Freitag, 18. September 2009

This Song Will Never Be On The MTV

Ich hatte mal via Blog nachgefragt, ob jemand meine uralte musikalische Untat mit dem hübschen Titel This Song Will Never Be On The MTV hören möchte. Die überwiegende Mehrheit der Abstimmenden wollte sich das gerne antun.

Geschrieben habe ich das Lied, als ich noch John Matthews, der Musiker, war. Auf MTV lief gerade They don't care about us von Michael Jackson, es wird wohl im Jahr 1995 gewesen sein. Als dann der Piepston kam, der ein schmutziges Wort überdeckte (MTV wollte damals noch sauber sein und bleiben), überlegte ich, ob man nicht einen Song schreiben könnte, der so viele dirty words enthält, dass er auf MTV nicht laufen könnte, weil dann mehr Piepsen als Musik zu hören wäre.

Ich schrieb den Song und nahm ihn via Multitracking ohne meine Band auf, lediglich am Anfang und Ende hat Pras (von den Fugees) mit seinem Get out of here! 'Scuse me mitgeholfen.
Aufgeführt haben wir das Ergebnis, dem ich neben dem eigentlichen Titel auch den putzigen Kurznamen No MTV gab, nie. Irgendwie war meine Band Rock of Life wohl zu sauber für solche Ungeheuerlichkeiten. Aber die Tonkonserve hat überlebt.

Bevor nun jemand die Ohren spitzt, als weitere Warnung für empfindliche Gemüter der Text, selbstverständlich in der jugenfreien Version mit Sternchen:
... get out of here! Get out of here! 'Scuse me.

This song, this song will never be on the MTV, on the MTV
This song, this song will never be, never ever will it be on the MTV
Too many f*cking dirty words, you see, that's why it can't be on the MTV
So many many dirty words from me, it will never ever make it to the MTV

F*ck this f*cking motherf*cker, tell him to f*ck off and f*ck with another
He can pee on someone else's knee, he should f*cking better let me be
I don't give a sh*t about it, bullsh*t, I just wanna get rid...

This song, this song will never be...

He can't take my f*cking chick from me and think that I'll just let it be
I'm gonna beat his f*cking sh*t out, gonna cut his c*ck off and twist and shout
He will see how I will make him regret that he ever did take
A second look at my f*cking chick. I'll give him the butt-kickin' trick

This song, this song will never be...

Dirty words, dirty words ...
Listen, motherf*cker, listen, motherf*cker ...

F*ck this f*cking motherf*cker, tell him to f*ck off and f*ck with another
He can pee on someone else's knee, he should f*cking better let me be
I don't give a sh*t about it, bullsh*t, I just wanna get rid
Of him and he can kiss my ass, f*ck him and sh*t on him at last
He can't take my chick from me and think that I'll just let it be
I'm gonna beat his f*cking sh*t out, gonna cut his c*ck off and twist and shout
He will see how I will make him regret that he ever did take
A second look at my f*cking chick. I'll give him the butt-kickin' trick

This song, this song will never be...

'Scuse me!
Will man das wirklich hören? Tatsächlich? Wirklich? Ohne die ganzen Sternchen im Text? Ohne Piepstöne über den dirty words? Na bitte, dann hier klicken, auf eigene Gefahr:


So. Wer gehört hat, darf bewerten:


Na, wie war der Song?
Pfui!
Aber hallo!
Na na na...
Hüstel.
Äh - welcher Song?
Jetzt sind meine Lautsprecher kaputt!
Genial!
Auswertung


Donnerstag, 17. September 2009

Erweckung umgeleitet!

Ich war nicht dabei, aber ein glaubwürdiger Ohrenzeuge hat berichtet, dass am letzten Sonntag in einer freikirchlichen Gemeinde, in der seit Monaten Jahren die große Erweckung angekündigt wird, eine Umleitung bekannt gegeben wurde.

Bisher hieß es, und das habe ich oft selbst gehört, unter anderem auch von eingeflogenen Propheten wie von Herrn Chuck Pierce Ende 2008, die Erweckung würde in Berlin beginnen. In der betreffenden Gemeinde natürlich. Von dort aus sollte sie sich dann in Deutschland und Europa ausbreiten.

Am letzten Sonntag wurde nun verkündet, dass die Erweckung in Polen beginnt und dann von dort nach Berlin kommt.

