die Salate und Getränke konnte man ungegrillt genießen. Das beschleunigte den Vorbereitungsvorgang ungemein.
Nun esst, damit es nicht kalt wird!
Max, den regelmäßigen Blogbesuchern kein Unbekannter mehr, hat einen vorzüglichen Vorzug: Er bettelt nicht, wenn die zweibeinigen Rudelmitglieder essen, was auch so bleiben soll. Daher geben die zweibeinigen Rudelmitglieder dem vierbeinigen Rudelmitglied auch nichts vom Tisch ab. Max macht das nichts. Er hat ja anderes, worauf er herumkauen kann:
Mein Ball!
Grillen ist übrigens Männersache. Mir ist nicht bekannt, dass Frauen mit Holzkohle, Brandbeschleuniger, improvisiertem Fächer und Feuerzeug zu hantieren pflegen. Oder kennt jemand eine grillmächtige Dame?
Doch Vorsicht ist geboten, liebe Männer! Neulich schickte mir jemand im Büro dieses Bild zu, wohl ein Hinweis auf Gefahren, denen gerade das starke Geschlecht beim Grillen ausgesetzt sein könnte.
Grillen ist gefährlich!
Ich werde mich in Acht nehmen.

Montag, 19. April 2010

Wer bist du, Jessika? – Teil 5

image Sie neigt sich dem Ende zu, diese Geschichte, unweigerlich. Im ursprünglichen Entwurf der Erzählung (aus dem Jahr 1996) begann die Konfrontation zwischen Bernd und Jessika gleich nach dem Busunglück.
Doch die Leser haben anders abgestimmt. Und ich habe entsprechend überarbeitet. Bin ja ein braver Junge oder so was…

