Samstag, 13. Oktober 2007

Mega-Kirchen - Hausgemeinden - Solochristen

Neulich habe ich in einem Artikel angemerkt, dass ich Hauskirchen / Hausgemeinden für das Zukuftsmodell halte. Ich bin aber in einer Gemeinde Mitglied, die in kein Wohnzimmer passen würde. Trotzdem treffe ich mich (siehe Foto) wöchentlich mit anderen in einem Wohnzimmer, aber das nennt sich dann Hauskreis, nicht Hauskirche oder -gemeinde und ist eine Ergänzung zum Gottesdienst in der großen, unpersönlichen und unüberschaubaren Gruppe am Sonntag.

Ob nun der Begriff "Kirche" oder "Gemeinde" gewählt wird, es gibt sehr unterschiedliche Größen. Ich meine mit der Frage unten natürlich die lokale Gemeinschaft, es ist klar, dass jeder Katholik in einer Megakirche ist, wenn man die weltweiten Katholiken zählt. Er kann in der Realität aber genauso gut Solochrist wie kein Christ sein, denn als Baby mit ein paar Tropfen Wasser besprenkelt zu sein heiß ja nicht, dass man irgend was glaubt...

Mich interessiert (in Vorbereitung eines Artikels oder mehrerer) die Größe der Gruppe, falls vorhanden, in der Ihr Gemeinschaft mit anderen Christen pflegt. (Bitte die Kirchen- beziehungsweise Gemeindegröße ankreuzen, auch wenn es ergänzend Kleingruppen innerhalb der Stuktur gibt.)

Freitag, 12. Oktober 2007

Gleichgeschaltet! Autobahnen! Entartet!


Ein gewisser Herr Kerner (ich kenne seine Sendung nicht, habe sie nie gesehen und werde sie nie sehen; meine Informationen stammen aus der gestrigen Ausgabe der Tageszeitung Die Welt) hat die Nation im Allgmemeinen und Eva Herman im Besonderen belehrt:
Kerner: Du hast dich beschwert über die gleichgeschaltete Presse.
Herman: Ja.
Kerner: Das ist keine glückliche Wortwahl. Auch das Wort stammt aus dem Dritten Reich.
Aha. Man darf demnach Presse nicht mehr öffentlich sagen. Oder ist gleichgeschaltet gemeint? Herr Kerner wusste jedoch noch weitere Weisheiten zu verkünden. Eva Herman antwortete auf seine Belehrung, keinesfalls jemals wieder Presse oder gleichgeschaltet zu sagen, dass ja auch der Spiegel das Wort in verschiedenen Zusammenhängen gebraucht habe. Dann sagte sie:
Herman: Und es sind auch Autobahnen damals gebaut worden, und wir fahren heute drauf.
Kerner: Es gibt so'n paar Sachen, die sind einfach problematisch. Was heißt problematisch. Die gehen nicht. Und Autobahnen gehen auch nicht.
Nun weiß es die Nation im Allgemeinen und Eva Herman im Besonderen. Sogar ich habe es begriffen: Wir dürfen das Wort Autobahnen nicht öffentlich aussprechen, wenn wir nicht öffentlich hingerichtet werden wollen.

Es wäre eine Geschichte zum Lachen, wenn das Gespräch von einem phantasievollen Hirn für eine Komödie ersonnen worden wäre. Aber leider hat es im öffentlich rechtlichen Fernsehen stattgefunden und war auch noch ernst gemeint, wie inzwischen wohl die meisten wissen, auch wenn sie sich, wie ich, von solchen dämlichen Talkshows nicht die Lebenszeit stehlen lassen. Unmittelbar nach dem Verbot, Autobahnen zu sagen, warf der Gastgeber dann den Gast aus der Sendung.

Der Grund: Eva Herman verteidigt meine Schwiegertochter öffentlich gegen eine Heerschar von selbsternannten Frauenfürsprechern, männlichen, weiblichen und unbestimmten Geschlechtes. Meine Schwiegertochter ist nämlich nur Hausfrau und Mutter! Sie hat ihre beiden Kinder nicht abgetrieben sondern zur Welt gebracht! Und die betreut und erzieht sie nun, während ihr Mann, mein Sohn also, das Geld verdient! Skandalös!
Das geht genauso wenig wie Autobahnen gehen. Da muss Herr Kerner samt Verstärkung gegen vorgehen. Vermutlich wird in absehbaer Zeit das Wort Mutter verboten - oder ist das schon geschehen und ich habe es nicht bemerkt?

