Mittwoch, 26. Mai 2010

Stress-Test

imageDieses Bild samt dazugehörigem Text hat mir gestern mein Chef per E-Mail zugeschickt. Um 13:05 Uhr. Hier der Text:
Das Bild ist in der Uniklinik Düsseldorf dazu benutzt worden, verschiedene Stress-Niveaus zu testen.
Schauen Sie sich die beiden Delphine, die aus dem Wasser springen, genau an. Sie sind absolut identisch.  Die Forscher haben festgestellt, dass Menschen, die unter Stress stehen, die beiden Delphine verschieden wahrnehmen. Je mehr eine Person unter Stress steht, desto unterschiedlich werden die beiden Delphine wahrgenommen.
Wenn für Sie also das Aussehen der beiden Tiere auf dem Bild sehr unterschiedlich sein sollte, ein guter Rat: Räumen Sie Ihren Schreibtisch schnell auf, gehen Sie nach Hause und ruhen Sie sich mal so richtig aus.
Da ich zwei völlig identische Delphine sah, habe ich fröhlich weiter gearbeitet.
Wie sieht es denn bei meinen geschätzten Blogbesuchern aus? Im Stress oder nicht?

Dienstag, 25. Mai 2010

Some people feel the rain. Others just get wet.

Foto von BobDylan.com Seit gestern ist er nun 69 Jahre alt, der Herr Zimmermann. Und – soweit man hört und liest – kein bisschen müde.

Am 29. Mai kommt er wieder nach Europa, in Athen geht die Tour los, sie führt durch zahlreiche exotische Länder wie die Türkei, Kroatien, Italien, Österreich und schließlich Irland. Um unser schönes Land macht er dieses Mal einen Bogen, der Herr Dylan. Na, wir sind ja auch nicht exotisch.

Zum Trost hier ein paar dylaneske Zitate:

  1. No one is free, even the birds are chained to the sky.
  2. I am against nature. I don't dig nature at all. I think nature is very unnatural.
  3. I accept chaos, I'm not sure whether it accepts me.
  4. All this talk about equality. The only thing people really have in common is that they are all going to die.
  5. This land is your land and this land is my land, sure, but the world is run by those that never listen to music anyway.
  6. You can`t be wise and in love at the same time.
  7. Some people feel the rain. Others just get wet.
  8. Steal what you love and love what you steal.
  9. What good are fans? You can't eat applause for breakfast. You can't sleep with it.
  10. All I can do is be me, whoever that is.

Zum 70sten gibt es hier auf dem Blog – so Gott will und wir leben – einen schönen ausführlichen Heute-wird-His-Bobness-gefeiert-Beitrag. Ich werde mal so langsam anfangen, Material zu sammeln. Sind ja nur noch 364 Tage…

Montag, 24. Mai 2010

Was heißt eigentlich Rippenstoß auf mesopotamisch?

Bluterguss. Tut ganz schön weh. Vor allem hat mir der Tag gestern einen Rippenstoß meiner Frau – und als Andenken daran einen blauen Fleck – eingebracht, der immer noch schmerzt. Es stimmt ja, dass ich den wohl verdient hatte, denn irgendwie war das eine ernsthafte Angelegenheit, und ich konnte mal wieder meine ironische Ader nicht bremsen.
»Sie sind voll von süßem Wein«, sagte ich, und Sekunden später bekam ich den Ellenbogen zu spüren.

»Das gehört sich nicht, wir sind hier nur zu Besuch«, zischte meine Frau mir ins Ohr. »Nimm dich doch ein mal zusammen!«

Wo sie Recht hat, hat sie Recht. Also nicht mit dem ein mal – ich nehme mich oft zusammen! Aber es stimmt schon: Als Gast in einer fremden Stadt sagt man nicht solche frechen Sachen, schon gar nicht laut und öffentlich. Doch den Mann, der dann später zum Wortführer wurde, schien das nicht beleidigt zu haben. Gehört haben musste er mich, denn er ging sogar auf meine Boshaftigkeit ein: »Diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage«, erklärte er. Mir lag ja schon wieder etwas auf der Zunge, in etwa »dann ist das noch der Rausch von gestern Abend?« oder »vielleicht war was im Frühstückstee?«, aber das habe ich heruntergeschluckt. Noch so einen Stoß von meiner Angetrauten wollte ich mir nicht einhandeln.