Nun gut. Dann eben Polen statt Berlin. Richten wir nun alle die Augen auf Warschau? Oder regnet es eher in der Provinz Erweckung? Womöglich, falls die Erweckung nicht vom Himmel geregnet sondern über das Wasser geschwappt kommt, wäre Danzig the place to be? Soll man schon Flüge buchen oder Bahntickets reservieren? Das Auto lässt man ja wohl besser (einstweilen) diesseits der Grenze.

Oder hat am Ende Leonard Cohen recht? First we take Manhatten, then we take Berlin.

Wir werde es sehen. Oder auch nicht. Jedenfalls ist der von Herrn Chuck Pierce Ende 2008 genannte Februar 2009 als Erweckungshereinbrechtermin genauso vorbei wie der vorsichtshalber angehängte Verspätungserweckungsausbruchsmonat April 2009. Aber egal, denn eigentlich, den Prophetien in jener Gemeinde gemäß, hätte die Erweckung ja schon 2008, 2007, 2006 ...

P.S.: Hätte ich hier noch ein anderes Schild aufstellen sollen? Vorsicht Realsatire!

Dienstag, 15. September 2009

Gott verstehen

Ich fühle mich nicht zu dem Glauben verpflichtet, dass derselbe Gott, der uns mit Sinnen, Vernunft und Verstand ausgestattet hat, von uns verlangt, dieselben nicht zu benutzen. -Galileo Galilei
Mancher behauptet von sich, Gott zu verstehen. Daraus leitet er dann Rezepte und Anleitungen ab, wie der Rest der Menschheit Gott verstehen kann und soll.
Womöglich haben solche Gottversteher Erlebnisse gehabt und Erfahrungen gemacht, die durchaus echt sind. Anschließend gehen sie davon aus, dass ihnen ein Wissen zuteil geworden ist, das sie nun weitergeben sollen und müssen.
Ich halte es gar nicht für verkehrt, von solchen Ereignissen zu berichten, gefährlich wird es nur dann, wenn aus der persönlich erlebten und zutreffenden Erkenntnis etwas entwickelt wird, was allgemein verbindlich sein soll.
Warum sich über das Verstehen Sorgen machen? Wenn Du es verstehst, ist es nicht Gott. -Augustinus von Hippo
Gott lässt sich nicht so einfach in die Form zwängen, die wir ihm, den jeweiligen Umständen gemäß, gerne geben wollen. Nein, Moment mal, das ist falsch. Er lässt sich überhaupt nicht in Formen zwängen.

Der sprichwörtliche kindliche Glaube an den »lieben Gott« - wenn er im Leben nie erschüttert wird, dann kann man den Menschen, dem ein solches Leben beschieden ist, nur für einen ausgesprochenen Glückspilz halten. Doch das dürfte die Ausnahme sein. Die meisten Menschen werden irgendwann - und meist mehr als einmal - feststellen, dass Gott nicht so handelt, wie wir es gerne hätten oder wie er unserem Gottesbild gemäß eigentlich handeln müsste.
Selbst derjenige, dem selbst nichts derartiges widerfährt, muss zum Beispiel angesichts dessen, was William Stearns beziehungsweise seiner Familie zugestoßen ist, nachdenklich werden:

William und Amy Stearns sind die Autoren des Buches »2020 Vision: Amazing Stories of What God Is Doing Around the World«, neben zahlreichen anderen Publikationen. Sie haben weltweit Gemeinden gegründet und Mitarbeiter geschult, sind beteiligt an Projekten, die Menschen in der missionarischen Arbeit schulen. Vor einem Jahr konnten William und Amy nach glücklicher, aber lange kinderloser Ehe endlich und überraschend zwei Kinder adoptieren. Dann folgte eine Augenoperation, die William vor dem Erblinden bewahrte. Am 1. Juli 2009 wurde ein Hirntumor diagnistiziert, der schnell aggressiv wurde. Am 3. September bat Amy Freunde um Gebet, weil sich der Tumor auf das Gedächtnis und die Wortfindung auszuwirken begann - für William als Autor eine Katastrophe. Dann ging es sehr schnell, er starb vor wenigen Tagen. Zurück bleiben seine Frau, die beiden kleinen Kinder und viele Pläne für Missioneinsätze und Schulungen, die der Tod zertrümmert hat. (Mehr dazu bei Kerstin Hack: Trauer)

