Freitag, 10. April 2009

Gastbeitrag Rick Warren: Warum ist Ostern so wichtig?

Vor 2000 Jahren geschah im Nahen Osten ein Ereignis, das die Welt für immer veränderte. Auf Grund dieses Ereignisses wurde die Geschichte zweigeteilt. Jedes Mal, wenn wir ein Datum aufschreiben, benutzen wir die Auferstehung Christi als zentrale Markierung.
Was ist an Ostern so besonders, so wichtig?

Das ereignis ist wichtig, weil es bewies, dass Jesus der war, als der er sich ausgab. Er war der Messias Gottes und kam auf diese Erde, um uns zu retten.

Drei Ereignisse geschahen in einer dramatischen Abfolge am Osterwochenende: der Prozess gegen Jesus, dann der Tod Jesu und schließlich seine Auferstehung.

Der Prozess
Jesus ging durch sechs Verfahren. In einer Nacht wurde er vor Annas (den Hohepriester) gebracht, vor Kaiphas (ebenfalls Hohepriester), den Hohen Rat (den Sanhedrin, das oberste religiöse Gericht), Pilatus (den Gouverneur von Jerusalem), Herodes (den Gouverneur von Galiläa) und dann wieder zurück zu Pilatus.
Was konnten die Ankläger am Ende dieser sechs Stationen finden, um ihn zu verurteilen? Nichts. Er hatte nichts Falsches getan. Sie brachten Leute herbei, um erfundene Anklagen vorzubringen, diese waren jedoch unhaltbar. Schließlich verurteilte man ihn wegen eines einzigen Punktes: Wegen seiner Behauptung, der Sohn Gottes zu sein. Das ist der einzige Grund, warum Jesus gekreuzigt wurde.
Diese Behauptung war für seine Zeitgenossen unerträglich.

Jeder, der in seinem Leben mit Jesus auf irgend eine Weise in Berührung kam, hat bereits eine gewisse Entscheidung darüber getroffen, wer er wirklich ist. Wir glauben entweder, dass er ein geistesgestörter Lügner ist, oder wir glauben, dass er der Herr ist. Die Behauptung »ich glaube, er war ein guter Lehrer«, ist kaum durchdacht. Er konnte nicht »bloß ein guter Lehrer« sein, denn ein guter Lehrer würde nicht sagen: »Ich bin Gott und ich bin der einzige Weg zur Errettung«. Auch ein »guter Mensch« würde solche eine Behauptung nicht aufstellen, wenn sie nicht die Wahrheit wäre.
Jesus behauptete, der Retter der Welt zu sein: »Ich bin nicht gekommen, dass ich die Welt richte, sondern dass ich die Welt rette.« (Johannes 12, 47) Er ließ es zu, dass er angeklagt wurde, damit es keinen Zweifel darüber gab, wer er war. Er hätte das Gerichtsverfahren zu jedem gegebenen Moment beenden können. Er wusste, dass er für schuldig befunden und am Kreuz hingerichtet würde - aber er ließ es geschehen. Dies alles war Teil des Plans.

