Mittwoch, 9. September 2009

Auch kein Patentrezept: Gesund ohne Glauben

Über Sinn und Unsinn von Patentrezepten mit Wirkungsgarantie kann man geteilter Meinung sein.
Die einen lieben solche Rezepte, weil sie reichlich Geld damit verdienen: »Ihr Leben wird sich lohnen, wenn Ihr Penis ein Stück wächst«, »Mit uns wachen Sie gesund auf, auch wenn sie krank ins Bett gehen«, »So bekommen Sie jetzt ein Beförderung«… - einige Beispiele aus dem Spam-Ordner von heute.
Die anderen sind genervt, weil sie wissen, dass derartiger Unsinn nicht zur versprochenen und teuer bezahlten Wirkung führt.
Und dann gibt es offenbar auch noch diejenigen, die auf solche Rezepte hereinfallen – sonst wären die diesbezüglichen Anbieter längst pleite.

Jedoch nicht jeder, der Patentrezepte verteilt, ist ein Gauner. Es gibt zwar einerseits die knallhart kalkulierenden Geschäftemacher, aber es gibt auch diejenigen, bei denen etwas funktioniert hat, und die nun ihr Erlebnis oft genug in gutem Glauben als Rezept anpreisen, das für alle Menschen funktioniert. Auch in manchen christlichen Kreisen findet man solche und solche Rezeptverkünder. Zum Beispiel: »Jede Krankheit wird geheilt, wenn XXX und YYY gegeben sind«. Entweder XXX oder YYY wird in der Regel so umschrieben, dass »genug Glaube« vorhanden sein muss.

Im Johannesevangelium findet sich ein Text, der solche Thesen ad absurdum führt. Es gibt weiterte ähnliches aussagende Bibelpassagen, dieser ist jedenfalls schön eindeutig. Kapitel 5, 1-9:
(1) Danach war ein Fest der Juden, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem. (2) Es ist aber in Jerusalem beim Schaftor ein Teich, der heißt auf Hebräisch Betesda. Dort sind fünf Hallen; (3) in denen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Ausgezehrte. (5) Es war aber dort ein Mensch, der lag achtunddreißig Jahre krank. (6) Als Jesus den liegen sah und vernahm, dass er schon so lange gelegen hatte, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden? (7) Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt; wenn ich aber hinkomme, so steigt ein anderer vor mir hinein. (8) Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin! (9) Und sogleich wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin. Es war aber an dem Tag Sabbat.
Jesus stellt eine ganz einfache Frage, auf die eine ganz einfache Antwort möglich wäre. »Willst du gesund werden?«
Darauf reicht ein simples »Ja« oder »Nein«.
Statt dessen gibt jedoch der Kranke eine längere Erklärung ab: »Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt; wenn ich aber hinkomme, so steigt ein anderer vor mir hinein.«
Eine etwas irritierende Antwort auf die einfache Frage, ob der Mann gesund werden möchte oder nicht.

Ach ja, noch etwas ist hier irritierend: Wo ist eigentlich Vers 4 geblieben? Normalerweise kommt in der Bibel nach einem Vers 3 und vor einem Vers 5 ein mit der 4 nummerierter Textteil. An dieser Stelle in den meisten Übersetzungen nicht. Man findet ihn allerdings bei Luther und in der Elberfelder als Fußnote, da steht dann nämlich:
… lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Ausgezehrte und warteten auf eine bestimmte Bewegung des Wassers, (4) denn von Zeit zu Zeit kam ein Engel des Herrn und bewegte das Wasser. Und wer danach als Erster ins Wasser stieg, wurde geheilt.
Mit dieser (umstrittenen und deshalb in vielen Bibelausgaben nicht enthaltenen) Ergänzung scheint dann die Antwort des Kranken schon etwas verständlicher zu sein. Er sagt sinngemäß: »Ich würde ja wollen, sonst läge ich nicht hier an diesem Tümpel herum, und wenn du die Umstände kennen würdest, hättest du nicht solch eine komische Frage gestellt. Man muss darauf warten, dass da ein paar Wellen schwappen und dann der erste im Wasser sein. Ich habe einfach keine Chance, und je länger ich hier krank herumliege, desto schwächer werde ich.«

Das Ganze ist schon eine absonderliche Episode im Johannesevangelium. So eine Art Wettlauf: Der erste wird geheilt, egal welches Gebrechen ihn plagt, der Pokal für den besten Sprinter ist Gesundheit. Silber- und Bronzemedaillen gibt es leider nicht. (Manch ein Theologiegebäude müsste bei solchen Texten in sich zusammenstürzen.)

