Samstag, 13. September 2008

Blogstöckchen: Wovor gruselt es dich?

Ich las kürzlich ein Interview mit Tom Waits, in dem er sich unter anderem zu der Frage äußert: »What’s scary to you? / Was ist ihnen gruselig?«

Tom Waits:
  1. A dead man in the backseat of a car with a fly crawling on his eyeball. / Ein toter Mann auf dem Rücksitz eines Autos, dem eine Fliege über den Augapfel krabbelt.
  2. Turbulence on any airline. / Turbulenzen in irgendeinem Flugzeug.
  3. Sirens and search lights combined. / Sirenen kombiniert mit Suchscheinwerfern.
  4. Gunfire at night in bad neighborhoods. / Nächtliche Schüsse in einem verrufenen Stadtviertel.
  5. Car motor turning over but not starting, its getting dark and starting to rain. / Der Anlasser funktioniert, aber der Motor startet nicht, es wird dunkel und fängt an zu regnen.
  6. Jail door closing. / Schließen einer Gefängnistür.
  7. Going around a sharp curve on the Pacific Coast Highway and the driver of your car has had a heart attack and died, and you’re in the back seat. / In einer scharfen Kurve auf dem Pacifc Coast Highway erleidet der Fahrer einen herzinfarkt und stirbt, während man auf dem Rücksitz sitzt.
  8. You are delivering mail and you are confronted with a Doberman with rabies growling low and showing teeth…you have no dog bones and he wants to bite your ass off. / Man trägt Post aus und trifft auf einen tollwütigen Dobermann, der ein tiefes Knurren hören lässt und seine Zähne zeigt... man hat keine Hundeknochen dabei und er will einem in den Hintern beißen.
  9. In a movie…which wire do you cut to stop the time bomb, the green or the blue. / Im Film... welchen Draht schneidet man durch, um den Zeitzünder anzuhalten, den grünen oder den blauen?
  10. McCain will win. / McCain wird gewinnen.
Das brachte mich zu der Überlegung, was mir eigentlich das Gruseln beibringt. Ich meine, dass fünf Antworten genügen sollten und gebe sie hiermit ungefragt zum Besten. Bittesehr:
  1. Obama wird verlieren.
  2. Die Tankanzeige steht auf Reserve, es ist Nacht, ich bin auf einer Landstraße, habe mein Mobiltelefon zu Hause vergessen und es ist keine Tankstelle in Sicht.
  3. Der Strom fällt aus, nachdem ich vier Stunden so intensiv mit einem Manuskript beschäftigt war, dass ich vergessen habe, zwischendurch zu speichern.
  4. Beim Lesen eines Buches: Derjenige, den ich für den Bösewicht gehalten habe, entpuppt sich als unschuldig und es ist kein anderer Verdächtiger in Sicht.
  5. Der einzige Film, bei dem mir wirklich mulmig wurde (und etliche Stunden blieb): »The Shining« in der 256-Minuten-Verfilmung von 1997
So. Da ich von Natur aus neugierig bin, mache ich ein Blogstöckchen daraus. Nun wandert das frische Staffelholz zu Don Ralfo: Gibt es fünf Dinge, die dir den kalten Schweiß auf die Stirn treiben würden?

Freitag, 12. September 2008

An Regentagen im Herbst...


…und auch sonst ist ein gutes Buch die richtige Wahl. Ab 16. September wird die dritte Auflage meines Romans »Es gibt kein Unmöglich!« ausgeliefert. Bestellen kann man ab sofort. Mehr dazu nebenan unter »Bücher«.