Öffentlich, vor laufenden Kameras wird Frau Herman vorgeführt und angespuckt und angepinkelt und ausgestoßen. Ist das Fernsehen entartet?
Halt! Zurück! O weh! Das Wort ist ja auch verboten, wie ein Bischof unlängst von einer gleichgeschalteten Medienmeute zu hören bekam. Es gibt keine entartete Kunst, haben sie ihm eingeprügelt, und wenn doch, dann heißt sie nicht so. Ich habe vergessen, ob die entartete - pardon, ich meinte gleichgeschaltete - Medienkampagne auch ein Ersatzwort angeboten hatte.

Nun bin ich verunsichert. Offenbar gibt es Sprachregeln, die mir unbekannt sind. Bisher habe ich zum Beispiel schon mal Autobahnen gesagt, wenn es passte. Frage an meine Leser: Dürfte man, vorausgesetzt man wollte es, heute noch sagen:
Talkshowgast: Herr Kerner, Sie sind ein Arschloch?
Oder:
Talkshowgast: Herr Kerner, Sie sind ein Schlappschwanz?
Oder sind das inzwischen auch verbotene Worte?

Keine Zeit mehr, darüber nachzudenken. Ich muss jetzt, weil noch nicht Wochenende ist, ins Büro. Auf dem Weg zur Arbeit benutze ich normalerweise zwei Autobahnen. Die Fahrzeuge rollen wie gleichgeschaltet auf drei Spuren in eine Richtung, statt kreuz und quer zu fahren. Man liest gelegentlich, dass ein entarteter Fahrer sich nicht daran gehalten und schweren Schaden verursacht hat. Gott sei Dank bin ich noch nie in einen solchen Unfall verwickelt worden.

Äh - hmmm - weissnichtsorecht - darf man eigentlich noch öffentlich Gott sagen?


P.S.: Foto aus der Weltdebatte.

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Praktizierter Artenschutz

Behutsam nahm Irene das Kleinod aus der Schatulle. Sie wusste um den ungeheuren Wert, daher war ihr stets etwas blümerant, wenn sie es in die Hand nahm.
Als sie noch ein Dreikäsehoch war, hatte ihr Vater ihr öfter gesagt, sie hätte Maurerhände. Sie brachte es als kleines Mädchen fertig, Dinge zu zerbrechen, die stabil genug für starke Männerhände waren.
Nun war sie längst kein Kind mehr, aber eine gewisse Tollpatschigkeit hatte sie nie ablegen können.
Doch bei aller Furcht vor möglicher Beschädigung war es ihrer Seele stets ein Labsal, das kostbare Stück zu berühren. Zärtlich strich sie mit den Fingerspitzen darüber.
Hatte Jonathan es ihr geschenkt, um Punkte zu machen? Wollte er sie bauchpinseln, um ihre Sympathie nach jenem dummen und völlig überflüssigen Streit wieder zu gewinnen? Möglich, durchaus möglich. Doch unabhängig von seinen Beweggründen: Sie hatte sich gefreut. Und freute sich noch heute an ihrem Kleinod.
Er war von der Arbeit gekommen, das verpackte Geschenk in der Hand, und hatte gesagt: "Mein Augenstern, darf ich mich bitte entschuldigen? Du hast es nicht verdient, dass ich Dich gestern so behandelt habe."
"Aber Du hast dich doch schon entschuldigt, mein Schatz."
Er hatte ihr Stunden zuvor fernmündlich aus dem Büro bereits versichert, dass seine Liebe ihn drängen würde, die Zwietracht unverzüglich aus der Welt zu schaffen.
Irene vergab ihm gerne, der ganze Streit war sowieso aus nichtigem Anlass entstanden.
Vor dem Lichtspielhaus hatten sie sich nicht einigen können, welchen Film sie besuchen würden. Sie wollte in den Action-Thriller, er in die romantische Komödie. Sie waren schließlich ohne einen Film zu sehen mürrisch nach Hause gegangen, hatten kein Wort mehr mit einander gewechselt. Nicht einmal eine gute Nacht hatten sie einander gewünscht.
Jonathan fiel es schon immer schwer, im Falle einer Stimmungstrübung die richtigen oder überhaupt Worte zu finden. So hold ihm seine geliebte Irene war, er konnte das Schweigen einfach nicht brechen. Irene wartete und wartete, schweigend - und er schwieg auch. Er wartete, bis sie die ersten Worte fand.
Doch an jenem Tag, warum auch immer, hatte er sie schon mittags angerufen und sich dann, das Kleinod in der Hand, bei seiner Heimkehr erneut entschuldigt. Vielleicht gab das dem Geschenk eine solchen Bedeutung? Der materielle Wert war zwar nicht gerade gering, aber auch nicht übertrieben.
Der Kinostreit lag nun schon so viele Jahre zurück, und dennoch konnte sie sich so genau erinnern. Wie schnell man doch vergisst, was man sich merken will, wie schwer man zu vergessen in der Lage ist, was längst nicht mehr als Erinnerung erwünscht ist.
Irene legte das kostbare Stück zurück und schloss sorgsam die Vitrine. Sie atmete auf. Nichts war passiert, nichts war beschädigt.
Auch ihre Liebe nicht. Jonathan würde in dreißig Minuten nach Hause kommen und sie konnte es kaum mehr erwarten. Irene zog den baumwollenen Schlüpfer aus und fand in der Wäscheschublade das schimmernde seidene Nichts, das er an ihr so sehr liebte, dass sie es nie lange am Leib behielt.