Ach ja, noch schnell der Hinweis für Zufallsgäste: Dies ist die Fortsetzung einer Geschichte. Wer Teil 1 und Teil 2  und Teil 3 und Teil 4 sucht, wird mit Klick auf Teil 1 und Teil 2 und Teil 3 und Teil 4 fündig.
So. Nun aber:
-- -- --  -- -- --  -- -- --
Zwölf Wochen nach Jessikas Erscheinen in seinem Leben liebte Bernd sie immer noch wie am ersten Tag, nein, immer mehr sogar, je vertrauter sie miteinander wurden. Das Feuer der Leidenschaft erwies sich als unauslöschlich. Trotz aller Zweifel und offen gebliebener Fragen. Man gewöhnt sich an Ungewöhnliches, ziemlich schnell sogar, wenn die Begleitumstände angenehmer Natur sind.
Jessika schien jede Einzelheit seines Lebens, jede Angewohnheit, jeden Gedanken zu kennen. Das machte ihm nichts mehr aus, erstaunte ihn noch hin und wieder, sorgte aber nicht mehr für Irritationen oder Bedenken. Bernd genoss sein unerwartetes und unverdientes Wohlergehen, gelegentlich tauchte unbestimmte Angst auf, dass so viel Glück auf keinen Fall andauern konnte. Doch im Augenblick, nach rund der Hälfte seines Lebens, meinte es das Schicksal außergewöhnlich gut mit ihm. Wenn die zweite Hälfte so weiterging, wenn die Liebe, die er bisher nur aus seinen und anderen Büchern gekannt hatte, tatsächlich für ihn Realität bleiben würde, dann war er eindeutig der glücklichste Mensch auf dieser Welt.
Es interessierte ihn nicht mehr, ob Jessika aus dem Weltraum, aus seinem Kopf oder schlicht aus einem Kuhkaff irgendwo in Vorpommern gekommen sein mochte. Was zählte war, dass sie mit ihm das Leben teilte und dass sie ihn liebte wie er sie liebte. Nicht nur körperlich, doch auch und gerade diese Komponente war eine Offenbarung.
Bernd hatte über Sex geschrieben, nicht immer so dezent wie ein alter Film, wo die Kamera ausblendete oder den Blick aus dem Schlafzimmerfenster hinaus auf den Sonnenuntergang führte, bevor das Paar im Bett die Decken von sich streifte oder strampelte. Er hatte sich nie gescheut, auch erotische Fantasien zu Papier zu bringen; wie detailliert das jeweils ausfiel, hing einfach von der Zielgruppe ab, für die er schrieb.
Auguste Rodin: The KissSein eigenes Sexleben war, bis Jessika auftauchte, langweilig. Er hatte keine Partnerin, die Mutter seiner jetzt sechzehnjährigen Tochter lebte seit vierzehn Jahren mit einem anderen Mann zusammen. Bernd hatte Sex nie für etwas gehalten, was für ihn persönlich wichtig oder sogar eine Quelle unendlichen Vergnügens werden konnte. Er hatte seine rechte Hand, every poet masturbates, hatte er einmal in einem Rockkonzert auf dem Riesenmonitor über der Bühne gelesen, und das war die ganze nüchterne Wahrheit. Mit seinen einundvierzig Jahren hatte er auch keine großen Träume oder Ambitionen mehr gehabt, die große Liebe zu finden.
Mit Jessika war alles anders geworden.
Alles.
Anders.
Geworden.
Er wusste als belesener Mensch natürlich, dass Sex gesund und für das allgemeine Wohlbefinden förderlich ist, aber vor Jessikas Erscheinen hatte Bernd keine Ahnung gehabt, in welchem Ausmaß das zutraf. Er erkannte sich selbst kaum wieder. Every poet needs the pain war ein weiterer Satz vom Monitor beim Konzert mit U2 vor vielen Jahren. Wenn das stimmte, war er kein Poet mehr. Jeglicher Schmerz war vergessen, Bernd war einfach nur glücklich und zufrieden.