Donnerstag, 11. September 2008

Das pfingstlich-charismatische Dilemma

In unserem Hausbilbelkreis gab es gestern und vorige Woche lebhafte Diskussionen darüber, ob es sinnvoll oder zulässig sei, »Ungläubige« mitzubringen. Zwei unvereinbar scheinende Vorstellungen darüber, was ein Hauskreis ist, wurden dabei deutlich.
  • Die einen betrachten den Hauskreis als Refugium, als einen Ort, an dem ausschließlich Christen sich versammeln, um ungestört Anbetung und Bibelarbeit, Austausch und Gebet zu pflegen. »Wenn da ein Fremder dabei wäre, könnte ich mich in der Anbetung nicht so für den Geist Gottes öffnen«, meinte eine Teilnehmerin. Jemand fügte hinzu: »Meine Probleme könnte ich nicht ansprechen, wenn wir nicht unter uns wären.«
  • Die anderen betrachten den Hauskreis als einen Ort, an dem Nachbarn, Kollegen, Freunde miterleben können, dass Christen ganz normale Menschen sind, die einander beistehen, ihren Gott loben, die sich freuen und traurig sein können. »Mir wäre richtiggehend unwohl, wenn ich wüsste, dass wir uns hier einigeln und nur mit uns selbst beschäftigen«, sagte eine Frau. »Wie sollen die Menschen denn Jesus kennen lernen, wenn nicht im Kreis von Gläubigen?«
Nun ist die Wahrscheinlichkeit, dass unser Kreis von Menschen überflutet wird, die Jesus noch nicht kennen, eine sehr geringe. Wir werden wohl in den nächsten Wochen weiter darüber reden, was und wie wir es sein wollen - und kaum einmal einen Ungläubigen zu Gesicht bekommen.

Das grundsätzliche Problem scheint mir jedoch weit über den Bereich Hauskreis hinaus zu gehen. Wir haben es mit einem Dilemma zu tun, das sich vor allem in den traditionellen pfingstlichen und charismatischen Gemeinden festgesetzt hat.

»Die Probleme der Welt sind nicht mehr die unseren, wir warten auf das neue Jerusalem und beim alten machen wir noch auf Missstände aufmerksam. Es ist nicht mehr unsere Welt, unser Land oder unsere Stadt für die wir beten und uns einsetzen«, schlussfolgert Storch in einem lesenswerten Beitrag zum Thema Solidarität.

Das trifft, meine ich, über den Solidaritätsgedanken hinaus genau den wunden Punkt. Wir sind dermaßen weit von unseren Mitmenschen entfernt, dass sie von manchen Christen schon als Bedrohung unserer Andacht empfunden werden. Wir können, meinen manche, nicht »richtig« anbeten, es sei denn, wir sind unter uns.

Die Abschottung ist so umfassend, so zum Normalfall geworden, dass kaum jemand sie noch wahrnimmt. Wir haben »christliche« Bücherstuben und »christliche« Musik, »christliche« Freizeiten, »christliche« Theatergruppen, »christliche« Zeitschriften, »christliches« Fernsehen, »christliche« Internetseiten, »christliche« Kindergärten, Schulen und wer weiß was noch alles…

Nehmen wir mal als ein Beispiel von vielen den Bereich der Musik unter die Lupe. Was ist denn eigentlich »christliche« Musik? Ist es Musik, die von Christen gemacht wird oder ist es Musik, die geistliche Belange thematisiert?
Die meisten Gläubigen in unseren Gemeinden werden die zweite Definition wählen und bezweifeln, dass ein Christ überhaupt etwas anderes als geistliche Themen musikalisch ausdrücken kann.
Nun frage ich mich: Kann ein christlicher Musiker sich nicht verlieben und »You are so beautiful to me« singen, wobei er die wunderschöne junge Dame und nicht den Herrn der Gemeinde meint? Kann ein Christ nicht von der Arbeit gestresst sein und einen »Working Man Blues« anstimmen? Kann ein Christ nicht in den Urlaub fahren und dabei vergnügt »On the Road Again« schmettern?
Nein. Kann er nicht, wenn man in die CD-Regale in unseren Gemeinden schaut. Solche Musik ist nicht zu finden. Dafür die hundertste Zusammenstellung der besten »Worship-Songs« und allerlei fromme Schlager, die kein Mensch außerhalb unserer Gemeinden auch nur zur Kenntnis nehmen würde. An Musikrichtungen ist bis hin zu Heavy-Metal alles vertreten, Hauptsache, es kommt oft genug frommes Vokabular in den Texten vor.
Künstler wie U2, Bob Dylan oder Söhne Mannheims wird man vergeblich in den Regalen suchen. Die sind ja nicht »richtig« christlich, weil sie auch oder sogar vornehmlich »weltliche« Lieder singen.

