Samstag, 6. Februar 2010

Die Schweinegrippepleite

Die verantwortliche (?) GesundheitssenatorinDie Presse berichtet wieder einmal, wie weltfremd unsere regierenden Politiker in Berlin (sicher auch andernorts) sind. Oder war das nicht weltfremd, sondern einfach nur doof? Oder kann jemand, der zur SED – pardon zur PDS – ach nee, die haben ja mehrfach umtapeziert und heißen jetzt Die Linke – jedenfalls kann jemand aus dieser Partei womöglich gar nicht verantwortlich regieren? Egal. Zurück zur Pleite:
In Berlin sind Impfdosen des Schweinegrippe-Mittels Pandemrix im Wert von 90.000 Euro abgelaufen. ... Ursprünglich sollte Berlin zwei Millionen Impfdosen bekommen. Das Land verhandelte erneut mit dem Hersteller und soll nun nur die Hälfte der gelieferten Dosen abnehmen. Dennoch bleibt Berlin auf einem Großteil des bestellten Vorrats sitzen. Wird das Serum nicht gespritzt, entstehen dem Land Kosten in Höhe von etwa 13 Millionen Euro. Quelle: Berliner Morgenpost
13 Millionen Euro mal eben so zum Fenster hinaus geworfen - weil die ganze Panik-Kampagne mit der sogenannten Schweinegrippe an der Zielgruppe (die dämlichen Bürger wollen sich einfach nicht impfen lassen) vorbei in die Hose gegangen ist. Vielleicht sollten die Verantwortlichen mal verantwortlich gemacht werden und zumindest einen Teil der Kosten aus eigenen Taschen bezahlen? Dann heuern sie vielleicht bei der nächsten Gelegenheit eine professionelle Werbeagentur an, wenn wieder mal die Pharmaindustrie ein schnelles Milliardengeschäft braucht.

Ein paar Ideen:

  • be stupid - be geimpft - be Berlin!
  • Kuno sprach zu Kunigunde: Impfen ist in aller Munde!
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  • Komm in die Impfcommunity! Jetzt kostenlos registrieren!
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  • Deutschland sucht den Superimpfling
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Oder so ähnlich.

Freitag, 5. Februar 2010

Von den Gefahren des Lesens

image Zur Zeit bin ich damit beschäftigt, ein Buch exklusiv für den Amazon Kindle vorzubereiten. Behuflich dieses Vorhabens stöbere ich auch durch die Texte und Fragmente und Entwürfe, die sich im Lauf der Jahre auf den Festplatten angesammelt haben.

Dabei fand ich unter anderem diesen »Waschzettel«, den ich im Juli 1995 (dem Dateidatum nach) für einen Roman entworfen habe.

Produktinformation

Vor Gebrauch des Buches aufmerksam lesen.

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Bibliothekar oder Seelsorger

„Daß übrigens die Romane trotz aller Vorzüge auch ihre Mängel haben, hätte Roberto wissen müssen. Wie die Medizin auch die Lehre der Gifte umfaßt, wie die Metaphysik mit unangebrachten Subtilitäten die Dogmen der Religion verwirrt, wie die Ethik die Großartigkeit befördert (die nicht jedem guttut), die Astrologie den Aberglauben begünstigt, die Optik täuscht, die Musik das Liebesbegehren anstachelt, die Geometrie das ungerechte Herrschen ermuntert und die Mathematik den Geiz - so öffnet die Kunst des Romans, obwohl sie uns warnt, daß sie uns Fiktion vorsetzt, eine Tür im Palast der Absurdität, die sich, hat man sie einmal leichtsinnigerweise durchschritten, hinter uns schließt.“

Umberto Eco in „Die Insel des vorigen Tages“, Fettdruck und Unterstreichung von mir.

Umberto hat recht!

Don’t say, I didn’t warn you!

G. Matthia

Ich fand aber auch einiges, was für das Projekt verwendbar ist. Unter anderem eine Erzählung über die berüchtigte Jessika (aus meinem Buch Gänsehaut und Übelkeit) – einige Jahre später in ihrem Leben. Sie ist keineswegs weniger gefährlich, die Jessika. Böse, böse Jessika!