Und produktiver als je zuvor. Seit Jessika da war, schrieb er phantasievoller und fließender. Er war auch zuvor nicht schlecht gewesen, abgesehen von Gedichten aus Teenagertagen, aber die schrieb vermutlich jeder Pubertierende und jeder schrieb sie gleichermaßen grauenhaft. Seine Geschichten verkauften sich recht gut, seine Bücher erzielten ansehnliche Auflagen. Dahinter steckte sehr viel Mühe und Arbeit, Ringen um die richtigen Worte, Feilen an Formulierungen, Umschreiben oder Verwerfen ganzer Passagen…
Jetzt schrieb er plötzlich leicht und inspiriert, als diktiere ihm eine unhörbare Stimme. Er schrieb manche Nacht durch, Jessika hielt sich im Hintergrund, brachte ein Glas Wein oder Bier genau dann, wenn ihm danach war, leerte hin und wieder den Aschenbecher neben der Tastatur, fragte nichts und unterbrach ihn nicht. Nur manchmal küsste sie ihn auf die Stirn: Kribbeln tief drinnen, irgendwo.
Wenn er nach stundenlangem Arbeiten erzählen wollte, wie weit er war und was er geschrieben hatte, wusste sie es bereits, obwohl sie selten einmal einen Blick über seine Schulter auf den Bildschirm geworfen hatte.
Er hatte nach einer Weile aufgehört, ihr vom Fortschritt der Arbeit erzählen zu wollen, bat sie stattdessen manchmal um einen Kommentar, eine Wertung, Tipps, Hinweise.
Sie hatte gute - nein, sie hatte perfekte Ideen. Kleinigkeiten meist, die jedoch dem Text etwas hinzufügten, was Bernd als genial bezeichnen musste.
Gelegentlich änderten diese Kleinigkeiten die Richtung, die eine Erzählung nahm, waren am Ende ausschlaggebend für den Schluss; und wenn das vorkam, dann war das Ergebnis immer überzeugender und logischer als das, was er zuerst im Kopf oder auf dem Bildschirm gehabt hatte.
»Meine Muse«, nannte er sie dann, »meine Pampelmuse.«
»Willst du jetzt und hier, gleich am Schreibtisch, pampeln?« Zwinkern, erst rechts, dann links.
»Pampeln ist Babysprache.«
»Wir müssen ja nicht sprechen«, gab sie zurück und entledigte ihn seiner Kleidung. Er ließ es gerne geschehen…
Bernd bemerkte nicht, dass Jessika nicht nur seine Arbeit, sondern sein ganzes Leben prägte, mehr und mehr bestimmte. Unmerklich ging die Übernahme vonstatten. Er war immer sehr auf seine Selbstständigkeit bedacht gewesen, und genau darauf nahm Jessika entweder Rücksicht, oder sie machte instinktiv alles richtig. Sie lenkte ihn wie seine Erzählungen, dirigierte seine Gewohnheiten, seinen Tagesablauf, aber stets so, dass es ihm wie seine eigene Wahl vorkam. Jessika brachte ihn dazu, so zu entscheiden, wie sie es wollte.
Manchmal regte sich etwas in ihm. Eines Nachts hatte sie in der Küche hantiert, Bernd saß am Computer und dachte zurück an sein Leben vor Jessika. Wie ein Schatten, der irgendwo im Nebel der Gedanken schlummert, von dem man weiß, dass er irgendwo vorhanden ist, hatte sich etwas bemerkbar machen wollen in seinem Kopf. Aber es war nicht durchgedrungen. Das es-liegt-mir-auf-der-Zunge-gleich-habe-ichs-Gefühl führte nirgendwo hin. Das Etwas war bedrohlich, dunkel, unangenehm. Sehr sehr unangenehm sogar. Bernd wollte es nicht wissen, aber er fürchtete, dass es von entscheidender Bedeutung war. Er musste nachdenken, weil sonst … weil ihm …
Während er noch im Nebel stocherte, kam Jessika mit frisch angemachtem Salat und einer Flasche Rotwein, ihr Lächeln und die willkommene Ablenkung verscheuchten das Gefühl. Bernd dachte wochenlang nicht mehr darüber nach.