Aber ich greife vor. Der Mann hat ja erst später geredet. Losgegangen war es mit dem Getöse. Es gab schon gestern vor Ort so allerlei Gerüchte und Gerede. Was wirklich passiert war, wusste natürlich keiner von uns Schaulustigen. Wir waren zusammengeströmt, weil es einen gewaltigen Krach gegeben hatte. So etwas wie ein Brausen, Rauschen, also eigentlich wie bei einem Sturm. Allerdings herrschte gestern ziemliche Windstille, allenfalls ging ein laues Lüftchen durch die Stadt, aber jedenfalls nichts, was so einen Lärm hätte verursachen können. Meine Frau und ich sind in der kleinen Herberge untergebracht, die am Ende der Straße liegt. Also etwa 500 Meter vom Ort des Geschehens. Wir sind bei dem Brausen gleich auf die Straße raus gegangen, das war ohrenbetäubend, es hätte ja was Gefährliches sein können, nicht wahr?

Als wir vor dem Haus ankamen, in dem immer noch ziemlicher Lärm herrschte, allerdings nun von menschlichen Stimmen verursacht, kamen schon die Gestalten aus der Tür, die ich dann – der blaue Fleck wird mich noch eine Weile erinnern – vorlaut als morgendliche Trunkenbolde veräppelt habe. Die benahmen sich aber auch wirklich nicht wie nüchterne Menschen.

Es waren, soweit ich das weiß, nur Einheimische. Alle redeten durcheinander, aber verstehen konnte man so gut wie niemanden. Ich hörte allerdings nach einer Weile einen eher schmächtigen Typen in unserem römischen Dialekt reden. Wir Römer haben da so eine ganz eigenwillige Betonung in unserer Aussprache, die kriegen noch nicht mal unsere Volksgenossen aus der Umgebung hin. Angeblich hört man das sogar durch, wenn wir Aramäisch reden. Jedenfalls erzählte der Mann in unserer Sprache und unserem Dialekt etwas von den großen Taten Gottes, ohne dass ihn jemand danach gefragt hätte.

Meine Frau ist sehr interessiert an Sitten und Gebräuchen, daher reisen wir auch oft und gerne, und sie hat den Schmächtigen, natürlich in unserer Muttersprache, gefragt, was denn eigentlich los wäre, was das vorhin für ein Lärm gewesen sei. Der hat sie groß angeschaut, mit den Schultern gezuckt, verständnislos gelächelt, und es war ziemlich schnell klar, dass er überhaupt kein Wort verstand. Taub war er aber auch nicht. Auf die gleiche Frage in Aramäisch hat er nämlich reagiert. Das war schon recht gespenstisch, wie der dann weiter von Gott erzählte, in unserem Dialekt, ganz flüssig und fehlerfrei, aber offensichtlich nur seine heimatliche Sprache verstehen konnte.

Schließlich wurde das Durcheinanderreden etwas ruhiger, und einer der Leute aus dem Haus hat eine lange Rede gehalten. Der sei mal Fischer gewesen, raunte jemand neben uns. Für einen Fischer, falls das stimmt, hielt er eine recht ansehnliche Ansprache. Er hat erklärt, dass wir Zeugen eines Geschehens wären, das vor ich weiß nicht wie vielen Jahren oder Jahrzehnten – womöglich noch länger – von einem der jüdischen Propheten angekündigt worden sei. Gott habe, sagte der möglicherweise frühere Fischer, seinen Geist ausgegossen, und das sei wohl verantwortlich für den Krach gewesen. So eine Art Flut von oben, daher das gewaltige Rauschen, obwohl dann auch von kleinen Feuerflammen in dem Zimmer die Rede war, was ja nicht so recht zur Flut passt. Zu einem Sturm auch nicht, wenn man es genau überlegt. Anschließend hat er erklärt, dass ein Prediger, der viele Wunder getan haben soll und der vor unserer Ankunft in der Stadt hingerichtet worden war, keineswegs tot sei. »Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dessen sind wir alle Zeugen«, so hat er das formuliert.