Doch zurück zum Gespräch am Teich. Wie mag der Kranke sich gefühlt haben? 38 Jahre wartet er krank in Betesda, mit der Hoffnung, dass ihn irgendwann jemand freundlicherweise als ersten ins Wasser trägt. Pustekuchen, wer von den Kranken laufen kann, wird selbst lossprinten, sobald sich da etwas im Teich bewegt – schließlich liegt hier niemand aus Barmherzigkeit auf der Lauer, sondern weil er selbst ein Leiden hat.
Und nun kommt dieser Unbekannte und fragt den Mann, ob er geheilt werden möchte oder nicht.
Eigentlich eine angesichts der Situation ziemlich unangebrachte Frage, auf die man nicht unbedingt überhaupt antworten muss. Vermutlich hat er aber aus der Stimme des Fragenden Mitleid, Anteilnahme herausgehört, womöglich hat er das auch als Motivationsversuch eines Unwissenden verstanden: »Reiss dich mal zusammen, warum liegst du hier nach 38 Jahren immer noch krank herum?«
Daher seine defensive Erklärung, die man ihm ja nicht vorwerfen kann: »Hey, Moment mal, mich trägt ja keiner runter zum Wasser und bis ich selbst hingekrochen bin, ist es zu spät. Ich habe es tausendmal versucht, aber es hat nie geklappt.«
Er bittet mit seiner Antwort um Verständnis, um Nachsicht mit seiner Situation, die er vermutlich nicht (durch ungesunden Lebenswandel oder ähnliches) verschuldet hat – und die er auch nicht ändern kann. Die Regeln sind ja nicht auf seinem Mist gewachsen: The winner takes it all. Es fehlt dem Mann, und auch das ist ihm nicht vorzuwerfen, an Vorstellungsvermögen bezüglich dessen, was Jesus ihm hier anbietet.
Aus dem weiteren Bericht im Evangelium geht hervor, dass der Kranke keine Ahnung hat, wer ihm diese unpassende Frage stellt. Er wird später gefragt, wer ihn denn geheilt hätte. »Der aber gesund geworden war, wusste nicht, wer es war; denn Jesus war entwichen, da so viel Volk an dem Ort war«, heißt es in Vers 13.

Der Kranke ist völlig außer Stande, zu verstehen, dass derjenige, der vor ihm steht, das lebendige Wasser ist, dass gar keine Notwendigkeit besteht, auf jenen ominösen Wasserengel zu warten und dann blitzschnell in den Teich getragen zu werden.
Daher sagt er weder ja noch nein auf die einfache Frage, ob er geheilt werden möchte.
Der Mann besitzt mit Sicherheit keinen Glauben an seine Heilung oder an die Vollmacht des Fragenden. Vielleicht hofft er, dass dieser kräftige und dem Augenschein nach gesunde Mann ihn ins Wasser trägt, aus Mitleid, aber da sich dort gerade nichts bewegt, ist das aussichtslos. Man muss ja den richtigen Wellengang abwarten.
Andere Anwesende haben ebenfalls keinen Glauben. Womöglich hören andere Wartende der Unterhaltung zu, heißt es doch im Text dass »viele Kranke, Blinde, Lahme, Ausgezehrte« am Teich liegen, als Jesus dort vorbeikommt. Dass irgend einer von ihnen Jesus ge- oder erkannt hätte, davon ist nicht die Rede. Also ist hier, soweit es um Glauben geht, absolute Ebbe. Oder Flaute, um beim bewegten Wasser zu bleiben.

Das überraschende an dieser Situation ist, dass Jesus ihn trotzdem heilt – obwohl oder weil er weiß, dass dieser Mann gar nicht über die Möglichkeit verfügt, eine einfache Antwort »ja, ich will gesund werden«, zu geben.
Jesus heilt ihn darüber hinaus ungefragt. Weder der Kranke noch sonst jemand hat darum gebeten. Niemand hat den Mann zu Jesus gebracht mit dem Wunsch, dass er ihn gesund machen würde.

