Vorgestern habe ich bei Freunden meinen Hut vergessen, also musste ich angesichts der böhmischen Kälte bei anderen Freunden gestern eine Mütze (lila! mit Männchen drauf!) ausleihen, ein Hut stand nicht zur Verfügung und alle Geschäfte hatten zu (Neujahr, was soll man da machen). Nun ja, hier kennt mich ja niemand, vorsichtshalber habe ich mich mit Sonnenbrille zusätzlich unkenntlich gemacht, und das Bild mit meinem Kumpel Josef Nummer 2, der hierzulande (also in Böhmen) die Leibeigenschaft abgeschafft hat (bravo, Josef!), wird nie jemand zu sehen bekommen. Ich müsste mich ja sonst schämen...
Freitag, 2. Januar 2009
Josef und ich
Vorgestern habe ich bei Freunden meinen Hut vergessen, also musste ich angesichts der böhmischen Kälte bei anderen Freunden gestern eine Mütze (lila! mit Männchen drauf!) ausleihen, ein Hut stand nicht zur Verfügung und alle Geschäfte hatten zu (Neujahr, was soll man da machen). Nun ja, hier kennt mich ja niemand, vorsichtshalber habe ich mich mit Sonnenbrille zusätzlich unkenntlich gemacht, und das Bild mit meinem Kumpel Josef Nummer 2, der hierzulande (also in Böhmen) die Leibeigenschaft abgeschafft hat (bravo, Josef!), wird nie jemand zu sehen bekommen. Ich müsste mich ja sonst schämen...
Donnerstag, 1. Januar 2009
Ehrengäste
Wunderschön. Wir saßen in der ersten Reihe mit direktem Blickkontakt zu den Musikern beim Neujahrskonzert in der Philharmonie in Budweis.
Der Solist, Svatopluk Sem, kam während eines Beitrages, der Arie des Figaro von Giacchino Rossini, von der Bühne zu uns herab, um der besten aller Ehefrauen mit einem Handkuss zu versichern, dass sie la bella signorina sei. Dann gab er mir charmant die Hand und pries mich als ihren ehrenwerten cavlier. Tat es und begab sich wieder auf die Bühne, wo so ein Sänger ja eigentlich auch hingehört. Nun gut, abgesehen von diesem etwas peinlichen Moment, wo tausende Augen auf uns gerichtet waren, haben wir die Musik der südböhmischen Philharmonie ungerstört genossen. Mozart, Rossini, Dvorak, Strauss und Lehar hauptsächlich.
Da Kameras verboten waren, müssen meine geneigten Leser (so wie auch wir selbst) mit einer Ablichtung der Eintrittskarten, des Programms und der vom Direktor der Philharmonie persönlich unterzeichneten Grußkarten zum neuen Jahr vorlieb nehmen:
Nun sind wir wieder im Hotel und die Musik klingt noch in der Seele nach. Klassische Musik ist und bleibt etwas sehr wohltuendes.
Morgen gibt es hier ein peinliches Bild von mir. Pssst! Nicht weitersagen! Das soll keiner sehen! Günter Jott mit Strickmütze... - da hört sich doch alles auf.
Gute Nacht!
2009
Beim Spaziergang in der Abenddämmerung in Pisek (49 Kilometer von hier - hier ist immer noch Budweis) kam mir dieses Motiv vor die Linse. Es erinnert mich daran, dass auch 2009 gilt: Der Löwe von Juda hat die alte Schlange längst besiegt!
Ich wünsche allen meinen Lesern von Herzen, dass sie das im Jahr 2009 häufig erleben werden.
Mittwoch, 31. Dezember 2008
Wenn...
...heute der 31. März 2009 wäre, könnte ich morgen ins Konzert gehen. Ist aber nicht. Also muss ich noch warten. Schade eigentlich.
Dienstag, 30. Dezember 2008
Eher für kleine Pferdekutschen
Unser Hotel liegt in einer Fußgängerzone, daher muss das Auto in den Hof. Nun ist unser Ford Windstar nicht unbedingt das kompakteste Gefährt der Welt, aber mit Geduld, eingeklappten Spiegeln und Augenmaß passt er denn doch durch die Einfahrt, die Ende des 16. Jahrhunderts für kleine Pferdekutschen konstruiert wurde.
Gut, dass es nicht notwendig ist, das Gefährt durch die Altstadtgassen zu manövrieren, das wäre wohl denn doch etwas arg schwierig, man denke nur an möglichen Gegenverkehr...
Ansonsten genießen wir nach wie vor die Ruhe, die nur durch zwei bis drei Stunden Arbeit täglich für die beste aller Ehefrauen unterbrochen wird (ein größeres Projekt muss natürlich trotz Urlaub fertig werden, der Kunde ist König).
Meine Wenigkeit arbeitet derweil, da Notebook und Eee mitkommen durften, an den letzten Feinheiten eines Manuskriptes (die Buchversion der Serie über den 1. Korintherbrief), das womöglich und hoffentlich dann im Frühjahr in den Druck geht. Einen Verlag suche ich allerdings noch...