Er hat dann gemeint, dass wir uns alle taufen lassen sollten, und dann würden wir den Geist, der da ausgegossen worden sei, ebenfalls empfangen. Dem Aufruf sind gleich gestern so etwa 3.000 Leute gefolgt, habe ich mir sagen lassen. Ich bin da eher etwas zurückhaltend, und ich weiß auch nicht recht, ob ich in einer Sprache reden will, die ich gar nicht verstehe. Wer weiß, was ich da von mir geben würde! Womöglich führt das letztendlich zu noch mehr blauen Flecken, falls meine Frau dann zufällig ausgerechnet meine unverständliche Sprache versteht…

Wir haben uns vorhin überlegt, dass wir ja mal die Versammlung besuchen könnten, die heute am späten Nachmittag stattfinden soll. Im Tempel soll das sein, bei so viel Ansturm gibt es ja auch keinen anderen geeigneten Treffpunkt weit und breit. Wir werden wohl hingehen. Neugierig bin ich schon.

So, das wollte ich Ihnen erzählen, solange ich noch in der Lage bin, meine eigenen Worte zu verstehen. Man weiß ja nicht, wie das hinterher aussehen wird. Vielleicht rede ich heute Abend nur noch mesopotamisch?

Samstag, 22. Mai 2010

Meine Facebook-Mail-Panne

Liebe Leute,

zahlreiche Zuschriften haben mich erreicht. Mancher schreibt vielleicht nicht, sondern wundert sich nur.

Das mit meiner Facebook-Einladung war eine (Anfängerpech) E-Mail-Panne: Ich wollte an eine Handvoll Adressen, bei denen ich wusste, dass die Freunde bereits bei Facebook sind, aus meinem Googlemail-Verzeichnis eine Notiz schicken, dass ich jetzt auch dort zu finden bin – aber dann ging die Mail an ALLE meine Adressen raus. Und auch noch mit dem komischen Text von wegen Bilder - die gibt es gar nicht...

Sorry, damit war womöglich auch Deine / Eure Adresse mit der ungewollten Mail versorgt. Na ja. Kann man nicht ändern, wenn's raus ist, ist es raus. Einfach löschen / ignorieren, falls Ihr nicht sowieso bei Facebook seid. Wenn ja: Dass da keine Fotos von irgendwelchen Zeitgenossen bei mir zu finden sind, sehr ihr ja selbst.

Einstweilen liebe Grüße und allen ein frohes Pfingstfest!

Euer Günter

Wunderliches: Ein ASUS-Notebook, das funktioniert

Regelmäßige Blogbesucher kennen die schier unendliche Geschichte, die mich durch das Jammertal des ASUS-Kundendienstes führte. Anfang Oktober 2009 schickte ich ein defektes Notebook zur Reparatur ein – und nun habe ich tatsächlich seit Mittwoch, dem 19. Mai 2010, ein Ersatzgerät, das (immerhin schon 3 Tage!) zu funktionieren scheint.