Der Tod
Nach dieser Nacht der Verhöre, Folterungen und Verspottungen, bei denen man ihm eine Dornenkrone aufgesetzt hatte, wurde Jesus gekreuzigt. Die Kreuzigung ist wahrscheinlich die brutalste und qualvollste Todesstrafe, die je von Menschen erfunden wurde. Seine Hände wurden weit gegen das Kreuz ausgestreckt und durch die beiden Knochen der Handgelenke genagelt. Wenn die Nägel diesen Teil des Körpbers durchdringen, treffen sie den Nerv, der weiter in den Oberarm führt und verursachen entsetzliche Schmerzen. Nach einer Weile des Hängens in dieser Stellung werden die Muskeln um den Brustkorb nach und nach gelähmt. Man kann noch ein-, aber nicht mehr ausatmen. Der Tod am Kreuz führt so schlicht zum Ersticken.
Aber die Römer wollten es den Verurteilten nicht so leicht machen. Sie nahmen die Knie der Person, winkelten sie ein wenig an und nagelten die Füße ans Kreuz. So hing ein Mensch dort in absoluter Qual, bis sein Schmerz in der Brust so stark war, dass er explodierte - er schob sich dann selber an seinen durchnagelten Füssen hoch, um nach Luft zu schnappen. Wenn sein Schmerz in den Beinen unerträglich wurde, ließ er sich wieder herabfallen - bis der Schmerz in seinen Lungen unerträglich wurde. Es war ein unglaublich qualvolles Geschehen. Schließlich brachen die Soldaten die Gebeine des Hingerichteten, um den Tod durch Ersticken zu beschleunigen.
Im Falle von Jesus mussten sie seine Beine nicht zerbrechen, weil er bereits verstorben war. Aber um sicherzugehen, stießen sie ihm einen Speer in die Seite. Wasser und Blut flossen aus dem Brustkorb - was, wie unsere Ärzte sagen - nur passiert, wenn das Herz zerrissen ist. Man kann es nennen wie man möchte; Jesus starb an einem gebrochenen Herzen.
Warum musste Jesus sterben? Weil allein er, der keine Schuld auf sich geladen hatte, in der Lage war, für unsere Sünden zu bezahlen. Wir haben die Strafe verdient, aber Jesus zahlte die Strafe für uns.

Die Auferstehung
Nachdem Jesus gestorben war, nahmen sie seinen Leichnam, legten ihn in ein Grab und wälzten einen riesigen Stein vor den Eingang. Aus Angst davor, dass Jesu Leichnam gestohlen werden könnte, baten die religiösen Führer, dass eine römische Wache vor dem Grab aufgestellt wurde. Sie wollten nicht, dass er herauskam. Aber er kam heraus.
Sie kennen vermutlich die Geschichte. Aber es ist wichtig, sich zu erinnern, dass Ostern kein Gedächtnis an einen netten religiösen Lehrer ist, der vor 2000 Jahren lebte. Es ist eine Feier der Tatsache, dass er heute lebt. Ich bin ein lebendiger Beweis - und so sind es die fast eine Milliarde Christen, die an diesem Wochenende Ostern feiern werden.

Ostern ist die gute Nachricht über den Messias, Jesus Christus, unseren Herrn, der als menschliches Baby auf die Erde kam, der in Davids königliche Linie hineingeboren wurde. Vier historische Berichte sagen aus, dass er sich 500 Menschen auf einmal zeigte. Können Sie sich vorstellen, seinen Tod mitzuerleben und ihn dann drei Tage später in Jerusalem herumspazieren zu sehen? Wie erstaunlich!
Als Jesus am Kreuz hing, spotteten die Zweifler und sagten: »Wenn du der Sohn Gottes bist, warum steigst du nicht einfach vom Kreuz herab? Warum kommst du nicht einfach herab und zeigst uns, dass du wirklich Gott bist?« Jesus hatte etwas noch Spektakuläreres geplant. Er sagte: »Ich werde euch erlauben, mich drei Tage zu begraben, dann werde ich zurückkehren und beweisen, dass ich der bin, als der ich mich ausgab.«

Was bedeutet das für uns heute?
Einerseits, Jesus Christus steht immer noch vor Gericht. Er wird im Herzen und im Verstand jedes Menschen angeklagt, der ihn noch nicht als den Sohn Gottes, den Retter der Welt, anerkannt hat.
Wie sieht Ihr Urteil aus? Sehen Sie, es läuft in der Tat auf zwei grundlegende Fragen hinaus.
Erstens: Ist Jesus der, der er behauptet hat zu sein? Ist er der von Gott verheißene Retter der Welt? Oder ist er ein Wahnsinniger oder ein Lügner?
Zweitens: Wenn er der ist, der er zu sein behauptet, wann fangen Sie dann an, dem zu folgen, was Sie nach seiner Aussage mit Ihrem Leben tun sollten?