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Nun fragt sich der geneigte Leser vielleicht, was die Überschrift mit Irene und Jonathan zu tun hat. Ganz einfach: Der Text enthält die zehn am meisten bedrohten Wörter unserer Sprache:

  • Platz 1: Kleinod
  • Platz 2: blümerant
  • Platz 3: Dreikäsehoch
  • Platz 4: Labsal
  • Platz 5: bauchpinseln
  • Platz 6: Augenstern
  • Platz 7: fernmündlich
  • Platz 8: Lichtspielhaus
  • Platz 9: hold
  • Platz 10: Schlüpfer

Durch ihre Verwendung, sogar der Reihe nach, habe ich mich überzeugt, dass ich anhand von vorgegebenen Stichwörtern zu erzählen vermag und ganz praktisch zum Artenschutz beigetragen. Mehr zur roten Liste der deutschen Sprache gibt es hier: Bedrohte Wörter

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Versöhnung Europa - Afrika

Im Jahr 2005 war ich an der ersten internationalen Versöhnungkonzerenz zwischen Afrika und Europa (Foto rechts) beteiligt, mein Bericht von damals ist unter anderem bei Touch the Nations zu finden. In dem Bericht werden auch die Gründe erläutert, warum es zu dem Versöhnungsprozess gekommen ist.

Seither gibt es allerlei Erfreuliches - in diesen Tagen aus Gabun:
Als Fortsetzung der Konferenzen in Berlin (2005) und in Simbabwe (2006) fand vom 19. bis 21. Juli in Libreville, Gabun (französisch sprechender Teil Afrikas) die dritte Versöhnungskonferenz statt.
Es gab eine überaus starke Offenheit der afrikanischen Regierung: Einige Leiter des Versöhnungsprozesses konnten in einer Audienz beim Präsidenten von Gabun die Initiative vorstellen. Der Vize-Präsident war als offizieller Stellvertreter des Präsidenten von Gabun während der Konferenz anwesend und gab für Gabun und für ganz Afrika (da Gabun den dienstältesten Präsidenten von Afrika hat) eine außergewöhnliche Erklärung von Vergebung und Entschuldigung gegenüber Europa ab!
Die (zumindest für mich) sehr bewegenden Worte des Vizepräsidenten sind in diesem PDF-Dokument nachzulesen. Er sagte unter anderem:
Das alles, um zu sagen, dass das Gabun, das Sie jetzt willkommen heißt, eine Nation ist, die von Gott geliebt und gesegnet ist und sich an seiner Gnade und Gunst erfreut.
Darüber hinaus hat in Antwort auf die Einladung von Pfingstgemeinden, charismatischen Gemeinden und erweckten Gemeinden, die sich im November 2005 im Rahmen eines „Nationalen Gebetstages“ vereint hatten, das Staatsoberhaupt als erster Bürger und Diener Gottes dieser Nation den gewichtigen und heiligen Schritt unternommen die gabunische Nation in die Hand Gottes zu geben. Dies geschah im Rahmen einer feierlichen Erklärung, zu der er immer noch völlig steht.
Wie wünscht man sich bei solcher Lektüre, dass Politiker in unserem Land einmal die Nation öffentlich in die Hand Gottes geben würden...