Es geht im Johannesevangelium an dieser Stelle gar nicht so sehr um diese Heilung, sondern um den zweifachen Tabubruch: Der Mann trägt seine Matratze am Sabbat nach Hause und wird prompt damit erwischt. Aufgefordert zu diesem Gesetzesverstoß hat ihn derjenige, dessen Namen er nicht einmal erfragt hat und der jetzt verschwunden ist. Jesus hat wieder einmal die eisernen Gebote seiner Religion verletzt (indem er am Sabbat heilt) und noch dazu jemanden angestiftet, ein Gesetzesbrecher zu werden (indem er ihm aufträgt, die Matratze mitzunehmen, wenn er geht).

Auf etliche Fragen gibt dieser Text keine Antworten her:
  • Wieso wird nur dieser eine Mann geheilt, wenn dort »viele Kranke, Blinde, Lahme, Ausgezehrte« am Teil liegen?
  • Wie haben sich diejenigen gefühlt, die Jesus krank am Teich hat liegen lassen?
  • Kann dieser ominöse Engel, der gelegentlich eine Heilungslotterie in Form eines Wetterennens zum Teich veranstaltet, eigentlich ein Engel Gottes sein?
  • Wenn ja, ist das gerecht?
Aber eine Frage beantwortet der Text immerhin:
  • Muss man selbst, muss irgendjemand unbedingt Glauben haben, damit eine Heilung geschieht?
Wenn dir jemand wieder mal das Patentrezept zur Heilung anbietet, in dem Glaube als Verordnung vorkommt, dann ist die Antwort ein klares, lautes und unmissverständliches »Nein!«

Das heißt natürlich nicht, dass Glaube schädlich oder einer Genesung hinderlich wäre. Es heißt nur, dass es nicht an deinem mangelnden Glauben liegt, wenn das Patentrezept versagt, wenn du krank bist und auch bleibst.

Bildquelle: Hungertuch Betesda von Sieger Köder

Dienstag, 8. September 2009

Innehalten

Der Schmerz ist der große Lehrer der Menschen. Unter seinem Hauche entfalten sich die Seelen. -Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Montag, 7. September 2009

Montagmorgen

...................(..........(.......(
......................)..........).......)
....................(..........(.......(
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.............. GUTENMORGENG
.............. UTENMORGENGU###
.............. TENMORGENGUT___##
............... ENMORGENGUT ____##
................ ENMORGENGU__###
................. TENMORGEN
.................. GUTEN MOR
................... GENGUTEN
....... kaffeekaffeekaffeekaffeekaffee
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Samstag, 5. September 2009

Eindrücke aus der Lesung mit Nadia Bolz-Weber

Um Ironie zu erkennen – ob sarkastisch (also beißend spöttisch) oder nicht –, müssen verschiedene Teile des Gehirns zusammenarbeiten. Wenn jemand die soziale Situation nicht versteht (beispielsweise wegen einer Beschädigung der vorderen Gehirnlappen oder wegen fehlender Übung bzw. Intelligenz), kann er Ironie – und damit auch ironischen Sarkasmus – nicht als solche(n) identifizieren. (Wikipedia)
Ironie und Sarkasmus sind nicht jedermanns Sache, aber gelegentlich mag es keinen anderen Ausweg geben, wenn man nicht verzweifeln möchte. Nadia Bolz-Weber, deren Lesung mit anschließender Diskussion ich kürzlich besucht habe, erklärte, wie sie reagiert hat, als ein Verlag das Ansinnen vorbrachte, sie möge sich 24 Stunden dem Programm eines evangelikalen (im amerikanischen Sinne) Bibelfensehsenders aussetzen und dann darüber ein Buch schreiben:
I suggested that perhaps the Geneva Convention might address making a person do this sort of thing, right after the paragraph on waterboarding, but then I agreed to it because, well, it was about the weirdest thing someone had asked me to do in a while, so how could I say no?
Die Autorin ist lutheranische Pfarrerin in Amerika, aber alles andere als eine »normale« Geistliche. In ihrer Kirche in Denver versammeln sich, so erzählte sie, Menschen, die zu 85% keine Kirche besuchten, bevor sie zu eben dieser Gemeinde fanden. Menschen, die anderswo nur Ablehnung, Verachtung und Verletzung von Christen erlebt haben. Nadia Bolz-Weber erzählte, dass sie gelegentlich überrascht (und sehr dankbar und erfreut darüber) ist, dass auch »ganz normale« Familien kommen und bleiben, die der typischen amerikanischen Mittelschicht angehören.