Zuletzt gab es noch diese erbauliche Episode auf dem Weg zum Ziel:

  • Das Ersatzgerät war am 14. April mit einem Akku geliefert worden, der nicht aufgeladen werden konnte. Oder einem sonstigen Defekt, der das Laden verhinderte.
  • Ich bat um einen Ersatzakku, um das Gerät nicht erneut einschicken zu müssen. Telefonisch wurde mir gesagt, das ginge nicht, das Gerät müsse ins »Service-Center«.
  • Am 21. April schickte ich das Gerät ein.
  • Am 28. April schlug man mir vor, 172,79 Euro zu bezahlen für einen Akkutausch, weil der keine Garantie mehr habe.
  • Auf meinen gerade noch höflichen Protest hin versicherte man mir, den Akku kostenlos zu tauschen.
  • Eine Woche später fragte ich nach, wie lange solch ein Akkutausch wohl dauern würde. Als Antwort bekam ich zu lesen:  »Guten Tag Herr Matthia, das Gerät befindet sich zur Zeit noch in der Reparatur, der Akku wurde laut den mir vorliegenden Daten bereits getauscht. Leider scheint das Problem dadurch noch nicht zuverlässig behoben zu sein, deswegen möchten wir noch das Mainboard austauschen um alle möglichen Fehlerquellen ausschliessen zu können. Das Mainboard ist zur Zeit leider nicht auf Lager, befindet sich laut den mir vorliegenden Informationen aber kurzfristig im Zulauf. Ich entschuldige mich für Ihre Unannehmlichkeiten und verbleibe…«
  • Ich seufzte zutiefst und schrieb an die ASUS-Herrschaften: »Sehr geehrte Damen und Herren, so langsam wird das zur Posse, was Sie mir zumuten. Was Sie mir geschrieben haben, heißt doch nichts anderes, als dass Ihr »refurbished«-Austauschgerät, das ich im April 2010 als Ersatz für ein Anfang Oktober 2009 eingeschicktes Gerät erhalten habe, mit einem defekten Mainboard (oder sonst einem Defekt) ausgeliefert wurde. Hat ASUS Probleme mit der Modellreihe? Hat ASUS kein Interesse am Kunden? Ist es für ASUS keine Selbstverständlichkeit, Kunden für gutes Geld auch gute Ware zu liefern? Ich würde Ihnen vorschlagen, dass Sie mir einen Scheck über die von mir im Dezember ausgegebenen 699 Euro schicken (die Rechnung hatte ich bereits drei Mal eingeschickt) und die ganze Sache damit aus der Welt schaffen. So langsam dürfte das auch für Sie die preisgünstigere Lösung der Misere sein. Wir würden mit unseren Kunden jedenfalls nicht so umgehen wie ASUS mit uns - dann hätten wir nämlich bald keine Kunden mehr. Freundliche Grüße…«
  • Die Antwort am Dienstag, 18. Mai 2010: Das Gerät sei repariert und auf dem Weg zu mir.
  • Und siehe da: Am nächsten Tag kam das Paket an. Mit neuem Akku und Netzgerät – ob ein Mainboard getauscht wurde, weiß ich nicht und will ich gar nicht wissen…

Immerhin hat es nur sieben Monate seit dem Einsenden eines defekten Notebooks gedauert, bis ich für mein Geld auch einen Gegenwert erhalten habe. Wie viele E-Mails waren notwendig, um dieses schnelle Ergebnis herbeizuführen? Wie viel Geduld? Wie viel Nachsicht? Doch wie schon der Volksmund sagt: Ohne Fleiß kein Preis.

Nun frage ich mich: Soll ich mich für den prompten und schnellen Kundendienst bedanken? Vielleicht warte ich mal ein paar Wochen, ob das Gerät wirklich einwandfrei arbeitet…

P.S.: Wer will, kann die Details hier noch mal nachlesen: [ASUS 1] [ASUS 2] [ASUS 3] [ASUS 4]

Freitag, 21. Mai 2010

Gesichtsbuchtest

gjm-fbNachdem die beste aller Ehefrauen seit geraumer Zeit viel Spaß an ihren Facebook-Aktivitäten hat, und nachdem nicht nur Hinz und Kunz, sondern dem Vernehmen nach die halbe Welt dort zu finden ist, habe ich mich schließlich aufgerafft, einen Versuch zu unternehmen: Taugt das was für mich? Stiehlt es mir nur Zeit? Oder bringt es auch was?