Dienstag, 9. Oktober 2007

Reich Gottes zu verkaufen?

Wie oft haben wir in Gemeinden und Kirchen, die von den Spenden ihrer Mitglieder und Sympathisanten leben, schon vernommen, dass wir unbedingt gehorsam sein und den Geldbeutel weit aufmachen müssen, weil dies ja ein biblisches Gebot sei. Häufig wird dabei, um das Spenden etwas schmackhafter zu machen, Verheißungsvolles aus dem Matthäusevangelium zitiert:

Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden. (Matthäus 6, 33)

Das impliziert, dass die Gemeinde mit ihrem Finanzbedarf das „Reich Gottes“ sei. Gebäude und Gehälter, Drucksachen und Nebenkosten – es gibt zweifellos viele Ausgaben, die eine Gemeinde oder Kirche zu decken hat. Je größer, desto teurer. Aber sind diese Kosten das Reich Gottes? Bei Haso las ich gestern über Matthäus 6, 33:

Kaum ein Satz wurde so missverstanden wie dieser. Die landläufige Interpretation sieht so aus:

Wenn wir unsere Pflicht gegenüber dem Reich Gottes erfüllen, wird Gott uns versorgen.

Aber hier ist nicht von Pflichterfüllung und Investition ins Reich Gottes die Rede, und schon gar nicht in dem Sinne, das Reich Gottes mit Gemeindediensten gleichzusetzen, die stets Priorität haben müssten. Hier ist davon die Rede, dass wir zuerst das Reich Gottes empfangen und anschließend unsere Versorgung. Wir geben nicht, um zu empfangen, sondern wir empfangen zweimal.

Mutige Worte. Richtige Worte. Treffende Worte für alle professionellen Bibelverbieger, die um Gehälter und Gebäude besorgt sind. Die Schäfchen der meisten bundesdeutschen Freikirchenherden bekommen, wenn es um Matthäus 6, 33 geht, eher was von Tauschhandel (Geld gegen Segen) zu hören. Allerdings nicht überall.

Vor etlichen Jahren war ich in einer kleinen Gemeinde geistlich zu Hause, etwa 40 bis 50 Besucher kamen zum sonntäglichen Gottesdienst. Der Pastor bekam ein halbes Gehalt, die Räume waren angemietet, eine Fabriketage in einem Hinterhof in Kreuzberg. Dieser Pastor hatte eine klare Definition vom Geben:

Eine Gemeinde, die nicht von Steuergeldern zehren kann, muss als Dienstleistung verstanden werden. Wenn jemand ins Kino geht, bezahlt er Eintritt, wenn jemand eine Fortbildung besucht, muss er Gebühren entrichten. Wer einen Gottesdienst in geheizten Räumen mit ansprechender Ausstattung besucht, eine Predigt hört, gute Musik über eine gute Anlage erwartet und darüber hinaus ein abgerundetes Gemeindeangebot an Aktivitäten genießen will, muss wissen, dass das Geld kostet. Wer also die „Dienstleistung Gemeinde“ bezahlt, tut das Angemessene, das völlig Normale. Aber das hat absolut nichts mit dem Reich Gottes zu tun. Mit den Spenden finanzieren wir das irdische Gemeindeleben. Wer in unsere Gemeinde spenden will, um dadurch finanziellen oder geistlichen Segen zu bekommen, soll lieber sein Geld für CDs und Bücher oder Kino und Konzerte ausgeben. Da hat er wenigstens was davon.