In ihrem Buch Salvation on the small screen? schildert sie die 24 Stunden, in denen sie (mit Freunden und Bekannten, die jeweils für eine oder zwei Stunden kamen) das Programm verfolgt hat, das der Sender TBN ausstrahlt. Dabei wählt sie Ironie und Sarkasmus als Stilmittel, weil ihr nichts anders übrig bleibt angesichts dessen, was sie sieht. Paula White zum Beispiel, eine Art Barbie-Puppe, die stilvoll ihre aufgeklebten Fingernägel zur Geltung bringt, während sie den Zuschauern ihre Philosophie (oder Theologie?) erklärt: »What do you do when life throws you a curve ball? You hit a home run!«

Nadia Bolz-Weber liest vor:
Much to my delight, Paula White is next. The last time I watched her show, her talk was entitled, "Why God Wants You Wealthy." White is a mega-church "pastor" along with her (soon to be second ex-) husband, "Bishop" Randy White.
After years of seminary I find myself getting a tad indignant about people taking the title "pastor", much less "bishop" with all the consideration and credentialing one might use choosing a chat room screen name.
Immer wieder in den 24 Stunden sind 30 Sendeminuten mit einer Schein-Talk-Show nur dazu da, dass die Zuschauer die regelmäßig eingeblendete Telefonnummer anrufen, um das jeweilige Geschäft anzukurbeln. Ob nun Hill$ong-CDs, Bücher oder kitschige Gemälde verkauft werden sollen, das Muster ist immer gleich. Es gibt auch eine Telefonnummer für Aufkleber mit einem durchgestrichenen Teufel, die man sich unter die Schuhsohlen kleben soll, um auf diese Weise die »Mächte der Finsternis« zu zertrampeln. Die Aufkleber sind kostenlos, aber sie kommen nur mit einem Buch zusammen zum Versand...

Nadia Bolz-Weber schildert anschaulich anhand mehrerer Beispiele, wie hinterhältig den Zuschauern das Geld aus der Tasche gezogen wird, wie fahrlässig Reichtum und Gesundheit versprochen werden von Fernsehstars, die wohl niemals denen Rede und Antwort stehen werden, die arm bleiben (oder durch großzügige Spenden werden), deren liebste Angehörige an einer Krankheit sterben, obwohl alle alles richtig, entsprechend »God's way«, gemacht und geglaubt haben.
What's so disturbing is that TV preachers can dispend these magic formulas for health and wealth, tell people that this is "God's way," and yet never be interrupted by the raised hand of someone who says, "I do all of the things you were saying but I'm still depressed" - or poor, or not speaking to my sister, or feeling as though God has abandoned me. This medium allows Paula White and her fellows, to some extend, to ignore the real, lived, complicated experience of people.
The irony of Paula White telling this story about counseling folks in problematic relationships while in the midst of a divorce from "Bishop" Randy White, her second divorce, is not at all lost on us.
Nun wäre das Buch einseitig zu nennen, wenn es sich ausschließlich um beißende Kritik am Fernsehprogramm von TBN handeln würde, aber Nadia Bolz-Weber geht einen (wie ich meine notwendigen) Schritt weiter: Sie stellt nicht in Frage, dass auch in solchen gespenstischen Shows wie Benny Hinns Sendung Gott Menschen berühren kann. Sie schildert, dass sie selbst zwar von dem meisten, was sie in den 24 Stunden sieht, abgestoßen ist, aber sie weist deutlich darauf hin, dass sie nicht das Maß aller Dinge ist.
If God can work through someone as broken and imperfect as me, then he can surely do the same with people like Paula White, although I think she is totally crazy. When it comes to God's grace, then I stop all irony and sarcasm. Because I believe that God offers his grace freely and without restrictions, I also believe that he can do such through these TV preachers, else he couldn't use me for his kingdom either.
Für mich wurde die Autorin gerade durch diese Einsichten in die eigene Unvollkommenheit um so glaubhafter, aufrichtiger. Sie erzählte von ihrer langjährigen Freundschaft mit einigen evangelikalen Christen, deren Meinung und Theologie (soweit vorhanden) sie zwar nicht teilt, die aber genau wie Nadia Bolz-Weber von ganzem Herzen an Jesus glauben und die Menschen lieben.