Im Grunde hat man zwei Möglichkeiten, wenn Gott mit seinem Handeln oder Nichthandeln unverständlich ist. Man kann entweder dem Verstand vertrauen und folglich nicht mehr an Gott glauben, oder man entscheidet sich, trotzdem und weiter an den zu glauben, der so unbegreiflich ist.
Dazu muss man den Verstand noch nicht einmal ausschalten, sondern im Gegenteil sogar benutzen. Man muss nämlich verstehen, dass Gott nicht zu verstehen, aber dennoch da und sogar bei uns ist.
Natürlich passt das nicht zur einfältigen »Theologie«, die von vielen Menschen verkündet wird, von solchen nämlich, die Rezepte parat haben, wie Gott »funktioniert«.
Diese Leute würden sagen, dass Amy und William Stearns »nicht genug Glauben« hatten, oder dass da eine »verborgene Sünde« das heilende Eingreifen Gottes verhindert hat. Sie würden, die deutsche Sprache verhunzend »Unvergebenheit« wittern oder zum letzten Strohhalm greifend behaupten, dass William durch diesen unzeitigen Tod »vor Schlimmerem bewahrt« wurde. So kann man nämlich den Schwarzen Peter ganz bequem weiterreichen und das eigene Glaubenskonstrukt bleibt stehen.
Falls Gott die Welt geschaffen hat, war seine Hauptsorge sicher nicht, sie so zu machen, dass wir sie verstehen können. -Albert Einstein
Mir sind Menschen wie Reinhard Bonnke lieber. In seiner zum Jahresende 2009 erscheinenden Autobiographie schildert er zahlreiche Heilungswunder, die seinen evangelistischen Dienst begleiten. Genauso schildert er den langsamen und für die ganze Familie qualvollen Tod seiner eigenen Mutter, die trotz jahrelanger Gebete keine Heilung erlebte. Er schildert auch die schleichende Krankheit seines eigenen Bruders, die sich nicht aufhalten lässt; beim Erscheinen des Buches ist sein Bruder, schreibt Bonnke, vermutlich bereits tot. Es ist der gleiche Reinhard Bonnke mit dem gleichen Glauben, der für die Mutter, den Bruder und diejenigen betet, die tatsächlich geheilt werden. Er schreibt unumwunden und ehrlich, dass er Gott nicht versteht. Und glaubt immer noch. Und geht weiter hinaus, um das Evangelium zu verkünden.

Ich nehme mir lieber an solchen Menschen - ob nun prominent wie Bonnke oder nicht - ein Beispiel, als an Gottverstehern, die ihre famosen Rezepte aus der Tasche ziehen und alles wissen. Oder zu wissen meinen.

Montag, 14. September 2009

Freundschaftliche Langeweile

Die Plauderstunde mit Frau Merkel und Herrn Steinmeier gestern zur besten Sendezeit war ja nun tatsächlich das, was allerlei Auguren vorher prophezeit hatten: Ausgesprochen langweilig.

Was sollte man auch anderes erwarten von zwei gebildeten und zivilisierten Menschen, die in weiten Bereichen das Gleiche wollen und vier Jahre hervorragender Zusammenarbeit hinter sich gebracht haben.

Allerdings hätten womöglich Moderatoren, die interessantere Fragen stellen und die etwas besser vorbereitet sind, mehr aus den 90 Sendeminuten machen können. Doch diesen vier Gestalten fiel nichts anderes ein, als den Standard abzuhaken: Steuern rauf oder runter? Atomkraft? Böse Banker und Manager? Opel? Krankenkassenhabsucht? Afghanistan?

Alles Bereiche, bei denen jeder auch nur flüchtige Zeitungsleser oder Nachrichtenhörer längst verstanden hat, dass SPD und CDU das gleiche wollen, lediglich mit unterschiedlichen Nuancen. Die Steuern wollen beide Parteien (in unterschiedlichen Prozentzahlen) senken, um Arbeitsplätze zu schaffen. Aus der Atomkraft aussteigen wollen beide Parteien, die SPD mit festem Datum, egal ob Alternativen da sind, die CDU erst dann, wenn es ausreichende andere Energiequellen gibt. Habgierige Banker und Manager finden Steinmeier wie Merkel zum Kotzen, und beide wissen, dass in einem Rechtsstaat mit Marktwirtschaft nicht so einfach die Regierung bestimmen kann, wer wann welche Zahlungen einkassiert. Für Opel haben beide Parteien gemeinsam gekämpft, obwohl Steinmeier sich bei diesem Thema die einzige Frechheit des Abends erlaubt: »Stellen Sie sich vor, Schwarz-Gelb hätte regiert - dann wäre Opel heute mausetot.« Darauf antwortet Merkel nicht direkt, wozu auch. Jeder Zuschauer weiß sowieso, dass das Unfug ist, denn die FDP wird ja auf absehbare Zeit nicht allein regieren können oder den Kanzler stellen ...