Aber überwiegend können wir entspannen, bummeln, genießen. Zwar ist der Schnee auch hier nicht anzutreffen, aber es ist winterlich kalt bei blauem Himmel und viel Sonne.
Siegfried Lenz: Schweigeminute
Wir haben Siegfried Lenz für ein poetisches Buch zu danken. Vielleicht ist es sein schönstes.Dieser Satz von Marcel Reich-Ranicki im Feuilleton der F.A.Z. veranlasste mich, das Buch auf meine Wunschliste zu setzten. Der Weihnachtsmann hatte ein Einsehen und ich fand es am 24. Dezember fein verpackt neben dem Christbaum.
Die Schweigeminute zum Andenken der jüngst verstorbenen Stella Petersen füllt 128 Seiten. Keine davon ist zu viel. Fast hätte ich gesagt, das Buch dürfe ruhig länger sein, aber nein. Es ist richtig so, wie es ist. Ein Roman wäre zu viel gewesen, als Novelle passt der Stoff perfekt. Als ich mit der Lektüre fertig war, empfahl ich sie der besten aller Ehefrauen mit dem Hinweis: Schön traurig. Wunder- wunderschön traurig.
Tot ist eine Englischlehrerin, das weiß der Leser sofort, Stella war voller Lebensfreude, liebte ihren Beruf und - nun ja. Beschrieben wird die Schweigeminute von ihrem Schüler Christian, und der hat diese Lehrerin geliebt. Das geht natürlich nicht. Oder doch?
Siegfried Lenz gelingt es durch einen sprachlichen Trick ganz ausgezeichnet, die Zerrissenheit der Beziehung zu vermitteln. Er wechselt beim Erzählen zwischen der zweite und dritten Person Singular, mitten im Satz, zwischen zwei Sätzen... - ein Kunstgriff, um den man Lenz beneiden muss:
Wir lagen nebeneinander, nur mit Badeanzügen bekleidet, ich streichelte deinen Rücken. Ich wollte wissen, warum sie am Wettschwimmen nicht teilnehmen wollte...Du und sie - es ist immer Stella. Überhaupt ist die Sprache in dieser Novelle sehr reichhaltig und von bester Qualität, ganz dem Thema gewidmet: Es ist ein Buch vom Erwachsenwerden, ein Buch über die Liebe, die nicht sein darf und doch ist. Eine großartige Novelle.
Mein Fazit: Wieder einmal hatte Marcel Reich-Ranicki recht. Wir haben für dieses Buch zu danken. Ob es das schönste Buch von Siegfried Lenz ist, vermag ich nicht zu sagen, da ich längst nicht alle gelesen habe. Aber es ist eine unbedingt lohnende Lektüre.
Sonntag, 28. Dezember 2008
Abendstimmung
Nur rund fünf und eine halbe Stunden von Berlin entfernt genossen wir einen abendlichen Spaziergang durch eine schier mittelalterlich anmutende, noch weihnachtlich geschmückte Stadt. Budweis ist und bleibt ein Juwel, das ich erstmals im Winter besuche.
Beim Gang durch die kleinen Gassen der Altstadt meinten wir, dass uns eigentlich jeden Augenblick ein Nachtwächter mit Petroleumlampe entgegenkommen müsste. Kam aber nicht.
Nun sind wir wieder in unserem im späten 16. Jahrhundert gebauten (aber zwischenzeitlich modernisierten) Hotel. Ein Paar Stunden lang auf dem Bett ausgestreckt in Bücher (Paul Auster / Barack Obama / Sigfried Lenz) vertieft... ein Gläschen Wein zur Hand...
Urlaub tut gut! Gute Nacht, liebe Welt!
Ich bin dann mal dort...
Samstag, 27. Dezember 2008
Der Zwiespalt
Es gilt, Tomaten mit Äpfeln zu vergleichen. Ein ganz und gar törichtes Unterfangen, ich weiß. Man findet sich unversehens in einem Zwiespalt wieder. Doch wenn der Apfel vorgibt, anhand einer Tomate geschaffen worden zu sein, ist der Vergleich fast unumgänglich. Wir waren gestern im Lichtspielhaus und haben uns die aktuelle Verfilmung des Romans Buddenbrooks angesehen. Wenn man das Buch von Thomas Mann wie ich mehrmals und mit Begeisterung gelesen hat, dann ist die Enttäuschung auch bei der bestmöglichen Verfilmung so gut wie unumgänglich, es sei denn, man ist sich vorher schon darüber im klaren, dass ein Apfel keine Tomate sein kann. Und umgekehrt.
Ich war vorgewarnt, unter anderem durch das Feuilleton der F.A.Z., dass das Unumgängliche auch bei dieser Literaturverfilmung wirklich eintritt: Es fehlen Szenen, es fehlen Protagonisten, es wurde weggelassen und hinzuerfunden. Ein Film ist eben ein Film und ein Buch ist eben ein Buch. Das geht gar nicht anders. Es herrschen ganz unterschiedliche Gesetze in den beiden Medien, und davon einmal abgesehen - wer könnte jemals einen 650 Seiten starken Roman verlustfrei in drei Kinostunden quetschen? Niemand.