Es wird sich zeigen. So nach und nach. Meine Großmutter pflegte zu sagen: »Probieren geht über studieren.«

Ich probiere. Ich bin sozusagen nun ein temporärer Gesichtsbuchbenutzer. Ein Klick auf das Bild sollte den geschätzten Blogbesucher eigentlich auf mein Facebook-Profil katapultieren, Lust, Zeit und Laune vorausgesetzt natürlich.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Namensgebung

Ein Baby von sxc.hu»Ich bestehe darauf«, zeterte Mandy Müller, »und damit basta!«
Die Standesbeamtin war ratlos. Seit zehn Minuten versuchte sie, der jungen Mutter Vernunft einzureden. Mit Engelszungen, mit energischer Stimme, mit Bitten und mit Drohen. Alles vergebens. Eine Lösung musste jedoch gefunden werden, denn heute, am 17. März 2011, lief die Frist ab. In Deutschland gibt es für alles eine Frist, natürlich auch für die Namensgebung eines Kindes. Vier Wochen nach der Geburt spätestens muss ein Name her, und wenn die Eltern sich nicht einigen, dann entscheidet das Standesamt, ob Vater oder Mutter mit ihrem Wunsch zum Zuge kommen.
Das Problem war allerdings, dass sowohl Mandy Müller als auch Klaus-Peter Müller den gleichen Vornamen für ihre Tochter wollten.
»Nun überlegen Sie doch mal. Wenn Ihr Kind in die Schule kommt...«
»Es ist in Deutschland erlaubt, seine Tochter Paris zu nennen. Oder Agatha. Die Tochter von der Erna, das ist meine Nichte, die heißt April. Womöglich ist sogar Xanthippe erlaubt, das weiß ich jetzt nicht«, meckerte Mandy, »aber wir dürfen uns keinen Namen für unsere Tochter aussuchen?«
»Jawohlja!« ergänzte Klaus-Peter.
»Ich muss sonst von Amts wegen einen Namen eintragen, den ich für angemessen halte«, drohte die Standesbeamtin. Ob das überhaupt zulässig war, wusste sie nicht, aber einen Versuch war es ja wert.
Mandy wurde zornesbleich. »Das wäre ja noch schöner! Klaus-Peter, sag du doch auch mal was!«
»Jawohlja!«
»Denken Sie doch noch mal in Ruhe nach. Denken Sie vor allem an die Hänseleien oder all die Probleme, die Ihre Tochter später im Leben hätte.«
»Wir haben vier Wochen lang nachgedacht.«
»Jawohlja!«
»Und wir bleiben dabei. Unser Mädchen ist immerhin unter Umständen gezeugt worden, die es verdienen, nicht vergessen zu werden. Daher wird sie so heißen.«
»Jawohlja!«
Ermüdet blätterte die Standesbeamtin in ihren Rechtsvorschriften. Vielleicht fand sich ja eine Möglichkeit, die Namensgebung aufzuschieben? Nächste Woche hatte ein Kollege Dienst, sie selbst würde weit weg im Urlaub sein...
»Das war nämlich so«, erklärte Mandy und bekam rote Bäckchen, »wir haben da in der Flughafenhalle übernachtet. Ich wollte schon schlafen, da kam mein Klaus-Peter zu mir unter die Decke gekrabbelt. Also wir lagen ja auf so Isomatten, nicht wahr, und mit braunen Wolldecken vom Roten Kreuz oder so zum Zudecken. Ich sage zu ihm lass das, hier sind doch hundert Menschen, sage ich. Aber mein Klaus-Peter, na ja, der... – also schon ganz in Fahrt oder so, na ja, es war ja auch nur gedämpftes Licht. Jedenfalls haben wir dann wie noch nie zuvor, vielleicht weil es so aufregend war mit den vielen Leuten ringsrum, als täten wir was Verbotenes, dabei sind wir ja schon vier Jahre verheiratet.«
»Jawohlja!«
Die Standesbeamtin fand keinen Paragraphen, der Aufschub gestattet hätte. Verzweifelt betrachtete sie Mandy und Klaus-Peter. Vermutlich brachte ihr diese Sprechstunde eine Rüge ein, aber sie konnte die Geschichte nicht noch einmal zu Ende anhören. Drei Mal hatte sie in den letzten zwanzig Minuten gehört, wie das namenlose Mädchen gezeugt worden war. Nicht noch einmal! Kapitulierend holte sie tief Luft und sagte: »Also gut, wenn Sie...«
Doch Mandy unterbrach ihren Redefluss nicht. »Man konnte sich ja nicht so doll bewegen, die Menschen ringsum schliefen vielleicht, oder auch nicht. Darum hat es länger gedauert als sonst. Ich dachte schon, das wird nichts, der arme Klaus-Peter wird am Ende so schlafen gehen müssen, also mit - ohne - äh - na Sie wissen schon. Das ist doch bestimmt unbequem, als Frau weiß man das ja nicht so genau. Dann kam ein lauter Gong durch die Lautsprecher wegen einer Durchsage oder so, und gleichzeitig war mein Klaus-Peter soweit. Mit dem Gong! Wahnsinn! Unter uns gesagt, wie ein Vulkan, mein Klaus-Peter, beim Gong...«
Die Standesbeamtin griff zu Formular und Stift. Wenn sie auch nur eine einzige weitere Minute zuhören musste, würde sie sich schreiend auf den Boden werfen und in die Auslegeware beißen. Dann schon lieber eine Rüge in den nächsten Tagen und eine Ungültigkeitserklärung der Urkunde von vorgesetzter Stelle. Damit konnte sich dann der Kollege nächste Woche herumärgern.
Sie atmete noch einmal tief durch und schrieb hinter Vorname des Kindes: Eyjafjallajökull.