Heute sitzen wir über Jesus zu Gericht. Wie Pilatus fragte »Was soll ich denn mit Jesus tun, der der Christus genannt wird?«, so müssen auch wir entscheiden, ob er der war, der er zu sein behauptet hat oder nicht.

Sind wir bereit, unser Leben dafür zu riskieren, dass er falsch lag?

Dieser Beitrag auf Englisch: Rick Warren - What's so important about Easter?
Bild: Chorbild von Felix Keller, Meikirch

Donnerstag, 9. April 2009

Heavy Metal?

Von wegen Heavy Metal. Einmal mit der Schublade kräftig angeschubst - hin ist er, der USB Stick. Obwohl das Gehäuse aus Stahl ist:


Na ja. Es war ein Werbegeschenk - also kein Geldverlust. Bei dieser Gelegenheit zeigt sich wieder der Vorteil täglicher Datensicherungen (auch von Wechselmedien): Was ich durch den Unfall verloren habe, ist lediglich ein fertiger Artikel für den Blog. Daher gibt es hier morgen statt des auf dem zerstörten Stick unerreichbaren Textes wieder mal einen Gastbeitrag. Ein gewisser Herr Rick Warren bekommt das Wort.

Mittwoch, 8. April 2009

Zur Belohnung...

...für die Lösung des Problems aus dem vorigen Beitrag schenke ich

dem Storch

dieses nette Haustier:


Falls er es nicht zu Hause halten möchte, kann es ja in den neuen Räumen der Jesus-Freaks in Remscheid heimisch werden. Da ist sicher noch ein Plätzchen zu finden. Übrigens ist es dressiert: Es folgt (meist) willig der Maus.

Die Storch-Lösung hat auf Anhieb funktioniert und war noch dazu kostenlos. Meinen Autoschlüssel hatte ich zur Hand.
Nagellackentferner und so weiter kostet ja alles Geld, auch der Erwerb der Taste für 2,95 Euro hätte uns in tiefe Schulden gestürzt. Die gebrauchte Tastatur hätte Portokosten verursacht. Wegen der verknoteten Finger wäre ein Arztbesuch (Eintritt 10 Euro) unumgänglich gewesen.

Trotzdem herzlichen Dank an alle gutwilligen und phantasievollen Ratgeber. Wenn's wieder mal ein Computerproblem gibt, weiß ich: Hier werden Sie geholfen.

Neue Tastatur?

Ich habe ein Problem. Beim Installieren eines Programmes forderte mich der Bildschirm auf: »Press any key«.

Nun hat meine Tastatur keine any-key-Taste. Da bin ich ganz sicher, ich habe sehr sorgfältig danach gesucht. Ich bin ratlos. Wo kann ich denn eine entsprechende Tastatur käuflich erwerben, damit die Installation des Programmes beendet werden kann?

Für sachdienliche Hinweise wird eine Belohnung ausgesetzt.

P.S.: Foto von www.medole.eu

Dienstag, 7. April 2009

Saarbrücken ist Missionsgebiet

Neulich nach dem hier bereits mehrfach erwähnten Konzert meinte die beste aller Ehefrauen auf dem Heimweg, sie hätte gerne einen Gospelsong von Bob Dylan gehört. Nun sind ja, da er »reemerged to find Jesus« ist und bleibt, viele der Lieder, die Bob Dylan vortrug, voller geistlicher Bilder und Bibelzitate, aber die »richtigen« Gospels hat er in Berlin ausgelassen.

Am Palmsonntag in Saarbrücken dagegen gab es gleich drei: Gotta Serve Somebody, Every Grain of Sand und I Believe in You. Hier die Setlist: Saarbrücken
Es gehört seit Jahren zur Tradition der endlosen Tour, dass bei Konzerten, die am Sonntag stattfinden, ein Gospel im Programm ist. Aber drei?
Vermutlich war His Bobness der Meinung, Saarbrücken müsse Missionsgebiet sein. Beim gestrigen Jogging fiel mir ein: Kein Wunder bei einer Stadt, aus der ein Oskar Lafontaine hervorgegangen ist ...