Ich weiß von Pastoren, die es nicht dulden, dass in den Versammlungen Geld eingesammelt wird. Gottesdienst und Kollekte halten sie für unvereinbar. Ihre Gemeinden leiden nicht unter Mangel, soweit man das von außen beurteilen kann.

Ich weiß von Pastoren, die keine Gelegenheit auslassen, ihren Schäfchen ins Geber-Gewissen zu reden. Kollekten gehören zum unverzichtbaren Ablauf aller Versammlungen. Ihre Gemeinden zeichnen sich nicht unbedingt durch überfließende Geldschränke aus, soweit man das von außen beurteilen kann.

Die Hauskirchen, die ich nebenbei bemerkt für das Zukunftsmodell christlicher Gemeinschaft halte, haben es da leichter. Man trifft sich, wie in der Bibel, hin und her in den Häusern, teilt miteinander was man hat und muss weder kleine noch riesige Gebäude finanzieren oder Gehälter und Sozialversicherungsbeiträge samt Lohnsteuer bezahlen. Jeder dient jedem mit Wort, Gebet, irdischen Gütern, zusammen betet man Gott an und feiert irdische wie himmlische Anlässe. Das ist ein biblisches Gemeindemodell, das keine nennenswerten Kosten verursacht und neben dem Synagogen- beziehungsweise Tempelbesuch der Gläubigen im Neuen Testament, nicht zuletzt durch wachsende Verfolgung in den jüdischen Gotteshäusern, das ursprüngliche Bild der christlichen Gemeinde darstellte. Doch es mag noch etwas dauern, bis die Hauskirchen wieder die gegenwärtigen Formen und Begriffe abgelöst haben werden. In absehbarer Zeit werde ich mich dem Thema Hauskirchen etwas ausführlicher widmen. Zur Zeit sind ja noch die traditionellen Stukturen vorherrschend: Eine Gemeinde hat einen Versammlungsraum und Nebenräume, bezahlt einen Pastor oder mehrere und so weiter.

Ich bin froh, dass ich kein Pastor und nicht Mitglied irgend eines Leitungsgremiums bin, das sich mit Budgets auseinandersetzen muss. Ich gebe gerne Geld in die Gemeinde, in der ich mein geistliches Zuhause habe. Ich unterstütze gerne Werke und Dienste, die das Reich Gottes bauen. Ich habe überhaupt kein Problem damit, zu verstehen, dass Kosten anfallen und dass man die Mitglieder und Freunde über den Finanzbedarf informiert; ob und wo Lücken im Budget klaffen. Wenn die Menschen nicht wissen, dass irgendwo Geld fehlt, kommen sie nicht auf die Idee, etwas beizutragen. Die Bitte um Unterstützung ist legitim und notwendig.

Es ist auch wahr, dass Gott denjenigen, der viel gibt, reichlichere Güter anvertraut als denen, die knauserig sind. Viele Gleichnisse Jesu haben mit dem Zusammenhang von Saat und Ernte zu tun und ich kann aus dem eigenen Leben bezeugen, dass das keine leeren Versprechungen Gottes sind.

Ich bin aber nicht einverstanden, dieses an und für sich völlig richtige Geben mit dem Trachten nach dem Reich Gottes gleichzusetzen. Nach dem Reich Gottes trachten kann auch derjenige, der pleite ist und nichts an Finanzen zu geben vermag. Das ist nämlich, sagt der Chef des Reiches, etwas ganz anderes: Ein Sauerteig, der sich ausbreitet:

Wem soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war. (Lukas 13, 21)

Die Sicht für das Reich Gottes wird durch einen übernatürlichen Vorgang möglich:
Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. (Johannes 3, 3)
Es zeigt sich beispielsweise durch solche Auswirkungen:
Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, so ist also das Reich Gottes zu euch gekommen. (Lukas 11, 20)
...und heilt die Kranken darin und sprecht zu ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen. (Lukas 10, 9)
Mein Tipp, falls Dir mal wieder jemand von der Kanzel erzählt, dass Du nach dem Reich Gottes trechtest, indem Du spendabel bist: Schau in Deine Bibel, ob das so stimmt.