Na ja. Fernsehen eben, öffentlich rechtliches, gekoppelt mit zwei schon von Haus aus niveauloseren Kommerzkanälen. Moderatoren, die sonst mit seichter Unterhaltung zu tun haben müssen, sonst wären sie nicht dermaßen ahnungslos und weichgespült in die Sendung gegangen. Und zwei Kandidaten, die mit Recht auf ihre bisherige Zusammenarbeit stolz sein dürfen. Was will man da schon erwarten außer Langeweile? Eben.

Foto: stern.de

Samstag, 12. September 2009

† Frieda Ryklik

24.10.1940 - 11.09.2009

friedaryklik1 Der Tod einer Mutter ist der erste Kummer, den man ohne sie beweint.
-Jean Antoine Petit-Senn

Meine Schwiegermutter Frieda Ryklik war Lehrerin. Nicht nur im Berufsleben vor ihrer Pensionierung, sondern auch mit Herz und Seele in der Familie. Zu Gesprächen, Erlebnissen und Ereignissen gab sie ihr Wissen und ihre Meinung kund, jedoch immer auf liebvolle und respektvolle Weise, selbst wenn sie Korrektur der anderen für nötig hielt.

Ihre festen Überzeugungen, Hilfsbereitschaft, Verlässlichkeit und Glaubenskraft – das waren für mich ihre hauptsächlichen Eigenschaften. Sie ließ sich in ihrem Vertrauen auf Gott auch nicht beirren, als ihr Ehemann im Februar 2007 durch die gleiche tückische Krankheit von ihrer Seite gerissen wurde, die nun auch zu ihrem Tod geführt hat. Ihre Glaubensfestigkeit hielt in ihren letzten zweieinhalb Jahren ohne ihren Mann. Ihr Glaube war sogar stark genug für die letzten zehn Monate, in denen der Krebs trotz aller medizinischen Maßnahmen, Gebete und Hoffnungen, Glaubensschritte und -bekundungen rapide ihren Körper vernichtete. Die letzten Wochen ihres Lebens waren qualvoll und schrecklich; dennoch hielt Frieda an Gott fest, bis zuletzt.

Viele Menschen hofften, glaubten und beteten mit ihr und für sie, vergeblich. Sie gab auch in ihren letzten Tagen nicht auf. Sie wollte gesund werden, wollte sich nicht von der Krankheit besiegen lassen, hatte noch viele Pläne für die Zukunft, wollte unter anderem nach der Genesung erzählen und berichten, wie sie Heilung am eigenen Leib erlebt hatte.

Ihre und unsere Hoffnung auf einen Sieg über den Krebs wurde am 11. September 2009 in den Morgenstunden vernichtet.

Wir sind sehr traurig. Frieda hinterlässt eine Lücke in der Familie und in unseren Herzen, die nicht zu schließen ist, aber ich bin dankbar für die Jahre, die ich sie kennen durfte, dankbar für die Aufnahme in den Kreis ihrer Lieben, die Freundschaft, die vielfältige Hilfe und Unterstützung, die sie wieder und wieder bewiesen hat.

Uns bleibt nur der Trost, dass Sie nun von den Qualen und Schmerzen erlöst meinem Schwiegervater in eine bessere Ewigkeit ohne Tränen und Leid folgen durfte.

Freitag, 11. September 2009

9/11 - acht Jahre sind vergangen

Der 11. September 2001 ist bis heute vielen Menschen weltweit in schrecklicher Erinnerung, auch ich habe die Stunden nicht vergessen, in denen ich fassungslos die Bilder und Berichte aus Amerika verfolgt habe.

Niemand kann die Uhr zurückdrehen auf die Zeit vor den Anschlägen von Islamisten auf die Demokratie, auf die freie westliche Welt. Man kann aber versuchen, Misstrauen und Hass zwischen Religionen, Kulturen und Völkern zu beseitigen, wo sie uns im Alltag, in unserer Nachbarschaft begegnen. Man kann versuchen, den radikalen Kräften ihren Rückhalt in der jeweiligen (auch eigenen) Bevölkerung zu entziehen, indem Verständnis und Sympathie geweckt und gefördert werden, wo immer es geht. Das gilt nicht nur für den Islam, sondern auch für viele andere Gruppierungen, die Hass schüren und auf Terror aus sind.