Viele Gläubige wundern sich darüber, dass die Menschen nicht in unsere Gottesdienste stürmen, um sich bekehren zu dürfen. In unserem Hausbibelkreis hatte jemand die Idee, doch mit der Gitarre in den Park zu gehen und dort Lobpreislieder zu singen, als evangelistische Aktion des Hauskreises. Ich fragte: »Und dann? Wenn jemand im Park tatsächlich neugierig werden sollte, darf er dann am Mittwoch in den Hauskreis kommen, bevor er sich bekehrt hat?« Die Antwort war ein betretenes Schweigen…

Unser pfingstlich-charismatisches Dilemma ist uns so vertraut, dass wir es gar nicht mehr wahrnehmen. Wir haben das biblische »nicht von der Welt« als »nicht in der Welt« verstanden und uns entsprechend abgekapselt. Wir sind wunderliche Figuren, Sonderlinge und Exoten, die sich oft genug nicht einmal mehr wundern, warum »die Welt« nicht unsere Gemeinden stürmt, um sich erretten zu lassen. Den Hauskreis dürften die Heiden ja sowieso nicht so ohne weiteres stürmen...

Sie bleiben unvergessen...

...über 3000 Opfer der Anschläge am 11. September 2001.  

Mittwoch, 10. September 2008

Endzeit?

Die Berliner Zeitung »Der Tagesspiegel« bittet die Leser um Gebet:


Auch die Zeitung »Die Zeit« hat Bedenken:


Nun ist ja schon die Annahme falsch, dass unser Universum durch einen »Urknall« entstanden sei. Womöglich beweist das Experiment den Forschern diesen Irrtum. 

Wir weren es erleben, so oder so...

Paulus über Trunkenheit beim Abendmahl, Geistesgaben und die Liebe

Die Serie über den ersten Brief an die Korinther geht weiter. Ein Ausschnitt:
Was ist nicht schon alles über die Liebe gesagt und philosophiert worden. »Wer liebt, der muss wissen, dass er auch leiden kann; wer nicht liebt, der leidet bereits«, erklärt ein russisches Sprichwort. Aus dem arabischen Kulturkreis stammt die Feststellung: »Die Liebe ist wie ein Garten: Wenn man sie nicht pflegt, verkommt sie.« » Die Liebe ist so unproblematisch wie ein Fahrzeug. Problematisch sind nur die Lenker, die Fahrgäste und die Straße«, meinte Franz Kafka. »Was ist Wissen, das nicht von der Liebe ausgeht?« fragte Bettina von Arnim Goethe in einem Briefwechsel.
Hier geht's zum Text: Zurück nach Korinth? Teil 11

Wie immer bei der Serie: Kommentare gerne dort, nicht hier.

Dienstag, 9. September 2008

40 Tage Gedankendiät als PDF

Pastor Gregory M. Dickow hat im Frühjahr 2008 diese Serie über das Fasten von falschen Denkmustern geschrieben. Ich habe die Texte übersetzt und auf diesem Blog veröffentlicht, mit freundlicher Genehmigung von Pastor Dickow.

Zahlreiche Anfragen von Lesern, ob das Ganze nicht auch in gedruckter Form zu bekommen sei und der eigene Wunsch, diese Serie an Menschen weitergeben zu können, die ohne Internet leben, haben mich nun bewogen, diese Version zusammenzustellen und als PDF-Datei anzubieten. 

Ich habe die Texte beim Zusammenstellen noch von einigen Tippfehlern befreit und eine einheitliche, schlichte Formatierung gewählt. Nach wie vor gilt: Nicht alles entspricht zu 100 Prozent meinem persönlichen Empfinden oder Glauben, aber es sind zweifellos wertvolle Impulse, mit denen eine Beschäftigung lohnt.  

Es gibt jeden Tag einen Abschnitt, der mit „Denke so und sprich es aus:“ überschrieben ist. Das ist tatsächlich so gemeint, denn was wir mit unserer Stimme aussprechen, hat mehr Potential zur Veränderung als das, was wir stumm denken. Wer es nicht glaubt: Ausprobieren – es kostet ja nichts außer der Anstrengung, den Mund zu öffnen.  
Ich wünsche den Leserinnen und Lesern, dass sie erleben, wie sich durch veränderte Denkmuster nach und nach segensreiche Auswirkungen im persönlichen Leben zeigen.