Spaß beiseite: Mitglieder bei Expecting Rain können das Konzert - wie alle anderen Mitschnitte der Tournee - herunterladen und auf diese Weise genießen, auch wenn sie nicht dabei waren.

Montag, 6. April 2009

Moderne Psalmen 7: U2

Magnificent!

Auf dem aktuellen Album »No line on the horizon« findet man diesen Psalm von U2, der mir seit dem ersten Anhören der CD im Kopf und Herzen geblieben ist. Mit »Lobpreismusik« im gängigen Sinne kann ich meist eher wenig anfangen, aber mit diesem Lied gelingt es auch mir, den Herrlichen singend zu verherrlichen.

Hier meine Übertragung des Liedes »Magnificent« in unsere Sprache:
Wunderbar, o wunderbar!

Ich wurde nur geboren, um mit Dir zusammen zu sein, in diesem Leben, dem Hier und Jetzt und dann in alle Ewigkeit.
Ich war unerfahren, unterbrach aus Unwissenheit den Reim - solche Narrheiten können ein Herz verfinstern und Trauer anrichten.

Nur die Liebe, nur die Liebe kann solch einen Eindruck hinterlassen, aber nur die Liebe kann eine solche Narbe heilen.

Ich wurde nur geboren, um für Dich zu singen, mir blieb keine Wahl, als Dich zu erheben und jedes Lied zu singen, das Du von mir haben willst.
Ich übereigne Dir erneut meine von Dir geschenkte Stimme, vom ersten Schrei im Mutterleib an waren es frohe Klänge.

Nur die Liebe, nur die Liebe kann solch einen Eindruck hinterlassen, aber nur die Liebe kann eine solche Narbe heilen.

Gerechtfertigt bis zum Tag unseres Todes werden wir den Herrlichen verherrlichen.

Nur die Liebe, nur die Liebe kann solch einen Eindruck hinterlassen, aber nur die Liebe kann unsere Herzen befreien.

Gerechtfertigt bis zum Tag unseres Todes werden wir den Herrlichen verherrlichen.

Wunderbar, o wunderbar!
Das Album gibt es derzeit für 4,89 Euro als Download im neuen Musik-Download-Portal und natürlich als »richtige« CD bei Amazon.

Hier eine Version von »Magnificent« aus dem US-Fernsehen:

Sonntag, 5. April 2009

Samstag, 4. April 2009

Gesetze im Wandel der Gesellschaft: Ehebruch

Bei Recherchen zum Thema Gesellschaftswandel ist Storch, Pastor in Remscheid, vor einiger Zeit auf ein interessantes Thema gestoßen: Sexualgesetze und deren Veränderung im Deutschland des 20. Jahrhunderts. Dabei ist er davon ausgegangen, »dass Veränderungen in der Gesellschaft sich in der Gesetzgebung niederschlagen, bzw. durch die Gesetzgebung abgeschlossen werden.«
Er hat einige Gesetze herausgegriffen, die als exemplarisch gelten können.
Ich fand den Blogbeitrag interessant und habe zunächst ein von ihm angeführtes Themenfeld mit dem biblischen Befund verglichen und einige ergänzende Recherchen unternommen. Vielleicht setze ich dies mit weiteren Themenfeldern fort, wenn es die Zeit erlaubt.