Es kann tatsächlich jeder von uns Frieden schaffen helfen, nicht nur Politiker und Aktivisten. Wer seinem Nachbarn, der »anders« ist, mit Freundlichkeit, Achtung und Hilfsbereitschaft begegnet, der tut mitunter mehr zur Vermeidung von künftigen Terrorangriffen als derjenige, der öffentlich große Reden hält.

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Donnerstag, 10. September 2009

Sorgfalt bei der Pressearbeit? Nö.

Die Deutsche Presse-Agentur dpa meldete heute morgen um 9:38 Uhr:

Los Angeles (dpa) – In der kalifornischen Kleinstadt Bluewater soll es nach einem Bericht des örtlichen Senders vpk-tv zu einem Selbstmordanschlag gekommen sein. Es habe in einem Restaurant zwei Explosionen gegeben, berichtete der Sender. Die Polizei sei im Einsatz und habe das Restaurant evakuiert. Ob Menschen zu Schaden kamen, sei unklar. Das Restaurant wirkte auf ersten Bildern nicht zerstört. Die Täter wurden von dem Sender als arabisch-stämmig beschrieben.

Um 9:59 Uhr ergänzte die Nachrichtenagentur ihre Meldung mit:

Ein Sprecher der Feuerwehr in der Kleinstadt Bluewater an der Grenze zum Bundesstaat Arizona bestätigte der Deutschen Presse- Agentur dpa, dass es in einem Restaurant zwei Explosionen gegeben habe. Sie hätten sich gegen 2300 Uhr Ortszeit (0800 MESZ Donnerstag) ereignet.

Um dann um 10:06 Uhr alles zu dementieren:

Los Angeles (dpa) – TV-Berichte über einen Anschlag in der kalifornischen Kleinstadt Bluewater scheinen falsch zu sein. Ein Polizeisprecher in Bluewater dementierte, dass es einen Anschlag gab. Vermutlich habe es sich um einen gefälschten Bericht gehandelt.

Passiert ist: gar nichts. Berichte über den Anschlag gibt es nach der Meldung durch die dpa: einige.

Gehen wir auf die Suche nach dem TV-Sender "vpk-tv", der von der dpa als Quelle genannt wird. Wer auf Google oder Bing nach "vpk-tv" sucht, findet den Sender nicht. Vielleicht aber stösst er auf den Wikipedia-Eintrag KPVK-TV, der gestern, am 9. September 2009, angelegt wurde. Dort wiederum findet sich ein Link zur Website vpk-tv.com, wo gleich ein Video in Endlosschlaufe startet, das, was für ein Zufall, ein Selbstmordattentat in Bluewater, Kalifornien zum Thema hat.

In diesem Video tritt eine Nachrichtensprecherin auf, die einen aufgeregten Bericht ansagt, in dem Reporter, Polizisten, Opfer und sogar Täter vorkommen. Es wird erklärt, dass sich eine deutsche Gruppe von Rappern namens "Berlin Boys" in einem Video im Internet zur Tat bekannt hätten. Das Video gibt es tatsächlich, bereits seit gestern ist es auf MySpace und auch auf YouTube zu sehen.

Es fragt sich, warum denn ein "Sprecher der Feuerwehr in der Kleinstadt Bluewater an der Grenze zum Bundesstaat Arizona" der dpa bestätigte, dass es um 23 Uhr Lokalzeit zwei Explosionen gegeben habe. Auf der Website bluewatercity.com steht im Abschnitt "Public Safety" eine Telefonnummer der Feuerwehr (weit wichtiger und grösser darüber die "Mosquito & Vector Control"). Hat der dpa-Journalist diese angerufen?

Leider ist die Domain bluewatercity.com (whois.net) so echt wie vpk-tv.com (whois.net), nämlich gar nicht. Beide Websites wurden am 29. Juni 2009 registriert, lediglich die Adressen und die E-Mails unterscheiden sich, die Fax-Nummer ist sogar die Gleiche.

Doch auch ohne diese Indizien könnte man zum Schluss kommen, dass es diesen TV-Sender gar nicht gibt. Denn aus all diesen Quellen (inklusive den Videos der angeblichen Rapgruppe "Berlin Boys") schreit ein Wort: Fälschung! Es gibt keine Quelle, die tatsächlich für ein einigermassen geübtes journalistisches Auge so aussieht, als wäre sie echt. Auf amerikanischen Nachrichtenseiten ist auch nichts dazu zu finden. In Deutschland hingegen verbreitet sich die Meldung noch immer, der dpa und ihren blinden Kopierern wegen. Als unter Dutzenden herausgepickte Beispiele sind welt.de, morgenpost.de, nordsee-zeitung.de, sz-online.de oder das wiesbadener-tagblatt.de zu nennen.