In einer Großstadt passiert jeden Tag Schlimmes. Die Menschen sind daran gewöhnt. Sie lesen Meldungen in der Tageszeitung oder sehen Berichte im Regionalprogramm, murmeln vielleicht wie schrecklich oder die armen Menschen, und dann schieben sie sich die nächste Fuhre Kalbsschnitzel in den Mund und spülen mit Bier nach. Oder Pasta mit Rotwein. Oder die Butterstulle und Pfefferminztee.
Ein Handelsvertreter, der von Tür zu Tür seine Reinigungsmittel anbietet, verschwindet spurlos. Niemand weiß, an welcher Tür er zuletzt geklingelt hat.
Ein Bauarbeiter stürzt vom Gerüst, aus dem neunten Stockwerk, er ist sofort tot. Er kann niemandem mehr erzählen, was ihn so erschreckt hat, dass er das Gleichgewicht verlor.
Niemand weiß, ob der zwölfjährige Junge gegen den einfahrenden U-Bahn Zug gesprungen ist oder gestoßen wurde. Viele wissen, dass seine Gehirnmasse auf dem Bahnsteig im Neonlicht funkelte, weil die BILD Zeitung ausführlich darüber berichtet hat, mit Foto natürlich.
Großbrand einer Tankstelle. Zwölf Tote. Keine Zeugen. Kein Bekennerbrief. Aber Spuren von Brandbeschleunigern.
Raubmord in einer Kneipe auf dem Männerklo. Das Opfer ist beim Pinkeln von hinten erstochen worden. Niemand hat gesehen, wer außer dem Opfer die Toilette betreten hat.
All diese Unglücks-und Kriminalfälle aus den Regionalnachrichten waren Bernd unbekannt. Er bekam gar nicht oder nur am Rande mit, was in Berlin an Sex & Crime vor sich ging. Er interessierte sich für die Tagesschau, den Weltspiegel, das Auslandsjournal, aber kaum für lokale Meldungen. Der Berliner Tagesspiegel, den er abonniert hatte, blieb so gut wie immer ungelesen, abgesehen vom Kulturteil und ein paar Schlagzeilen auf der ersten Seite.
Er arbeitete gerade an einer Gute-Nacht-Story für Leute, die schlecht oder gar nicht schlafen wollten. Sein Verlag bereitete einen Auswahlband von Horrorgeschichten vor und Bernd sollte zwei Erzählungen beisteuern. Eine war seit Wochen fertig, es ging um einen Jungen, der im Buddelsand eine Handgranate findet. Die zweite schrieb er gerade. Eine Medizinstudentin, die einmal durch das Examen gefallen war, übte zu Hause eifrig für die Anatomieprüfung, indem sie Menschen aufschnitt und deren Organe untersuchte. Lebendige Menschen, wegen der Frische der Organe. Etwa zwei oder drei Seiten fehlten dem Manuskript noch zum gewünschten Umfang. Bernd beschloss, eine Denkpause einzulegen.
Er setzte sich ins Wohnzimmer und blätterte im Tagesspiegel, um kurz ausspannen, ein paar Minuten weg vom Bildschirm und den Überlegungen zu seiner Geschichte zu sein.
Ermittlungen ergebnislos - Unfallursache bleibt Geheimnis titelte die Zeitung im Lokalteil, den Bernd zufällig aufschlug. Darunter wurde in kurzen Sätzen berichtet, dass die Untersuchungen eines tragischen Unfalls zwischen Linienbus und Tanklastwagen eingestellt worden waren. Vom Fahrtenschreiber war nichts übrig, und Zeugen konnten nichts zur Klärung beisteuern. Der Arzt der Busfahrers konnte lediglich aus seinen Unterlagen ein gesundes Herz und keinerlei Anzeichen für einen drohenden Gehirnschlag oder sonstiger Gefährdungen attestieren. Busfahrer müssen regelmäßig zur Gesundheitsüberprüfung, die letzte war zum Unfallzeitpunkt erst drei Monate her gewesen.
Das Datum des Unfalls war in Klammern angegeben. Bernd starrte auf die Zeitung: »Bei dem Unglück (14. Mai) kamen fünfzehn Menschen ums Leben.«
Ein Kälteschauer überzog Bernds Stirn, dann den Rücken. Am 13. Mai war er beim Zahnarzt gewesen und hatte sich hinterher betrunken wie nie zuvor. Das Datum hatte sich eingeprägt, weil er eine Kurzgeschichte darüber geschrieben hatte. Vollrausch 13-05 hatte er sie genannt.