Dieser Beitrag ist als Denkanstoß zu verstehen. Er darf zum Widerspruch reizen und eine – gerne auch kontroverse – Beschäftigung mit dem Thema auslösen.
§172 StGB: Ehebruch
Heute verbietet der §172 nur noch die Doppelehe. Bis 1969 wurde allerdings in Deutschland Ehebruch mit bis zu 6 Monaten Gefängnis bestraft. Zwischen 1958 und 1966 gab es immerhin 1.365 Strafen wegen Ehebruchs. Seitdem ist Ehebruch nur noch zivilrechtlich verboten als »unerlaubte Handlung und als Verletzung der aus der Ehe folgenden Verpflichtung zur ehelichen Lebensgemeinschaft« . Auch ist seit dem Wegfall des Verschuldensprinzips zum 1. Juli 1977 Ehebruch allein kein hinreichender Scheidungsgrund mehr; vielmehr wird auf die Zerrüttung der Ehe abgestellt, die natürlich ihre Ursache auch in einem Ehebruch haben kann.
Grundsätzlich ist es nach wie vor auch durch den § 1306 BGB verboten, mehrere Ehen gleichzeitig einzugehen. Anders sieht es die Rechtsprechung bei Einwanderern, die bereits mit mehreren Ehefrauen verheiratet sind. Ein Oberverwaltungsgericht hielt es für unzumutbar, dass eine der beiden Frauen eines Irakers aus der Lebensgemeinschaft herausgelöst werden sollte.

Das biblische Verbot des Ehebruchs hat jedoch ganz andere Inhalte, als sie uns heute geläufigen. Noch während der Reformation riet Martin Luther Landgraf Philipp von Hessen, seine zweite Ehe der öffentlichen Ordnung willen geheimzuhalten, wenngleich er nichts Unbiblisches daran fand.

Luther hatte recht. Die Ehe als fundamentale gesellschaftliche Institution wird sogar in Bezug auf das Verhalten eines Ehemannes zu mehreren Ehefrauen im Alten Testament eingehend geregelt. So war die Mehrehe im biblischen Kontext nicht nur erlaubt, sondern sie wurde weithin als sichtbares Zeichen göttlichen Segens verstanden. Je mehr Frauen ein Mann hatte, desto deutlicher stand sein Leben unter dem Segen Gottes. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Salomo, der wohl die größte Anzahl von Frauen hatte, damit gegen Glaubensrichtlinien oder gar göttliche Gebote verstoßen hätte. Auch die Tatsache, dass Abraham mit seiner Magd (im Einvernehmen mit der Ehefrau und auf deren Vorschlag hin) einen Sohn zeugte, wird in der Bibel nicht getadelt, sondern lediglich der Beweggrund: Mangelnder Glaube, dass die betagte Sarah trotz göttlicher Verheißung noch schwanger werden könnte.
Es ist allerdings durchgehend so, dass ein Mann mehrere Frauen hat, der Fall, dass eine Frau mehrere Männer heiratet, ist im biblischen Befund nicht enthalten.
Auch Jesus verurteilte nie die Polygamie, sondern akzeptierte sie in seinen Auseinandersetzungen mit den Pharisäern und Sadduzäern, auch wenn sie damals wahrscheinlich in Jerusalem nicht die Regel war. Er verwies insbesondere darauf, dass sich bezüglich der Eheregeln durch seine Lehre gegenüber derjenigen von Moses (bei dem die Mehrehe geregelt und sanktioniert ist) keine Änderungen ergeben hätten. Im Neuen Testament ist es lediglich der von der Ehe nicht gerade begeisterte Junggeselle Paulus, der empfiehlt, dass zumindest die Führungspersonen in der Gemeinde »Mann einer Frau« sein sollten, statt mehrere Ehefrauen zu haben. Noch besser fände es Paulus allerdings, wenn alle ledig bleiben und sexuell enthaltsam leben könnten. Die Ehe ist für ihn ein notwendiges Übel, um Unzucht abzuwenden.

Von Ehebruch ist in der Bibel dann die Rede, wenn jemand mit jemandem schläft, der bereits verheiratet ist – also Mann oder Frau eines anderen Partners. Eines der prominentesten Beispiele ist sicher König David, der den Ehemann seiner Geliebten umbringen lässt, um seine sexuelle Beziehung vom Makel »Ehebruch« zu reinigen. Wenn die Frau Witwe ist, steht ja der Beziehung nichts mehr im Wege – meinte David. Und er hatte damit ja durchaus recht, allerdings hätte er natürlich weder den Ehemann töten lassen noch vor der Witwenschaft der hübschen jungen Frau Sex mit ihr haben dürfen.