Mich deucht im Übrigen, dass Umberto Eco wirklich mit dem obigen Zitat den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Oder etwa nicht?

Mittwoch, 3. Februar 2010

Wollt ihr einen Blondinenwitz hören?

Ein alter, vor einer Weile erblindeter Lastwagenfahrer gerät zufällig in die Bar eines nur für Frauen zugänglichen Motorradvereins. Die Damen lassen ihn gewähren, weil er ja das Schild am Eingang nicht sehen kann. Er ertastet den Weg an die Theke und bestellt ein Bier.
Nach dem ersten durstigen Schluck ruft er: »Hey, wollt ihr einen Blondinenwitz hören?«
Es wird totenstill in der Bar. Die Frau, die neben ihm am Tresen sitzt, sagt mit rauchig-tiefer Stimme: »Bevor du den Witz erzählst, solltest du vielleicht ein paar Kleinigkeiten zur Kenntnis nehmen. Da du blind bist, halte ich es für fair, dich zu informieren. Fünf Tatsachen musst du wissen:
1. Hinter der Bar bedient dich ein blondes Mädchen mit einer Baseball-Mütze.
2. Die Rausschmeißerin ist blond.
3. Ich selbst bin 1,82 Meter groß, wiege 82 Kilogramm, habe einen schwarzen Gürtel in Karate und bin blond.
4. Neben mir sitzt eine blonde Landessiegerin im Gewichtsheben.
5. Rechts von dir sitzt eine Blondine, die ihr Geld mit Wrestling verdient.
Also, mein lieber Blinder, willst du den Blondinenwitz immer noch erzählen?«
Der Mann denkt einen Moment nach und murmelt dann: »Nein... - nicht, wenn ich ihn fünf mal erklären muss.«

Dienstag, 2. Februar 2010

Transforum 2010

Hoffnung wecken statt Resignation, Chancen entdecken statt Probleme zu fixieren

Alle zwei Jahre gibt es in Berlin eine »Transforum«-Tagung. Die beiden letzten habe ich in guter Erinnerung, ich verdanke ihnen etliche wertvolle und bleibende Impulse.
Am 26. und 27. Februar werde ich auch dieses Jahr dabei sein, ich freue mich schon auf interessante Arbeitsgruppen (neudeutsch leider »Workshops« genannt), Seminare und Vorträge sowie Zusammenkünfte im Plenum. 
Ich habe unter anderem einen Moschee-Besuch vorgemerkt - wann hat man schon mal die Gelegenheit, die Besonderheiten des Sufi-Islam aus der Türkei kennen zu lernen und durch eine Moschee geführt zu werden? Ich hoffe, dass die Gruppe noch nicht voll war, als ich mich angemeldet habe...
Doch auch sonst bietet das Programm vielfältige Themen, die sicher auch für den einen oder die andere unter den Blogbesuchern interessant sein könnten.
Ach ja, und für Theologen gibt es am 25. Februar wieder einen Theologentag - vermutlich ist das auch gut so.

Alle Informationen und Anmeldemöglichkeit gibt es hier: Transforum 2010 - Von der Freude, der Stadt zu dienen - Gesellschaftliche Umbrüche als Chance für christliches Engagement

Montag, 1. Februar 2010

Neues E-Book: Zurück nach Korinth?

Gestern ist meine Auseinandersetzung mit dem 1. Korintherbrief und unserer heutigen Situation als Gemeinde erschienen, und zwar als kostenloses E-Book.
Verfügbar in den Formaten EPUB, Mobipocket, Kindle und PDF.
Kurzbeschreibung: Die beiden uns erhaltenen Briefe des Apostel Paulus an die Gläubigen in Korinth sind, wie seine anderen Schriften, alles andere als nüchtern, abgeklärt oder langweilig. Sie sind vielmehr provokativ, spannend, leidenschaftlich und manchmal ganz schön kontrovers, wie wir am Beispiel des ersten Korintherbriefes sehen werden – vorausgesetzt der geschätzte Leser folgt mir durch diese Seiten.
Die Frage lautet: Sind wir womöglich genau in dem Zustand, den Paulus bezüglich der Gemeinde in Korinth beschrieb?