Auf Twitter produzieren die Nutzer @JFKindling (erste Twitter-Nutzung: 16. Juni 2009), @kimmieblu (erste Twitter-Nutzung: 26. Mai 2009) und @NormanKlein75 (erste Twitter-Nutzung: 23. Juni 2009) die Berichterstattung zum Stichwort #bluewater im Alleingang.

Von dort aus verlinkt wird ein Augenzeugenbericht auf YouTube, angelegt vom Nutzer KindlingerEscapePlan, der bisher noch nie ein Video hochgeladen hatte.

Um 10:48 Uhr, als allen schon klar ist, dass es sich bei der Meldung nur um eine virtuelle Realität handelt, kommt eine weitere dpa-Meldung:

Los Angeles (dpa) – Entwarnung in der kalifornischen Kleinstadt Bluewater: Am späten Mittwochabend (Ortszeit) berichtete der örtliche Sender vpk-tv, es habe einen Selbstmordanschlag in dem Restaurant Artisan Diner gegeben. Die Täter seien arabisch-stämmig.

Nach einer Stunde stand fest, es war ein böser Scherz: Drei deutsche Rapper hätten sich Bombenattrappen umgebunden und seien in das Restaurant gestürmt, um Medienaufmerksamkeit zu erlangen. Die Behörden kündigten ein hartes Vorgehen gegen die Deutschen an, berichtete der Sender.

Ein Sprecher der örtlichen Polizei bestätigte der Deutschen Presse-Agentur dpa, dass die drei Männer festgenommen wurden. Details des Vorfalls seien weiterhin nicht ganz klar. Es habe jedenfalls keine echte Explosion gegeben.

(Achtung Redaktionen: Bei den drei deutschen Rapper soll es sich nach Angaben des Senders um die Berlin Boys handeln. Die weitere Berichterstattung läuft im Ressort Vermischtes)

Warum sich die dpa auch im dritten Bericht noch auf einen "örtlichen Sender" verlässt, den es offenkundig gar nicht gibt, ist ein Rätsel. Ebenso liegt noch im Dunklen, wer der dpa von der angeblichen Festnahme von drei Männern erzählte.

Vor zwei Tagen meldete die dpa, sie wolle sich künftig zunehmend für User Generated Content öffnen. Warum? Das ist doch, wie sich heute gezeigt hat, längst der Fall.

Dieses Lehrstück in Sachen journalistische Sorgfalt gab es heute. Selbst seriöse Medien wie »Die Zeit« fielen auf die Falschmeldungen herein.
Es scheint, dass der Wettlauf um die schnellsten Schlagzeilen im Internet (und damit zur besten Google-Platzierung) zu immer mehr Fahrlässigkeit bei den Journalisten führt.

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... Nur an Jesus sollte man schon glauben.


Zur Zeit habe ich ein 14tägiges kostenloses Probeabonnement der Berliner Tageszeitung »Der Tagesspiegel« - also eine »richtige« Zeitung, auf Papier gedruckt und so weiter.
Eben fand ich auf Seite 18 der heutigen Ausgabe einen fast ganzseitigen und rundum positiven Bericht über die Berliner »Jesus Freaks«.
Sehr gut recherchiert, sehr fair geshrieben. Lesenswert: Der Tagesspiegel über die Jesus Freaks Berlin

Posted via web from gjm's posterous

Der Berliner und die Kanzler-Direktwahl

Natürlich kann keiner, auch nicht der Berliner, den Kanzler direkt wählen. Aber da es bei der Frage »wen würden Sie wählen« um die Beliebtheit der beiden Spitzenkandidaten geht, offenbart die neueste Umfrage in Berlin erstaunliche Präferenzen.
Dass bei Schwarz & Gelb die Kanzlerin vorne liegt, verwundert ja nicht weiter. Jedoch: Mehr als ein Drittel der Anhänger der SED-Nachfolgepartei und fast ein Drittel der SPD-Freunde würden Frau Merkel vorziehen, und die Grüngefärbten sind halbe-halbe gestimmt.

Kommunisten Linke, Grüne und Sozialdemokraten, die Merkel vorziehen? Nanu? Aber hallo! Irgendwas muss der Herr Steinmeier wohl falsch machen? Oder seine Partei? Oder wie jetzt?

Posted via web from gjm's posterous