Hier geht es zum Download: 40 Tage Gedankendiät als PDF

P.S.: Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass eine kostenlose Weitergabe gestattet und erwünscht ist; jegliche Verwendung, die mit Kosten für den Leser (zum Beispiel als Buch oder in welcher Form auch immer) verbunden wäre, ist nicht gestattet. Auch wer diese Datei ausdruckt oder kopiert, um sie weiterzugeben, ist nicht berechtigt, für Druck oder Kopie Geld zu verlangen. Das Copyright verbleibt bei Autor und Übersetzer.  

Montag, 8. September 2008

Mein Leibgericht

Ich versprach gestern, dass es heute »in deutscher Zunge« weiter geht auf diesem Blog. Man kann sich ja etwas auf der Zunge zergehen lassen, bildlich oder im Wortsinn, wenn es ganz besonders wohlschmeckend ist. Insofern wünsche ich guten Appetit für diese kleine Geschichte, die ich vor etwa 12 Jahren geschrieben habe:


Ungeschriebene Aufsätze*: Mein Leibgericht 
Jana G., 9 Jahre alt

Mein Leibgericht habe ich meistens bei mir. Wenn es alle ist, dauert es nicht lange, bis wieder davon da ist. Es schmeckt mir sehr gut, sonst wäre es ja auch nicht mein Leibgericht. 

Ich muss es zwar immer heimlich essen, aber das macht nichts. Mal ist mein Leibgericht eher flüssig, mal eher fest. Der Geschmack ist aber immer gleich gut. Die Farbe wechselt auch, von weißlich-gelb zu grün, manchmal ist es auch fast bräunlich. 

Es macht nicht satt, dazu ist es viel zu wenig, aber es schmeckt eben so besonders und so gut. Und ich habe es ganz für mich: kein Mensch außer mir wird jemals davon essen.   

Niemand wird es zugeben wollen, aber ich weiß, dass ich nicht der einzige Mensch mit diesem Leibgericht bin. Viele essen ihre Popel.


*In der Serie »Ungeschriebene Aufsätze« schlüpfe ich in die Rolle von Schülerinnen und Schülern unterschiedlichen Alters und schreibe das, was sie schrieben, wenn sie es wagten, die nackte Wahrheit zu schreiben. In meiner Kurzgeschichtensammlung »Gänsehaut und Übelkeit« gibt es auch ein paar Episoden aus dieser Serie.

Sonntag, 7. September 2008

Why does God love Obama...

...und andere drängende Fragen. Man sollte des Englischen mächtig sein, um diesen Beitrag aus Amerika zu genießen. Dann erfährt man unter anderem:
Volkswagen is linked to Hitler.
Für allen anderen Blogbesucher: Morgen geht es wieder in deutscher Zunge weiter. Versprochen! Augenzwinkernd und innerlich grinsend zwar, aber immerhin versprochen. Doch nun zum Video:

Samstag, 6. September 2008

John Grisham: The Appeal


John Grisham ist Autor. John Grisham ist Jurist. John Grisham ist Christ.

In seinem Roman »The Appeal« werden alle drei John Grishams sichtbar und prägen die Lektüre. Manch einen Leser wird dies womöglich nicht recht schmecken, aber auf mich wirkte dieses Buch so, als sei es das bisher ehrlichste und persönlichste seiner Erzählwerke.

Das Buch beginnt mit einem Ende. Dem Ende eines Prozesses, den eine Witwe gegen das Unternehmen führt, durch dessen sorglosen Umgang mit chemischen Abfällen nicht nur ihr Mann an Krebs erkrankt und gestorben ist, sondern eine ganze Stadt vergiftet wurde. Die Firma wird zu einer Geldstrafe von 41 Millionen Dollar verurteilt.

Grisham erzählt aus wechselnder Perspektive, was nach dem Urteil und vor der Berufungsverhandlung (daher der Titel »The Appeal«) geschieht. Der Leser begleitet mal den Milliardär, der seine Firma »Krane Chemicals Co.« vor der Zahlung der enormen Geldsumme bewahren will, mal die Witwe, die nderen geschädigten Bewohner der Stadt und deren Anwälte, die, da ja Berufung eingelegt wurde, keinen Cent von den Millionen bekommen und mit dem finanziellen Ruin kämpfen, mal denjenigen, der in der Berufungsverhandlung das Zünglein an der Waage zugunsten des verurteilten Unternehmens sein soll sowie diejenigen, die für seinen rasanten Aufstieg Sorge tragen.