Ob irgendwann eine gedruckte Version folgt, ist noch offen.

Eine Leseprobe gibt es hier: Zurück nach Korinth - die Vorrede
Hier geht es zum Download: Günter J. Matthia: Zurück nach Korinth?

Sonntag, 31. Januar 2010

Gastbeitrag Franz Kafka: Der Mord

image Es ist erwiesen, daß der Mord auf folgende Weise erfolgte:

Schmar, der Mörder, stellte sich gegen neun Uhr abends in der mondklaren Nacht an jener Straßenecke auf, wo Wese, das Opfer, aus der Gasse, in welcher sein Bureau lag, in jene Gasse einbiegen mußte, in der er wohnte. Kalte, jeden durchschauernde Nachtluft. Aber Schmar hatte nur ein dünnes blaues Kleid angezogen, das Röckchen war überdies aufgeknöpft. Er fühlte keine Kälte, auch war er immerfort in Bewegung. Seine Mordwaffe, halb Bajonett, halb Küchenmesser, hielt er ganz bloßgelegt immer fest im Griff. Betrachtete es gegen das Mondlicht; die Schneide blitzte auf; vielleicht nicht genug für Schmar; er hieb mit ihr gegen die Backsteine des Pflasters, daß es einen Funken gab; bereute es vielleicht; und um den Schaden gutzumachen, strich er mit der Schneide violinbogenartig über seine Stiefelsohle, während er, auf einem Bein stehend, vorgebeugt, gleichzeitig dem Klang des Messers an seinem Stiefel, gleichzeitig in die schicksalsvolle Seitengasse lauschte. Warum duldete das alles der Private Pallas, der in der Nähe aus seinem Fenster im zweiten Stockwerk das alles beobachtete? Ergründe die Menschennatur! Mit hochgeschlagenem Kragen, den Schlafrock um den weiten Leib gegürtet, kopfschüttelnd blickte er hinab. Und fünf Häuser weiter, ihm schräg gegenüber, sah Frau Wese, den Fuchspelz über ihrem Nachthemd, nach ihrem Manne aus, der heute ungewöhnlich lange zögerte. Endlich ertönt die Türglocke vor Weses Bureau, zu laut für eine Türglocke, über die Stadt hin zum Himmel auf, und Wese, der fleißige Nachtarbeiter, tritt, in dieser Gasse noch unsichtbar, nur durch das Glockenzeichen angekündigt, aus dem Haus; gleich zählt das Pflaster seine ruhigen Schritte. Pallas beugt sich weit hervor, er darf nichts versäumen; Frau Wese schließt, beruhigt durch die Glocke, klirrend das Fenster. Schmar aber kniet nieder; da er augenblicklich keine anderen Blößen hat, drückt er nur Gesicht und Hände gegen die Steine: wo alles friert, glüht Schmar. Gerade an der Grenze, welche die Gassen scheidet, bleibt Wese stehn, nur mit dem Stock stützt er sich in die jenseitige Gasse. Eine Laune. Der Nachthimmel hat ihn angelockt, das Dunkelblaue und das Goldene. Unwissend blickt er es an, unwissend streicht er das Haar unter dem gelüpften Hut; nichts rückt dort oben zu Buchstaben zusammen, um ihm die allernächste Zukunft anzuzeigen; alles bleibt an seinem unsinnigen, unerforschlichen Platz. An und für sich sehr vernünftig, daß Wese weitergeht, aber er geht ins Messer des Schmar. »Wese!« schreit Schmar, auf den Fußspitzen stehend, den Arm aufgereckt, das Messer mit der Spitze scharf gesenkt: »Wese! Vergebens wartet Julia!« Und rechts in den Hals und links in den Hals und drittens tief in den Bauch sticht Schmar. Wasserratten, aufgeschlitzt, geben einen ähnlichen Laut von sich wie Wese. »Getan,« sagt Schmar und wirft das Messer, den überflüssigen, blutigen Ballast, gegen die nächste Hausfront. »Seligkeit des Mordes; Erleichterung, Beflügelung durch das Fließen des fremden Blutes! Wese, alter Nachtschatten, Freund, Bierbankgenosse, versickerst im dunklen Straßengrund. Warum bist du nicht einfach eine mit Blut gefüllte Blase, daß ich mich auf dich setzte und du verschwändest ganz und gar? Nicht alles wird erfüllt, nicht alle Blütenträume reiften, dein schwerer Rest liegt hier, schon unzugänglich jedem Tritt. Was soll die stumme Frage, die du damit stellst?« Pallas, alles Gift durcheinanderwürgend in seinem Leib, steht in seiner zweiflügelig aufspringenden Haustür. »Schmar! Schmar! Alles bemerkt, nichts übersehn.« Pallas und Schmar prüfen einander. Pallas befriedigt's, Schmar kommt zu keinem Ende. Frau Wese, Volk zu ihren beiden Seiten, eilt mit vor Schrecken ganz gealtertem Gesicht herbei. Der Pelz öffnet sich, sie stürzt über Wese, der nachthemdbekleidete Körper gehört ihm, der über dem Ehepaar sich wie der Rasen eines Grabes schließende Pelz gehört der Menge. Schmar, mit Mühe die letzte Übelkeit verbeißend, den Mund an die Schulter des Schutzmanns gedrückt, der leichtfüßig ihn davonführt.