Am 14. Mai hatte Jessika ihm Aspirin mitgebracht von ihrem Ausflug zum Bierpinsel. Und sie hatte ganz leicht, fast unmerklich, aber eben nur fast, nach verbranntem Gummi, Benzin, Kerosin, was auch immer… sie hatte nach einem unglaublich heißen Feuer, einer Explosion gerochen. Er hatte an ihrem Haar geschnüffelt und gesagt, dass ihn der Geruch an einen abgebrannten Bauernhof erinnerte, den er vor Jahren besichtigt hatte.
Jessika hatte lachend erwidert: »Ich bin eben so heiß auf dich, Bernd, dass man das schon riechen kann. Gleich brenne ich durch!« Kopfschmerz und Übelkeit vergingen dann zügig, nicht nur dank der Tabletten.
Nun starrte er etliche Wochen später auf dieses Datum und fragte sich, ob es einen Zusammenhang gab. Fast wieder riechen konnte er den seltsamen Feuerodem von damals. Das Etwas drängte sich energisch in sein Bewusstsein.
Jessika hat die Familie Aksu umgebracht. 
Eine dumme Vermutung, längst vergessen.
Und der Brandgeruch?
Zufall, was sonst.
Wo war Jessika, als der Fahrstuhl abstürzte? Wo war sie, als die Menschen im Bus verbrannten? Wo war sie, als…
Jessika war auf dem Balkon, goss im Evaskostüm die Pflanzen. Bernd legte die Zeitung weg und ging zu ihr hinaus.
»Kommst du gut voran mit der Medizinstudentin?«, fragte sie, obwohl sie natürlich wusste, ob und wie er vorankam.
»Ja, sehr gut. Der Handelsvertreter ist jetzt im neunten Stockwerk und klingelt an einer Tür, an der kein Namensschild befestigt ist.«
»Wie wäre es, wenn er, bevor er klingelt, kurz innehält, weil er ein Geräusch hört?«
»Warum?«
»Er könnte zum Beispiel das gedämpfte Summen eines elektrischen Küchenmessers hören.«
»Und dann?« Er sah Jessika gespannt an. »Was dann? Macht die Studentin mit dem blutverschmierten Messer in der Hand die Türe auf oder was?«
Jessika lachte fröhlich. »Nein, natürlich nicht. Sie weiß ja nicht, wer draußen steht, ob es ein passendes Opfer ist oder nicht. Es könnte ja der Postbote sein oder ein Bekannter oder eine Nachbarin… irgend jemand, der schnell vermisst wird. Nein, sie ist ja nicht blöd. Immerhin studiert die Medizin, hat einen enormen IQ.«
Bernd nickte. »Okay, sehe ich auch so, aber warum soll er dann das Messer hören?«
»Er könnte es hören und dabei beschleicht ihn eine Vorahnung, ein dunkles, undefinierbares Grauen vor diesem an und für sich ja harmlosen Geräusch. Fast will er weitergehen. Fast. Später, als sie dann das Messer ansetzt, sind seine letzten Gedanken, dass er genau dieses Geräusch schon einmal gehört hat, er weiß bloß nicht wo und wie, weil die Angst und Schmerzen ihn am Denken hindern. Dann, als er stirbt, im letzten Augenblick eben, weiß er es wieder. Das summende Geräusch hat er durch die Tür gehört.«
»Gefällt mir sehr gut. Manche Leute werden zwar sagen, ich hätte ein bisschen meine Jessika-Story kopiert, mit der schnittsüchtigen Hausmeisterin, aber die Idee ist gut.«
»Dann schreib das auf«, sagte Jessika und küsste ihn auf die Stirn. Das Kribbeln, tief drinnen, und bis hinunter ins Rückenmark. Die Bewegung unter der Gürtellinie. Das Leben, wie er es vor Wochen nicht gekannt hatte.
Am übernächsten Abend sah Bernd in den Fernsehnachrichten einen kurzen Bericht über das Auffinden mehrerer zum Teil schon verwesender Leichen, denen bestimmte Organe entnommen worden waren. Fachmännisch, dem Vernehmen nach. Das jüngste Opfer war ein Handelsvertreter, der…
Bernd rannte auf die Toilette und übergab sich ausgiebig. Jessika war noch unterwegs, wo auch immer, und ihm dämmerte, dass es vielleicht besser wäre, sie würde nicht zurückkommen.
-- -- --  -- -- --  -- -- --
Jetzt, liebe Leser, ist es soweit. Was noch fehlt, was noch kommt, ist der Schluss der Geschichte. Und diesbezüglich begebe ich mich nun völlig in die Hände des Publikums, denn ich weiß nicht, was besser ist: Ein toter Bernd oder ein überlebender Bernd.
Ich tendiere… – ach nein, das würde ja einer Beeinflussung gleichkommen.
Also, bitte helft mir:


Aber Hallo! Ist doch klar:
Bernd muss sterben!
Bernd darf leben!
Isch weeeiß et nit!
Auswertung

P.S.: Bild: Auguste Rodin – The Kiss

Sonntag, 18. April 2010

Schön locker bleiben: Wie Gebet funktioniert

Heute ist Sonntag. Mancher betet am Sonntag eher als an anderen Tagen. Dabei gilt: Schön locker bleiben, Gott nicht zutexten:

Wenn ihr mit Gott redet, könnt ihr schön locker bleiben. Nicht so wie die religiösen Spinner, die gerne in den Kirchen oder auf der Straße herumhängen und Showbeten veranstalten, damit sie jeder bewundern kann. Ich sag dazu nur eins: Vergesst es! Da kommt von Gott auch nichts bei rüber!

Wenn du aber mit Gott reden willst, dann hock dich in deine Kellerbude, mach die Türen hinter dir zu und quatsch dich in Ruhe mit ihm aus. Gott ist wie ein richtig guter Papa, der weiß genau, was in dir abgeht, er wird dir helfen können. Laber deine Gebete nicht so daher wie die Leute, die keine Ahnung von Gott haben. Die glauben doch tatsächlich, wenn sie Gott total zutexten, wird er ihnen schon eine Antwort geben. Hey, euer Papa weiß schon immer vorher, worum es euch diesmal geht.

Jetzt mal ein Paradebeispiel, wie ihr beten könnt: »Hey, unser Papa da oben! Darum geht's, dass du und dein Name allein auf dieser Welt ganz groß rauskommen! Du sollst hier das Sagen haben, auf der Erde genauso, wie es da oben im Himmel ja schon immer der Fall war. Hey, versorg uns doch bitte mit allem, was wir heute so zum Leben brauchen!

Und verzeih uns die Sachen, wo wir mal wieder Mist gebaut haben. Wir verzeihen ja auch denen, die bei uns was verbockt haben. Pass auf, damit wir nicht irgendwelchen schlechten Gedanken nachgeben und dir untreu werden und so. Führe uns nicht in Situationen, wo wir Fehler machen könnten. Rette uns, wenn uns das Böse anzeckt! So passt es [Amen]!«

Quelle: Volxbibel Neues Testament, Matthäus 6, 5-14 

Das Alte Testament der Volxbibel, bei dem ich im Impressum schön pseudonymisiert erwähnt werde: Die Volxbibel: Altes Testament Band 1ist erhältlich.
Altes Testament Band 2 - erscheint demnächst- kann man vorbestellen.

Samstag, 17. April 2010

Original und Fälschung

Das geniale Original…

…und die (gut gemachte) Fälschung der »Grünen«:

Freitag, 16. April 2010

Manchmal lohnt sich schnell sein

Ach bin ich froh, dass ich Blockade Billy gleich am ersten Tag der Ankündigung bei Cemetry Dance Publications bestellt habe – so komme ich in den Genuss der ersten Auflage, und nur der liegt eine handsignierte Baseball-Karte bei, die aus dem Jahr 1957 in unsere Zeit gereist ist. Gereist sein soll.

billy

Am Dienstag hat Herr King, und von dessen nächstem Buch ist hier die Rede, bekannt gegeben, dass es über Amazon & Co einstweilen mau aussieht mit dem Buch. Und mein Exemplar geht voraussichtlich schon nächste Woche auf die Reise nach Berlin. Vorfreude ist was Feines!

Falls jemand noch diese Spezialausgabe mit Illustrationen und Baseball-Karte, von der es nur 10.000 Stück geben wird, ergattern möchte, ist wohl Eile geboten: [Cemetry Dance]

Alle anderen müssen, so sie das Buch zu lesen wünschen, bis Ende Mai oder Anfang Juni warten. Dann kommt es in einer »normalen« Aufmachung, ohne Grafiken, ohne durch die Zeit gereiste Baseball-Karte.