In der an die Lesung anschließenden Gesprächsrunde berichtete sie, wie es zur Gründung ihrer emergenten Kirche in Denver kam und was sich dort seither entwickelt und ereignet hat. Sie beantwortete die Fragen aus dem Publikum offensichtlich gerne und ausführlich, auch dabei blieb sie sich selbst gegenüber kritisch.

Mein Fazit: In manchen Punkten bin ich anderer Meinung als die Autorin, aber das ist normal und auch gut so. Ihr Vortrag war lebendig und unterhaltsam, und etliche Gedanken werden mich weiter begleiten. Ein gelungener, bereichernder Abend, der sich gelohnt hat. Nadia Bolz-Weber ist eine intelligente und humorvolle Autorin und Pastorin, ich werde ihren Blog im Auge behalten und das Buch ist bei Amazon bestellt.
Die gastgebenden Baptisten hatten reichlich Bier (lecker!) und Bionade (igitt!) bereitgestellt, der Raum war kreativ dekoriert und wir wurden liebevoll empfangen und verabschiedet.
Am Rande lernte ich noch zwei Menschen kennen, die zu meinen regelmäßigen Blogbesuchern zählen - jetzt kenne ich wieder zwei Gesichter mehr zu den Namen, die in den Kommentaren auftauchen.

P.S.: Ich habe zum Teil aus dem Kopf zitiert - das mag nicht immer akkurat gelungen sein.
P.P.S.: Die Zitate habe ich nicht übersetzt, weil ich zu faul war.
P.P.P.S.: Auf dem Weg zur Lesung hörten wir im Auto den unvergleichlichen Tom Waits, unter anderem mit Jesus gonna be here soon. Das passte im Nachhinein ganz hervorragend zum Abend.

Freitag, 4. September 2009

GJM – Der freundliche Cop?

Neulich hatte ich von dem Hund berichtet, der eine bewegte Vergangenheit hat. Zumindest seinen Erzählungen zufolge. Man weiß ja nicht, ob der Bauer oder der Hund die Wahrheit sagten, oder keiner oder alle? Wie auch immer, in gewisser Weise ähnelt mein Leben dem des Hundes. Wir sind beide inkognito unterwegs.

youdontknowme

Dieses am vergangenen Samstag entstandene Bild verrät nun endlich zweierlei über meine Wenigkeit:

  1. GJM-COP-2Auf dem T-Shirt steht wahrheitsgemäß: You don’t know me – Federal Witness Protection Program. Also auf gut deutsch: Man kennt mich nicht wirklich, weil ich mich im Zeugenschutzprogramm einer (in diesem Fall der amerikanischen) Regierung befinde und daher (nachdem ich sieben Mafiabosse auf einen Streich verhaftet hatte) eine kunstvoll zusammengebastelte neue Identität als harmloser Blogger Günter J. Matthia angenommen habe.
  2. Der Ford, an den ich mich lehne, ist mein Dienstwagen. Wenn gerade keine akute Gefahr von der Mafia und ähnlichen Organisationen droht, gehe ich nach wie vor meiner Tätigkeit als Sheriff (in Kalifornien, USA) nach und helfe Omis über belebte Straßen. Oder erschieße Bankräuber. Oder lasse Temposünder auf dem Highway viele Dollars in die Staatskasse einzahlen. Je nachdem, was eben jeweils gerade so zu tun ist.

Oder wie, liebe Blogbesucher, sollte das nicht nachbearbeitete, nicht gefälschte Foto aus jüngster Zeit sonst zustande gekommen sein? Kein Mensch würde es wagen, sich mit den US-Cops anzulegen, indem man sich unbefugt an einen Streifenwagen lehnt, oder?

Donnerstag, 3. September 2009

Petition: Die Kanzlerfrage

Wir möchten, dass Merkel und Steinmeier beim TV-Duell in Punkto Entwicklung Farbe bekennen. Stehen sie zu Deutschlands Verantwortung im Kampf gegen extreme Armut? Was werden sie nach der Wahl, im Fall ihres Wahlsiegs, für globale Gerechtigkeit tun? Wir finden, die Wählerinnen und Wähler sollten das vor dem Wahltag wissen. Deshalb fordern wir die Moderatoren des TV-Duells auf, den Kandidaten eine Frage zum Thema Entwicklung zu stellen.

Die Petition im Wortlaut:
Sehr geehrte Frau Illner, sehr geehrter Herr Kloeppel, sehr geehrter Herr Limbourg, sehr geehrter Herr Plasberg,
bei der Bundestagswahl entscheiden wir auch über Deutschlands zukünftigen Umgang mit globaler Armut.
Bitte fragen Sie Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier, was sie im Fall eines Wahlsiegs für die ärmsten Länder der Welt tun werden.