Mittwoch, 19. Mai 2010

Michael Crichton: Pirate Latitudes

piraten Nach den ersten etwa 20 Seiten war ich ziemlich sicher, dass Michael Crichton dieses Buch so noch nicht veröffentlicht hätte. Es las sich (für mich als Autor zumindest) wie eine Rohfassung, die noch einmal zu überarbeiten man sich vorgenommen hat. Aber genau das machte den Roman für mich dann ganz besonders reizvoll. Manche Nebenhandlung ist angerissen, und hätte er an dem Buch noch arbeiten können, wären Michael Crichton sicher seine typischen Spannungsfäden nach allen Seiten hin gelungen. Auch einige Charaktere hätte er sicher noch ausgefeilt, mit Schattierungen versehen und eingefärbt, falls er die Geschichte nicht sowieso nur für sich, nur zum Spaß geschrieben hat. Wir werden es nicht erfahren, ob das Manuskript für die Veröffentlichung vorgesehen war.

Dieses nach seinem Tod in den persönlichen Unterlagen aufgefundene Werk ist alles andere als ein typischer Crichton. Wer so etwas wie »Jurassic Park« oder »Timeline« erwartet, wird nicht zufrieden sein.
»Pirate Latitudes« ist eine typische klassische Piratengeschichte mit allen Elementen, die normalerweise dazugehören, einschließlich Riesenkrake, Hurrikan auf hoher See, Verrat und List, Kannibalen und Schiffsbruch. Zunächst einfach unterhaltsam, dann nimmt etwa ab der Hälfte die Spannung zu, weil vieles sich völlig anders entwickelt, als der Leser zunächst erwartet. Die Spannung steigt immer mehr, und im letzten Drittel möchte man den Roman nicht mehr aus der Hand legen. Man meint immer wieder, aufatmen zu können, und schon bricht das nächste Verhängnis über unseren Gentleman-Piraten Charles Hunter herein. Meisterhaft fabuliert, wie man es von Michael Crichton erwartet.