Geschlechtsverkehr mit ledigen Menschen ist dagegen in der biblischen Begriffswelt Unzucht oder Hurerei und wird durchgehend als Sünde verstanden.
Nun wäre natürlich zu fragen, wann denn eine Ehe im biblischen Sinne geschlossen wird. Standesämter gab es genauso wenig wie kirchliche Hochzeitszeremonien. »Er nahm sie zur Frau«, lesen wir, oder dass ein Vater seine Tochter jemandem »zur Frau gibt«. Ein Ritual, einen bestimmten Moment, in dem das geschieht, kann man daraus ableiten, aber die Voraussetzungen und Umstände sind weithin offen. Auch das Alter der möglichen Eheschließung dürfte aus heutiger Sicht bei manchem Befremden auslösen: Von Volljährigkeit ist nicht die Rede.

Es gibt, zum Beispiel unter den Mormonen in den USA aber auch bei Christen in Afrika oder Indonesien, noch heute Lebensmodelle, die sich am biblischen Grundsatz der erlaubten Mehrehe orientieren. Ihr Argument unter anderem: »Gott ändert seine Meinung nicht. Es ist statthaft und ein Zeichen des Segens, noch dazu wirtschaftlich sinnvoll, wenn ein Mann, vorausgesetzt er kann für ihren Unterhalt sorgen, mehrere Ehefrauen hat.«
Die meisten Gläubigen hierzulande wären vermutlich entsetzt, wenn jemand auf die Idee käme, das Ehemodell in seiner biblischen Version einführen zu wollen. Wie sie dem Argument, dass Gott seine Meinung nicht ändert, begegnen würden, wäre spannend zu beobachten. Vermutlich würde Paulus zitiert, aber nur zur Hälfte, denn die andere Hälfte, dass am besten niemand heiraten sollte, ließe man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit beiseite.

Abschließend betrachtet: Der § 172 StGB hat in seiner Definition von »Ehebruch« mit dem biblischen Begriff kaum eine Übereinstimmung. Der Wandel in der Sexualgesetzgebung spiegelt den Wandel einer säkularisierten Gesellschaft, aber keine Abkehr von »biblischen Prinzipien«. Wir leben in dieser Gesellschaft und mit ihren Gesetzen, und es dürfte wohl eine gute Idee sein, sich daran zu halten. Ich bin also niemand, der eine Rückkehr zur Mehrehe vertreten würde. Allerdings kann ich sie auch nicht als »unbiblisch« klassifizieren.

Hat jemand von meinen männlichen Blogbesuchern mehrere Ehefrauen? Oder welche Blogbesucherin ist eine von mehreren Ehefrauen eines Mannes? Oder gibt es gar das Ehe-Modell einer Frau mit mehreren Männern?

Mehr zum Thema Polygamie: Wikipedia
Zum Bild: Jakob, Sohn des Isaak, trifft den Pastor - von johnbirch

Freitag, 3. April 2009

Eingerostet

Nach sehr langer Pause, und ich meine damit sehr sehr sehr lang, waren wir gestern im Abendsonnenschein wieder Joggen. Man macht sich ja keinen Begriff, wie schnell man einrostet ...
Ich kam mir vor wie ein Anfänger, und infolgedessen haben wir uns an einen Anfänger-Modus gehalten: 5 Minuten joggen, 3 Minuten gehen, 5 Minuten joggen, 3 Minuten gehen und so weiter. Nun ja, das war einigermaßen machbar und erträglich.
Aber dennoch: Die Waderln zwickten, das Herzerl bumperte, das rechte Knie protestierte, die Lunge meldete Bedenken an.

Dennoch lautet der Beschluss: Wer bestimmt hier eigentlich, das Knie oder ich? Die Waderln oder ich? Also wird nun wieder regelmäßig etwas für die körperliche Ertüchtigung getan. Ich bin gespannt, wie schnell oder langsam die alte Form erreichbar sein wird.