Das Buch wird als Thriller beworben, es ist aber eher ein - allerdings durchweg spannender - Gesellschaftsroman. Ein Roman auf jeden Fall, der schonunglos aufdeckt, was nicht aufgedeckt werden will: Nicht nur die Politik ist ein schmutziges Geschäft und käuflich, das Gleiche gilt auch für das Rechtswesen. Wer die nötigen Geldmittel hat, kann - von der Öffentlichkeit unbemerkt - darauf hinwirken, dass ein Gericht die Entscheidung in seinem Sinne fällt. Krane Chemicals hat das Geld und die richtigen Berater:
We target a supreme court justice who is not particularly friendly, and we take him, or her, out of the picture.
So einfach ist das.

Das Buch ist einerseits ein Zeugnis dafür, wie satt John Grisham die wild wuchernde Korruption in Justiz und Politik hat, andererseits verkneift er sich jegliches platte Moralisieren. Er hält dem Leser, und damit nicht zuletzt seiner Heimat Mississippi, einen Spiegel vor, ohne Wertungen abzugeben. Er schreibt als Chronist, und was er berichtet, ist dazu angetan, den Leser zumindest zu beunruhigen, wenn nicht gar eine Gänsehaut zu verursachen. Sollte Amerika wirklich so funktionieren, wie in diesem Buch? Die Antwort, die John Grisham im Nachwort gibt, ist eine doppeldeutige.
All characters herein are purely fictional. Any similarity to a real person is coincidental. There is no Cary County...
...now that I have impugned my own work, I must say that there is a lot of truth in this story.
Auch den christlichen Gemeinden und Kirchen hält er mehrfach einen Spiegel vor das Gesicht. In diesem Roman treten Geistliche und Laien auf, die alle meinen, Gott auf ihrer Seite zu haben. Sie können es auch samt und sonders begründen. Und dennoch stehen sie auf absolut gegensätzlichen Positionen, während die Berufungsverhandlung näher rückt.
In einer amerikanischen Rezension zum Buch las ich:
Who knew that the mega-best-selling Grisham wanted to be a sort of Old Testament prophet fulminating against our sins? In »The Appeal«, he pulls that off beautifully.
Der Christ John Grisham scheut sich tatsächlich nicht, wie ein Prophet des Alten Testamentes Jauchegruben im eigenen Lager aufzudecken - und das ist auch gut so.

Der Roman hat für mich, den juristischen Laien, noch dazu in Deutschland, einige Bestandteile, die ich zur Kenntnis nehme, ohne sie recht zu verstehen. Der Jurist John Grisham weiß sicher besser in den Paragraphen seines Landes Bescheid als ich, und ehrlich gesagt ist das juristische Dickicht auch nicht so entscheidend für die Geschichte, die er erzählt.

Der Autor John Grisham schließlich zeigt sich von seiner gewohnt guten Seite. »The Appeal« ist nicht sein bestes Buch, aber es ist auch kein Durchhänger. Ich will an dieser Stelle nicht verraten, wie der Roman endet. Dies zu entdecken bleibt jedem Leser überlassen, und ich bin überzeugt, dass der Weg durch die über 350 Seiten auch für andere so spannend und mitreißend sei wird, wie er für mich war.

Mein Fazit: Kein Meisterwerk, aber ein sehr gutes Buch, womöglich sogar ein sehr notwendiges Buch, weil es in der Lage ist, Augen zu öffnen. Auch wenn der Blick auf die Realität dann schmerzhaft ist.
Sprachlich und erzählerisch fand ich das Buch - wie von John Grisham gewohnt - ohne Makel. In erster Linie ist und bleibt er natürlich, obwohl Jurist und Christ, Schriftsteller. Und zwar einer, der sein Handwerk beherrscht. (Ich habe das Original gelesen, inwieweit die deutsche Übersetzung gelungen ist, vermag ich nicht zu beurteilen.)

Details:
Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Doubleday;
Auflage: 1 (Januar 2008)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0385515049
ISBN-13: 978-0385515047

Das Buch gibt es in verschiedenen Ausgaben und ab November 2008 auch als Taschenbuch, zum Beispiel hier bei Amazon: The Appeal