Sonntag, 7. Oktober 2007

Gerfingerpoken

Zur Pflichtlektüre gehört der Zwiebelfisch, das sollte eigentlich jeder beherzigen, der öffentlich schreibt, und sei es nur ein Blog, auf dem er sich äußert.
Auch dem Rest der Welt würde ein wenig Nachhilfe vielfach nicht schaden, wie die Einsendungen an Bastian Sick zeigen, die er hilfesuchend dem Publikum präsentiert: Nichts für Gerfingerpoken und Mittengrabben

P.S.: Foto vom Zwiebelfisch kopiert, wie man leicht am Wasserzeichen sieht.

Samstag, 6. Oktober 2007

Keine Ahnung: Bundesliga

Man wirft wieder Stöckchen von Blog zu Blog. Haso will wissen, wie ich in Sachen Bundesliga denke. Als ob ich irgend eine Ahnung vom Fußball hätte.

Nun gut, den Gesetzen der Bloggergemeinschaft gehorchend, offenbare ich hiermit der Welt meine Ahnungslosigkeit:

1. Mein Verein ist und bleibt …

Hertha BSC - obwohl ich noch nie im Leben ein Fußballspiel im Stadion besucht habe. Reiner Lokalpatriotismus.

2. Ein (ehemaliger) Bundesligaspieler, den ich als Persönlichkeit achte, ist …

Günter ohne h Netzer - den mochte mein Freund Lemmi, und der verstand was von Fußball. Allerdings weiß ich nichts über die Persönlichkeit des Herrn Netzer. Ich weiß nur, dass alle Günters ohne h nette Kerle sind.

3. Mein Lieblingsspruch eines Spielers lautet:

Die gibt es ohne Ende, weil sie, was den Bildungsstandard im Fußball betrifft, so herrlich entlarvend sind: "Mein Problem ist, daß ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir selbst gegenüber." - "Zwei Chancen, ein Tor - das nenne ich hundertprozentige Chancenauswertung." - "Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken!" ... Fußballersprüche

4. Lieblingsspruch eines Trainers:

Die können genauso gut rechnen wie ihre Spieler. Kunststück, meistens waren sie ja vorher Spieler: Wenn man ein 0:2 kassiert, dann ist ein 1:1 nicht mehr möglich... Trainersprüche

5. Falls die Bayern diese Saison nicht Meister werden, dann wird es …

...wohl noch so weit kommen, dass in China ein Sack Reis umfällt.

6. Als Traditionsclub würde ich gerne wieder in der ersten Liga sehen …

Den HSV, Lemmi zuliebe. Oder ist der in der ersten Liga?

7. Die Bundesliga verfolge ich am liebsten via …

Hasos Tafel.

8. Ein denkwürdiges Bundesligaspiel, das ich besonders in Erinnerung habe, ist …

...äh. Ja. Also. Nun. Hmmm.

9. Eine Regel, die ich am liebsten sofort abschaffen würde, wäre …

...Abseits. Kapiere ich nämlich nicht. Macht aber nix, da ich nur bei einer WM oder EM mal zwischendurch Fußballspiele anschaue. Und dann, alle zwei Jahre, muss ich die Regeln nicht verstehen.

10. Sportschau oder Sportstudio?

Häh? Also ich gehe im Freien Joggen, nicht im Sportstudio. Und ob mir dabei jemand zuschaut, ist mir recht schnurzpiepegal...

Ach ja, weiterwerfen soll ich das Stöckchen auch noch. Nun gut, ich möchte gern wissen, ob Frauen so bewandert sind im Fußball wie ich. Also, TrüLo, nun aber los!

Freitag, 5. Oktober 2007

Pray for the world?

In einem Andenken- und Trödelladen am Meer, ein paar Motorradstunden von New Orleans entfernt, plaudert der Inhaber mit einem Besucher, den er nicht (er)kennt. Im Verlauf des Gespräches fragt er den Kunden:
You a prayin' man?
Der Kunde antwortet:
Uh-huh.
Der Ladeninhaber:
Good, gonna have to be when the Chinese take over.
Die Unterhaltung plätschert weiter, wobei der Besucher kaum ein Wort sagt, sondern recht zufrieden dem Redefluss des alten Mannes lauscht. Er setzt sich sogar auf einen Stuhl, um in Ruhe zuzuhören. Nach einer Weile meint der Inhaber:
You're a prayin' man, huh? What do you pray for? You pray for the world?
Der Kunde hatte nie im Leben daran gedacht, für die Welt zu beten. Seine Anliegen sind überschaubarer. Er antwortete:
I pray that I can be a kinder person.
Gefällt mir, die Antwort. Wenn sich eine Person im Gebet Fortschritt mit der eigenen Persönlichkeit erbittet, hat das weltverändernde Auswirkungen - Beispiele findet man in der Bibel.
Wenn eine Person die ganze Welt ins Gebetsvisier nimmt, weiß ich nicht recht, was passiert. Ich finde solche Gebete in der Bibel nicht.