Quelle: Projekt Gutenberg

Freitag, 29. Januar 2010

The Catcher in the Rye




Jerome David Salinger litt unter dem Ruhm, den ihm sein Roman einbrachte. Seit 1965 hat er nichts mehr veröffentlicht, lebte zurückgezogen.
The Catcher in the Rye wurde in einigen angelsächsischen Ländern zunächst verboten – das Buch enthält 255 mal den Ausdruck »goddam« sowie 44 »fuck«. Das jedoch macht noch keine gute Erzählung aus, ist kein Qualitätsmerkmal. Es ist aber einem guten Buch auch nicht hinderlich, wie dieser große Roman bewiesen hat.
Darüber zu schreiben, halte ich für müßig. Man muss The Catcher in the Rye nur lesen, um den Zauber zu entdecken, dem sich wohl niemand entziehen kann.
Wie zufrieden Salinger mit seinem zurückgezogenen Leben war, weiß ich nicht. Gestern wurde bekannt, dass er im Alter von 91 Jahren in seinem Haus verstorben ist. Er hat die Welt und mich mit einem wunderbaren Roman beschenkt (seine Kurzgeschichten muss ich demnächst noch lesen) - dafür sei ihm posthum gedankt.
Rest in peace, Mr. Salinger.

Donnerstag, 28. Januar 2010

Ich weiß,

dass so manche meiner treuen und untreuen Blogbesucher auf neuen Lesestoff warten. Jedoch gilt: Zuerst die Arbeit, dann das Bloggen. Erstere erlaubt gegenwärtig kein allzu kreatives Letzteres.

Immerhin kann ich vermelden, dass unsere Hertha (=die Guten) gegen Bochum (=die Bösen) gewinnen wird. Das habe ich aus gut unterrichteter Quelle heute erfahren.
Ob sich das Ergebnis meines bisher einzigen Stadionbesuches wiederholen wird, vermag ich nicht zu sagen, aber fest steht: Die Berliner werden die Bochumer sozusagen niedermähen.

Ich kann auch noch vermelden, dass es sich nicht empfiehlt, mich bei leerer Batterie im eigenen Fahrzeug um Starthilfe (englisch jump start) zu bitten, seit ich das neue Auto habe. Die Folgen wären eher unangenehm, wie dieser Tatsachenbericht mit einem baugleichen Dodge Nitro zeigt:



Alles klar? Na klar!

Dienstag, 26. Januar 2010

Mädchen erschossen?



Ja ja, Online-Redakteure und das Sprachvermögen... - ein endloses Glücksspiel. Das Mädchen wurde erschossen, nachdem* offenbar der Angriff** des Wildschweins nicht zum Ziel geführt hat.

Womöglich wurde aber auch das Kaufhaus erschossen - falls so was geht.

Oder wie? Oder was?

*vermutlich ist mit dem Wort »Darufhin« ja »Daraufhin« gemeint.
** vermutlich ist mit dem Wort »attakiert« ja »attackiert« gemeint.