Wir haben diese Aktion gemeinsam mit »Deine Stimme gegen Armut«, der »UN — Millenniumkampagne« und anderen Organisationen gestartet. Unser Ziel ist es, mindestens 5000 Unterzeichner zusammenzubringen. Wir übergeben die gesammelten Stimmen kurz vor dem TV-Duell an die Moderatoren bzw. ihre Redaktion. Am 13. September erfahren wir dann alle live beim TV-Duell, ob wir damit Erfolg hatten.

Liebe Blogbesucher, bitte leistet einen Beitrag, indem ihr unsere Petition unterzeichnet: Die Kanzlerfrage bei ONE.org

Mittwoch, 2. September 2009

Bring dein eigenes Gehirn mit!

Zu Recht weitgehend verpönt sind hierzulande die »typischen Amerikaner«, die eingeflogen werden, ein paar Predigten halten, deren Bodenhaftung zumindest zweifelhaft ist und die dann in von ihnen so bezeichneten »Prophetien« das Blaue vom Himmel versprechen, auch wenn der Himmel grau oder schwarz sein wird. Es gibt aber - Gott sei Dank! - nicht nur »typische« Amerikaner.

Wenn eine Gemeinde zu ihren Bibelgesprächskreisen mit der Bitte »Bring your own brain« (Bring dein eigenes Gehirn mit) einlädt, dann ist schon die Tatsache, dass die Gläubigen denken dürfen und sollen, eine kleine Sensation. »Looking for answers? We were hoping, you had some.« (Auf der Suche nach Antworten? Wir hatten gehofft, dass du einige mitbringst) steht über den Einladungen. Auch das ist erfrischend anders: Da weiß wohl die Leiterschaft einer Kirche nicht alles, hat nicht alle Antworten parat? Na so was! Aber hallo!

Die Gemeinde nennt sich »House for all sinners and saints« (Haus für alle Sünder und Heiligen). Das dürfte in etwa das umschreiben, was die ersten Gemeinden in der Apostelgeschichte und den neutestamentlichen Briefen waren.

Manch einer mag es nach diesen kurzen Beschreibungen womöglich nicht glauben wollen: Die Rede ist von einer Kirche, in der die lutherische Liturgie samt Eucharistie gefeiert wird, mit einer »richtigen« ordinierten Pfarrerin. Die Rede ist aber auch von einer Gemeinde, in der »das Wirken des Heiligen Geistes durch die Beziehungen bezeugt wird«, wo »die Menschen zueinander gehören, sowohl in der Freude als auch im Leid«.

Nadia Bolz-Weber, die Pastorin dieser außergewöhnlichen Kirche ist am 3. September in der evangelisch freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) Berlin-Schöneberg zu Gast, um aus ihrem Buch Salvation on the small screen? 24 hours of Christian Television zu lesen. Sie sagt über ihr Buch: »This is my book. It will change your life. Ok, not really.« Na, wenn das keine tiefschürfende Aussage ist! Ein Kritiker meinte: »I was not disappointed. The author writes with wit, and the kind of humor that is lacking in today's writing. She also raises some very good questions that have needed to be raised.«

Um 19:30 Uhr kann man sie in der Hauptstraße 125, 10827 Berlin kennen lernen. Ich werde mir das nicht entgehen lassen und würde auch meinen Blogbesuchern (soweit sie sich nicht in unzumutbar weiter Entfernung von Berlin befinden) dringend ans Herz legen, mal jemanden zu erleben, bei dem das Bild des »typischen Amerikaners« ganz erheblich ins Wanken geraten dürfte.

Das eigene Gehirn darf übrigens, davon gehe ich aus, mitgebracht und sogar eingesetzt werden.