Donnerstag, 2. April 2009

Dylan in Berlin - Kurzbericht

Mein Konzert-Telegramm:

Ort und Zeit: Berlin, Germany, Max Schmeling Halle, 1. 4. 2009, 20:00 Uhr - 22:00 Uhr

Das Konzert beginnt mit 12 Minuten Verspätung, weil die Halle zu wenige Eingänge hat, um die Menschen rechtzeitig durch die Kontrollen zu schleusen.

Die Setlist:

01. The Wicked Messenger (Bob spielt Keyboard)
02. When I Paint My Masterpiece (Bob spielt Mundharmonika in der Bühnenmitte)
03. You Ain't Goin' Nowhere (Bob spielt Gitarre)
04. The Levee's Gonna Break (Bob spielt Keyboard und Mundharmonika)
05. My Back Pages (Bob spielt Keyboard und Mundharmonika)
06. Things Have Changed (Bob spielt Keyboard)
07. Tweedle Dee & Tweedle Dum (Bob spielt Mundharmonika in der Bühnenmitte)
08. Beyond The Horizon (Bob spielt Keyboard und Mundharmonika)
09. Stuck Inside Of Mobile With The Memphis Blues Again (Bob spielt Keyboard und Mundharmonika)
10. Love Sick (Bob spielt Keyboard)
11. Highway 61 Revisited (Bob spielt Keyboard)
12. Workingman's Blues #2 (Bob spielt Keyboard)
13. Thunder On The Mountain (Bob spielt Keyboard)
14. Like A Rolling Stone (Bob spielt Keyboard)

Die übliche »Wir sind jetzt weg, kommen aber noch mal wieder« Konzertunterbrechung

15. All Along The Watchtower (Bob spielt Keyboard)
16. Spirit On The Water (Bob spielt Keyboard und Mundharmonika)

Bobs große Ansprache: Thank you friends, I wanna introduce my band right now ...

17. Blowin' In The Wind (Bob spielt Keyboard und Mundharmonika)

Meine Eindrücke:

Die Soundqualität war passabel, lediglich beim ersten Song kämpften die Jungs am Mischpult (wir saßen direkt hinter ihnen) verbissen darum, Bob Dylans Stimme aus dem Sound herauszuholen. Wer den Song nicht kannte, verstand kein Wort. Beim Wicked Messenger gelangen die Einstellungen noch nicht, erst nach dem ersten Vers von Masterpiece stimmte der Sound.

Besonders herausragend: You ain't going nowhere, Love sick und dank der Gitarre All along the watchtower. Irgendwo auf der Bühne muss unerkannt Jimi Hendrix gespielt haben. Die beste Watchtower-Version die ich in vielen Jahren gehört habe.

Nicht gefallen hat mir Workingman Blues #2, das Lied passte irgendwie nicht in den ansonsten stimmigen und runden Ablauf. Auch die Band wirkte plötzlich unsicher oder bemüht, irgendwie in den Song heineinzufinden, und Bobs Stimme wurde zunehmend gelangweilt. Er verfiel gar in das gefürchtete Nuscheln. Zum Glück nur bei diesem einen Lied.

Alles übrige war hervorragend gespielt und zum Teil, wie erwartet, unerwartet neu arrangiert. Bob Dylan war recht gut aufgelegt, spielte mit Stakkatoeinlagen und erfand neue Melodieführungen, verwarf sie, erfand wieder neue, blieb dabei, spielte wieder mit der Melodie, schien zu experimentieren - alles andere als gelangweilte Routine. Es war spannend, es war unterhaltsam, es hat Spaß gemacht.
Die Band ist hervorragend, vor allem Tony Garnier am Bass, der das ganze Geschehen auf der Bühne im Griff hat und gnadenlos gut mit seinen Instrumenten umzugehen versteht.

Danke für den wunderbaren Abend, Bob!

P.S.: Nachtrag um 14:15 Uhr - Ganz anders sieht das mit dem Workingman Blues #2 Nic: Bob Dylan in der Schmeling-Halle
P.P.S.: Illegales Foto von Nic - frech von mir gemopst. In größerem Format dort zu finden.