P.S.: Der Ladeninhaber heißt Sun Pie. Der Besucher heißt Bob Dylan. Die Episode mit dem Gespräch ist in Chronicles zu finden.

Donnerstag, 4. Oktober 2007

Dorn im Fleisch

Kürzlich hat der Storch in zwei Beiträgen Gedanken über den Stachel / Dorn im Fleisch des Paulus zusammengetragen, die mir sehr nachvollziehbar sind: Teil 1 / Teil 2


Gestern beim Jogging dachte ich über die Dankbarkeit nach, da wir auf dem ehemaligen Todesstreifen liefen. Dort wo einst Minen und Selbstschussanlagen, schwerbewaffnete Grenzsoldaten der DDR und Stacheldraht zu finden waren, kann man heute spazierengehen, radfahren, picknicken oder eben joggen.

Ich dachte an die Frau vom Checkpoint Charlie, die in der Talkshow bei Anne Will meinte, dass sie zwar nach Akteneinsicht inzwischen wisse, wer sie damals denunziert habe, dies aber nicht sagen wolle. Diese Menschen müssten irgendwie selbst mit ihrer Schuld umgehen, keiner sei bisher zu ihr gekommen.


Dieser Gedankengang führte sozusagen aus heiterem Himmel (ich dachte überhaupt nicht an Paulus oder den Stachel / Dorn) zu einem Impuls:

Der Stachel, von dem Paulus schreibt, ist sein trotz der erlebten Vergebung aller Schuld vorhandenes Wissen, dass er ein Mörder ist.


Er hatte die Christen verfolgt, eingesperrt, war sozusagen der Grenzsoldat und der Denunziant. Zumindest bei der Ermordung von Stephanus war er persönlich anwesend, es ist zu vermuten, dass dies nicht die einzige Hinrichtung war, der Paulus beiwohnte.

Nun will ich nicht behaupten, dass dieser Impuls eine göttliche Offenbarung sei, aber zumindest für mich ist es eine Möglichkeit neben der vom Storch genannten (und anderen Theorien).


Solche Dornen trage auch ich mit mir herum. Ich weiß, dass Gott mir alle Schuld, jede Sünde vergeben hat, aber was ich anderen Menschen in meiner Vergangenheit angetan habe, kann ich nicht ungeschehen machen. Dieses Wissen hat mich schon manches Mal davon abgehalten, mich zu überheben.

Days Of The Week

a storm is coming
a woman wanders

Fast schon auf dem Weg zur Arbeit nur kurz der Hinweis auf die Episode 3 unserer geliebten neuen Staffel der Theme Time Radio Hour. Die Playlist:
  • Sterling Harrison - Seven Days
  • U2 - Sunday, Bloody Sunday
  • Frankie Lee Sims - Lucy Mae Blues
  • Smiley Lewis - Blue Monday
  • Rolling Stones - Ruby Tuesday
  • Lonnie Johnson - Tomorrow Night
  • The Undertones - Wednesday Week
  • Morphine - Thursday
  • The Easybeats - Friday On My Mind
  • Charlie Rich - Lonely Weekends
  • Tom Waits - The Heart Of Saturday Night
  • Doug Sahm - Wasted Days And Wasted Nights
  • Kris Kristofferson - Sunday Morning Comin' Down
Omygoodness! Stones, U2, Waits, Kristofferson... what a mix! Gehört habe ich selbst noch nichts, der PC lädt gerade herunter, dann ab auf den MP3-Player und los geht's auf die Autobahn...

Wer es immer noch nicht weiß: Bei Patrick gibt's die Downloads, auch die erste Staffel.