Für mich machte gerade die etwas »unfertige« Note dieses Buch zu einem nicht nur spannenden, sondern auch interessanten Lesevergnügen. Ich konnte mir selbst ausmalen, was Crichton aus diesem oder jenem Handlungsstrang oder Hintergrund hätte komponieren wollen - sozusagen ein Blick hinter die Kulissen eines leider viel zu früh verstorbenen großartigen Schriftstellers.

In manchen Kritiken auf Amazon zur deutschen Version las ich, dass der Übersetzer wohl einige Formulierungsfehler eingebaut hat, die im Original nicht vorhanden sind. So soll zu lesen sein, dass ein Schiff »kielgeholt« wird oder dass Segel »angeluvt« werden, und auch dass auf einer nur mit Kakteen bewachsenen Insel Holz für die Mastreparatur gesammelt wird, soll in der deutschen Ausgabe stehen. Wenn das stimmt, dann beweist sich wieder einmal, dass es - ausreichende Sprachkenntnisse vorausgesetzt - so gut wie immer besser ist, das Original zu lesen. Von solchen Fehlern ist nämlich dort nichts zu finden.

Mein Fazit: Spannend, unterhaltsam, gut geschrieben. An der Verfilmung (Spielberg, wer sonst!) wird bereits gearbeitet – aber man sollte unbedingt das Buch lesen, denn diese wunderbar verzwirbelte Geschichte passt nie und nimmer ohne Verluste in 90 oder 120 Minuten Film.

Bestellen kann man zum Beispiel hier bei Amazon:

Dienstag, 18. Mai 2010

Hertha sattelt um

Wenn ich Foto und Schlagzeile der Google-News richtig deute, dann wird Hertha BSC zukünftig nicht mehr Fußball zu spielen versuchen, sondern statt dessen Auto fahren lernen:
Hertha gibt Gas!
Vielleicht ja gar keine schlechte Idee, die Sportart zu wechseln. Die Frage bleibt allerdings unbeantwortet, wer die vielen teuren Autos bezahlt, die man für so eine Mannschaft braucht. Gibt es da schon einen Sponsor? Oder fahren die dann abwechselnd mit einem Fahrzeug? Und ist der blaue Streifen rund um den Rasen im Olympiastadion eigentlich breit genug für solche Eskapaden?
Derweil solche Fragen ungeklärt bleiben, hat die »Süddeutsche« zu berichten, dass eine Fanzüsin freigelissen wurde.
Franzüsin freigelissen!
Vermutlich ist das eigenwillige Deutsch dem andauernden Kater nach der Bayern-ist-Pokalsieger-Feier in der Redaktion geschuldet, denn die sitzt (oder liegt?) nun mal in München.
Dazu passt auch die Suchanfrage bei Google, über die ein Leser oder eine Leserin aus Bayern auf meinem Blog gelandet ist:
Ein Bayer sucht ficen mitt pfred
Allerdings hat der nächtliche Mensch aus München das gesuchte »fraun ficen mitt pfred« hier sicher nicht gefunden. Na ja.

Montag, 17. Mai 2010

Mehr oder breitere Autobahnen, bitte!

Wenn man um 10:30 in Kühlungsborn losfährt und nach Berlin will…

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…und dann auf der Autobahn picknickähnliche Zustände herrschen…

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…und manche Zeitgenossen, weil es bis zur nächsten Raststätte durchaus noch zwei Stunden dauern kann, genötigt sind, ihre Notdurft am Straßenrand zu verrichten…

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…und die Reise erst um 17:30 vor der Haustüre endet – dann wünscht man sich mehr oder breitere Autobahnen. Welcher Partei muss ich denn bei der nächsten Wahl meine Stimme geben, damit das klappt?

Dennoch: Den Kurzurlaub haben wir genossen. Nun kehrt der Alltag wieder ein.