Dienstag, 1. September 2009

Der sprechende Hund

Als wir kürzlich durch Westfalen geradelt sind, kamen wir an einem ziemlich schäbig wirkenden Bauernhaus vorbei. Am Gartenzaun war ein Pappschild befestigt, auf dem in ungelenker Handschrift stand: »Sprechender Hund zu verkaufen«.
Ich stieg vom Fahrrad und klopfte an die morsche Tür.
Der Bauer, dessen Aussehen dem seines Hofes kaum nachstand, erklärte mir, dass der fragliche Hund in der Scheune zu finden sei. Ich ging um das Gebäude herum und fand einen betagten Labrador im Schatten vor der Scheunentüre liegen.
»Du kannst sprechen?«, fragte ich ihn.
»Jau!«, antwortete der Hund etwas träge.
Eine solch einsilbige Antwort konnte mich natürlich noch nicht überzeugen. Schließlich ist mir Doktor Sommer mit dem angeblich sprechenden Hund keineswegs unbekannt. Daher bat ich: »Na dann erzähl mal deine Geschichte.«
Der Labrador hob den Kopf und sagte: »Ich habe schon in jungem Alter entdeckt, dass ich sprechen kann. Also beschloss ich, damit meinem Land zu helfen und erzählte einem Mann vom BND aus dem Nachbarort von meiner Begabung. Es dauerte nicht lange, da flog man mich von Land zu Land, damit ich fleißig lauschend mit Regierungschefs und Wirtschaftsbossen im Zimmer saß, und keiner kam auf die Idee, dass ich zuhören, geschweige denn hinterher davon erzählen würde.«
»Ach was!«
»Jawohl. Ich war dabei, als Obamas Besuch an der Siegessäule geplant wurde, habe Angela Merkel zum Wahlsieg verholfen, weil ich bei Schröder unter dem Kaffeetisch gelauscht habe, und ich konnte mithelfen, dass vor ein paar Jahren die Kofferbomber von Köln gefasst wurden.«
Ich war beeindruckt und meinte: »Wie kommst du aber nach solchen Abenteuern jetzt auf diesen verfallenen Bauernhof?«
»Ich war acht Jahre lang der wertvollste Spion des BND. Aber die ganzen Reisen haben mich erschöpft, und da ich so langsam meine Knochen zu spüren begann, beschloss ich, mich zur Ruhe zu setzen.«
»Hier in der westfälischen Provinz?«
»Na ja, also ich war zuletzt am Flughafen in Frankfurt am Main eingesetzt, um in der Nähe von verdächtigen Passagieren zu horchen, ob sie subversive Dinge bereden. Natürlich habe ich dabei auch das Gepäck beschnüffelt. Eines Tages stieg mir der lieblichste Geruch der Welt aus einer Transportbox für Tiere in die Nase. Der Besitzer der Box und des Inhaltes wurde dann mein aktuelles Herrchen. Um es kurz zu machen: Ich bin mit der Hundedame hierher gekommen, wir haben eine Menge Nachwuchs in die Welt gesetzt und jetzt lebe ich hier im Ruhestand.«
Ich war restlos begeistert und ging zurück zum Bauern, um den Preis für das Tier zu erfragen.
Er sagte: »Zehn Euro.«
Ich musste mich wohl verhört haben. Ich fragte: »Zehn Euro? Dieser Hund ist ein Wunder, unbezahlbar! Warum wollen Sie nur zehn Euro für ihn haben?«
»Weil er ein Lügner ist! Kein einziges von seinen angeblichen Abenteuern ist wahr!«

Montag, 31. August 2009

Kurz, kürzer, am kürzesten

No-more-blues[1] Neulich wurde ich von der Redaktion »Adam Online« gebeten, eine Rezension des Quadros »No more blues« zu schreiben, die speziell Männer anspricht. Ich fragte nach:
...für mich wäre es hilfreich, wenn ich einen Anhaltspunkt hätte, wie viele Zeichen die Rezension maximal haben darf. Als Abonnent von Adam Online, könnte ich natürlich die Zeichen in anderen Rezensionen zählen, aber dazu bin ich einstweilen zu faul.
;-)
Beste Grüße!
Günter J. Matthia
Darauf kam prompt diese Nachricht in mein E-Mail-Postfach geflattert:
Hallo Günter,
da zurzeit mehr gute Bücher erscheinen, als wir in unserem vierteljährlichen Printmagazin unterbringen können, nehmen wir auch in unserem monatlichen Newsletter jeweils eine Buchempfehlung herein. Sie braucht nur ganz kurz zu sein, ca. 350 Zeichen (Word-Zählung ohne Leerzeichen). ...
Nun packte mich blankes Entsetzen. 350 Zeichen? Ich griff virtuell zur Feder und antwortete:
...ach du liebe Güte, nur 350 Zeichen? Ich werde versuchen, mich kurz zu fassen, aber das halte ich fast für unmöglich. Es soll ja, so verstehe ich das, »männerspezifisch« sein und auch nicht ganz und gar ohne Aussagekraft.
Meine ausführliche Rezension von »No more blues« incl. Zitate aus dem Werk hat 6.404 Zeichen.
Herzlich, Günter
Jedoch: Der Kelch wollte nicht an mir vorübergehen, um keinen Preis. Ich bekam folgende Antwort:
Hallo Günter,
350 Zeichen - das ist immerhin mehr als doppelt so lang wie eine Twitter-Nachricht ;-)
Liebe Grüße ...
Und das mir, der ich mich seit der Twittererfindung weigere, zu twittern und auch beharrlich keine Kurznachrichten mit meinem Mobiltelefon verschicke. In der Kürze mag ja die Würze liegen, aber dann mag ich es eben weniger würzig.
Jedenfalls habe ich mich, weil No more blues ein ganz hervorragendes Quadro ist, dem ich so viele Leser wie möglich wünsche, dann doch in die Sklaverei begeben und mich den Vorgaben der Redaktion gebeugt. Ich schrieb:
... nun gut, 350 Zeichen habe ich nicht ganz eingehalten, aber kürzer ist nun mal nicht drin. Hier meine Kurz-Rezension:

Männer sind hart im Nehmen. Männer halten was aus. Männer beißen sich durch. Auch durch den Glauben, trotz Schuldgefühlen, koste es was es wolle?
Das muss nicht sein, erklärt Harald Sommerfeld in »No more blues«. Er räumt auf mit allerlei falschen Annahmen und Schlussfolgerungen. Glaube ohne Schuldgefühle ist nicht nur möglich, sondern das, was Gott eigentlich für uns will. Ein echter Augenöffner – unbedingt lesen!

Die Redaktion war angetan:
Danke für die Rezi! Sie wird in nächsten Newsletter erscheinen.
Liebe Grüße ...
Dennoch werde ich auch in Zukunft nicht twittern oder mich des SMS bedienen. Und wer No more blues noch nicht kennt, der sollte das Versäumte baldmöglichst nachholen. Egal, ob Mann oder Frau.

ISBN 978-3-935992-56-5
40 Seiten, 4 Euro
Verlag Down to Earth

Sonntag, 30. August 2009

Vermessen ist gut – aber was?

Vermessung? Dieses Schild neben dem Eingang hat mich neulich beim Betreten des Standesamtes anlässlich der Hochzeit meines Sohnes nachdenklich gestimmt.

Nun ist es ja grundsätzlich richtig, dass Mann und Frau zueinander passen sollten, wenn sie heiraten. Es ist auch sehr freundlich, dass das Standesamt diesbezüglich offensichtlich Vermessungen durchführt. Allerdings bleiben einige Fragen für mich offen, über deren Antworten ich nun schon eine Woche lang Nacht für Nacht und Tag für Tag grübeln muss.

  • Falls hier die Körpergröße der Ehewilligen vermessen wird, welcher Größenunterschied ist denn noch nicht eheschädlich? Drei Zentimeter? Fünf Zentimeter? Zehn Zentimeter? Und darf der Mann kleiner als die Frau sein? Oder nicht? Oder innerhalb welcher Grenzen?
  • Falls es bei der Vermessung um die Größe – äh – hüstel – räusper – also na ja, Männer übertreiben diesbezüglich gerne, dem Vernehmen nach, und der durchschnittliche deutsche Mann – äh – 14,61 Zentimeter - also – nun ja: Wie lang ist denn nun lang genug für eine Eheschließung?
  • Oder wird nicht das potenzielle Ehepaar beziehungsweise die gewisse männliche Spezialausstattung vermessen, sondern beispielsweise bei der Anmeldung eines neuen Erdenbürgers dessen Länge und Breite, womit sich das oft gelesene »52 cm / 54 cm / irgendwas cm« in zahlreichen Geburtsanzeigen erklären würde?

Rätsel über Rätsel. Berlin ist mit diesem Bürgerservice bestimmt sehr kundenfreundlich, aber vielleicht sollte man das Angebot etwas genauer erklären?

Andererseits: Ich bin verheiratet, mit der besten aller Ehefrauen, Geburten von neuen Erdenbürgern sind nicht mehr zu erwarten, also betrifft mich das standesamtliche Angebot der Vermessung wohl sowieso nicht mehr in diesem Leben.