Donnerstag, 15. April 2010

Videos vom Transforum 2010

Falls es mal regnen sollte, oder falls auch bei gutem Wetter Interesse besteht, empfehle ich heute den geschätzten Blogbesuchern nachdrücklich und mit Überzeugung ein paar Videomitschnitte vom Transforum 2010, von dem ja auf diesem Blog mehrfach die Rede war. [2. Februar] [25. Februar] [26. Februar] [27. Februar] [3. März] [19. März]
Die Audio-Mitschnitte und etliche Materialien waren schon länger verfügbar, nun sind auch die Videos (von hervorragender Qualität) im Netz. Wenn es regnet, klickt man auf dieses (bei mir nass gewordene) Foto:
trafo
Wenn es nicht regnet, auch.
Besonders empfehlenswert: Der Vortrag von Volker Brecht, Mitautor des Buches Die Welt verändern: Grundfragen einer Theologie der Transformation und – wurde auf diesem Blog schon sehr gelobt – der Vortrag von Harald Sommerfeld, Mitautor des Buches Beziehungsweise leben: Inspirationen zum Leben und Handeln im Einklang mit Gott und Menschen.

Mittwoch, 14. April 2010

IOT-free – Fans von Bob Dylan lächeln glücklich

das-auge-in-japan Fans von Bob Dylan sind hart im Nehmen. Ich meine Fans, nicht gelegentliche Zuhörer. Fans brauchen aber dann ab und zu auch mal etwas, was die Härte mindert.
Bei Expecting Rain fand ich eine IOT-FREE-Compilation der Konzerte in Japan 2010; Herr Dylan war ja kürzlich einen ganzen Monat bei den freundlichen Schlitzaugen mit dem glücklichen Lächeln zu Gast.
IOT-FREE? Wat issn ditte, dachte ich ratlos. Auch andere Mitglieder bei Expecting Rain waren clueless. Einer mutmaßte: Illuminates Of Thanateros?

Weit gefehlt, die Lösung lautet: IOT = Instrument Of Torture = The Keyboard!

Ich bin Bob Dylan Fan, klares Bekenntnis. Seine Schweineorgel geht mir mitunter auf die Nerven, ebenso klares Bekenntnis. Nun nimmt er aber zum Glück gelegentlich Abstand vom Folterinstrument und spielt Gitarre oder Mundharmonika oder gar nichts.
Solche Lieder finden sich in der genannten Zusammenstellung - 100% orgelfrei!

Die Soundqualität ist, da »Hide« aufgenommen hat, in Ordnung. Der Download über Rapidshare ist zwar langwierig und doof, aber immerhin gibt es zwei CDs mit ohne Keyboard als Belohnung. Einstweilen. Die Bootlegs haben es so an sich, nach einer Weile vom Server zu verschwinden, nämlich genau 60 Tage nach dem letzten Download. Also sollte bald zugreifen, wer Interesse hat.

Japan (IOT Free Compilation) 2010
All tracks are Hide recordings (cheers, mucker!) - Track details are included on the files.

CD1
01 Stuck Inside Of Mobile With The Memphis Blues Again
02 Every Grain Of Sand
03 I'll Be Your Baby Tonight
04 My Wife's Home Town
05 This Wheel's On Fire
06 Sugar Baby
07 Make You Feel My Love
08 It Ain't Me, Babe
09 It's All Over Now, Baby Blue
10 Things Have Changed
11 Cold Irons Bound
12 Love Minus Zero/No Limit
13 Can't Wait
[DOWNLOAD CD 1 HIER]

CD2
01 High Water
02 Senor
03 Don't Think Twice, It's All Right
04 John Brown
05 Lay Lady Lay
06 Blind Willie McTell
07 The Man In Me
08 Forgetful Heart
09 Girl Of The North Country
10 Ballad Of Hollis Brown
11 Not Dark Yet
12 Ballad Of A Thin Man
[DOWNLOAD CD 2 HIER]

Zum Entpacken der MP3-Dateien braucht man übrigens ein (natürlich kostenloses) Programm, das mit dem RAR-Format zurechtkommt. Google hilft bei der Suche. Wer zu faul zum guhgeln ist, geht direkt zu 7-Zip.

P.S.: Natürlich gibt es nicht nur kostenlose Musik von Herrn Robert Zimmermann: His Bobness bei Amazon