Ich habe also keine tatsächliche Wiedergabe eines Romans erwartet beim Betreten des Filmtheaters - und wurde angenehm überrascht. Der Film vermag es durchaus, die Stimmung zu erzeugen, die Thomas Mann heraufbeschworen hat. Von den Kulissen bis zu den Darstellern fügt sich alles zu einem schlüssigen Portrait einer Epoche zusammen. Ohne Makel, ohne Abstriche. Eine Glanzleistung, ein heutzutage leider selten gewordenes Vergnügen.
Aber.
Leider leider gibt es ein Aber. Der Film wurde vor allem nach der Pause denn doch etwas eilig, um nicht zu sagen hektisch. Es gab noch einige Todesfälle darzustellen, und die Zeit schien dem Regisseur davonzulaufen. So wurde quasi Schlag auf Schlag gestorben, wobei die in der ersten Hälfte betörende Stimmung zumindest für mich ein wenig litt. Hannos Sterben nimmt im Roman immerhin ein ganzes Kapitel in Anspruch, in dem Thomas Mann sehr anschaulich darstellt, wie das Kind zu Tode kommt:
Mit dem Typhus ist es folgendermaßen bestellt: Der Mensch fühlt eine seelische Mißstimmung, die sich rasch vertieft und zu einer hinfälligen Verzweiflung wird. Zu gleicher Zeit bemächtigt sich seiner eine physische Mattigkeit, die sich nicht allein auf Muskeln und Sehnen, sondern auch auf die Funktionen aller inneren Organe erstrecke, und nicht zuletzt auf die des Magens, der die Aufnahme von Speise mit Widerwillen verweigert...
beginnt die Schilderung im Buch. Im Film stellt der Arzt am Sterbebett fest, dass gegen Typhus kein Kraut gewachsen sei.Es bleibt dem Film einfach keine Zeit, trotz der weggelassenen Personen und Begebenheiten, den Tod des letzten Buddenbrook in Ruhe zu betrachten.
Und da sind wir wieder bei den Äpfeln und den Tomaten. Die Sprache, die den Roman Buddenbrooks so unvergleichlich und unerreicht macht, findet sich im Film Buddenbrooks so gut wie gar nicht wieder. Leider auch kaum je in den Dialogen, vielleicht hielt der Drehbuchautor die Zuschauer heutzutage für nicht mehr in der Lage, einem Satz mit mehr als zwei Satzteilen zu folgen?
Dafür hat der Film eine Magie der Bilder und der Kameraführung, die auf ganz eigene Weise das Dargestellte lebendig werden lässt. Das eine ist so einzigartig und gut wie das andere, so wie Tomaten nie die Äpfel ersetzen können und umgekehrt. Es mag lediglich eine Frage der persönlichen Vorlieben sein, wo man die Präferenzen setzt.
Mein Fazit nach dem Besuch im Kino: Unbedingt sehenswert, ein ganz und gar überzeugender Film, dem man höchstens gegen Ende etwas mehr Ruhe gönnen würde. Ein wunderbares Stimmungsbild mit tragischen, komischen und allen anderen Elementen, die einen Film sehenswert machen. Stimmige Charaktere, eine interessanter Geschichte, wunderbare Darsteller. Man spürt an jedem Detail, dass die Beteiligten ihre Aufgabe ernst genommen und alle Sorgfalt darauf verwendet haben, einen herausragdenden Film zu schaffen. Das ist gelungen. Dieser Film wird einer von den wenigen sein, die auch in 10 oder 20 Jahren noch sehenswert sind.
Aber natürlich ist dieser Film nicht der Roman von Thomas Mann. Das kann er nicht sein und das wird auch nie irgend eine Verfilmung erreichen. Eine Tomate ist eben kein Apfel. Und es wäre doch ausgesprochen töricht, die beiden miteinander zu vergleichen. Aus dem Zwiespalt wäre ein Entrinnen undenkbar...
Donnerstag, 25. Dezember 2008
Nicht nur zur Weihnachtszeit
Es gibt zahlreiche Organisationen und Projekte, die Not lindern. Eine davon ist »JAM - Joint Aid Management«, und deren Ansatz der Leistung ist, meine ich, richtig: Nahrung und Bildung.
Dass in unserer Zeit überhaupt noch Menschen verhungern, ist eine Schande für die Menschheit, und dieses Projekt gibt Kindern zunächst einmal etwas zu essen. Aber Bildung ist genauso wichtig, denn nur wer etwas lernt, kann später dazu beitragen, dass sich die Situation seiner Gesellschaft, seines Landes grundlegend ändert.
Hier gibt es weitere Informationen über die Arbeit von »JAM«: Kurzfilm zur Weihnachtsaktion