Donnerstag, 8. Oktober 2009

Morgen ist Weihnachten!

Zumindest im Herzen ist morgen Weihnachten, wen interessiert schon der Kalender. Amazon hat nämlich heute was losgeschicht, was morgen im Briefkasten landen müsste.

In und um Remscheid...

bereiten sich Hund, Katze, Maus und Mensch auf ein besonderes Ereignis vor:


Ich werde nicht dabei sein können, da der seit langem angedachte Remscheid-Besuch noch nicht dran ist (wir haben gerade amerikanischen Besuch im Haus), aber vielleicht sind ja einige Blogleser in der Nähe des Ereignisses? Das wird bestimmt ein Erlebnis der besonderen Art. Ich wünsche aus der Ferne viel Spaß bei der Eröffnung und Segen für die Zukunft im neuen Domizil der Jesus-Freaks.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Wiener mit Kartoffelsalat

In Berlin, nein, bei Berlin wird - die meisten wissen es - ein neuer Flughafen gebaut. Dort trug sich kürzlich folgende Tragödie zu:

Drei Arbeiter auf der Baustelle am neuen Flughafentower saßen ganz oben auf dem Gerüst. Ihre Füße baumelten über der Tiefe, während sie ihre von zu Hause mitgebrachten Mittagsmahlzeiten auspackten.

Der erste, ein Türke, klappte die Dose auf und stöhnte: »Köfte! Wenn ich noch ein einziges Mal zum Mittagessen Köfte finde, dann springe ich vom Gerüst in die Tiefe!«
Der zweite, ein Mann aus Russland, jammerte beim Öffnen seines Lunchpaketes: »Blini! Jeden Tag Blini! Noch ein mal Blini, und ich springe hinterher!«
Der dritte Arbeiter war ein blonder Deutscher. Er packte aus und schimpfte: »Wiener Würstchen mit Kartoffelsalat! Wenn ich noch ein einziges Mal Wiener mit Kartoffelsalat in meinem Lunchpaket finde, springe ich auch.«

Am nächsten Tag klappte der Türke seine Tupperdose auf, sah Köfte und sprang ohne weitere Worte vom Gerüst.
Der Russe packte seine Mahlzeit aus, fand Blini und stürzte sich ebenfalls in die Tiefe.
Nun schaute der Blonde nach, was er zu Essen hatte, sah die Wiener mit Kartoffelsalat und ließ sich sofort vom Gerüst fallen.

Nach der Beerdigung saßen die drei Witwen beieinander. »Wenn ich gewusst hätte, wie sehr er Köfte hasst, hätte ich ihm doch Izgara oder Sis kebab mitgegeben«, weinte die Türkin.
Die Russin schniefte in ihr Taschentuch: »Hätte ich nur gewusst, dass er Blini so satt hat! Ich hätte ihm bestimmt gerne Pigore gebacken oder Globutsi gewickelt!«
Dann blickten beide die Deutsche an, die seltsam ungerührt schien. Sie schüttelte den Kopf und sagte: »Schaut mich nicht so an! Der Idiot hat sich sein Mittagessen immer selbst eingepackt!«

Dienstag, 6. Oktober 2009

Zum Weinen schön: Leonard Cohen live in London

Angesichts der Eintrittspreise (280 Euro pro Nase) hatten wir 2008 auf den Besuch des Konzertes in Berlin verzichtet. Irgendwo muss man eine Grenze ziehen, was noch zumutbar ist und was nicht, wenn es um die Freizeitgestaltung geht.

Nachdem ich nun diese zum kürzlichen Geburtstag auf dem Gabentisch vorgefundene DVD Leonard Cohen live in London genossen habe, gerät mein Grenzzaun ins Wanken. 120 Minuten in London - zum Weinen schön. Wie muss sich da ein »echter« Konzertbesuch anfühlen, der nie unter drei Stunden, oft genug vier Stunden dauert und dennoch viel zu kurz ist? Und wie lange wird dieser Künstler sein wiederentdecktes Musikerleben durchhalten? Bis er 80 ist wie B.B. King? Dann hätte ich ja vielleicht doch noch eine Chance auf einen Konzertbesuch...

Als 1968 Leonard Cohens erste LP erschien, war ich 13 Jahre alt. Mein Bruder spielte sie mir vor und damit war es um mich geschehen. The Stranger Song, Teachers und So Long Marianne spielte ich schon am gleichen Abend auf meiner Gitarre, ohne noch einen Blick auf den Text oder die darüber gekritzelten Griffe zu benötigen, die anderen Songs des Albums folgten in den nächsten Tagen. Und One Of Us Cannot Be Wrong gehört zu den Liedern, die ich noch heute spiele, wenn die Stimmung danach ist. So Long Marianne habe ich sogar dieses Jahr bei einer Hochzeit zu Gehör gebracht.
Mir war 1968 (und ist noch heute), als wäre meine Seele der des jüdischen Kanadiers oder kanadischen Juden Leonard Cohen irgendwie verwandt. Viele seiner Lieder und Gedichte drücken aus, was ich in bestimmten Stimmungen ausdrücken möchte. Allerdings gelingt ihm das wesentlich besser als mir.

Weil seine Managerin mit den Millionen durchgebrannt ist, die Leonard Cohens Altersversorgung darstellten, ist er im Jahr 2008 nach 15 Jahren Ruhestand auf die Bühnen der Welt zurückgekehrt. Darf man sagen, dass diese Unterschlagung eine ganz famose Sache war? Sonst hätten wir nie und nimmer zu hören bekommen, was diese DVD ausschnittweise widerspiegelt. Ein Mann, dessen Stimme nun ein dreiviertel Jahrhundert alt ist und nie ausdrucksvoller, intensiver geklungen hat. Ein Mann, der Geist, Leib und Seele einsetzt, wenn er seine Lieder singt. Ein Musiker, wie man ihn kaum noch zu finden hofft, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Ein Mann, der sein Publikum liebt, ehrt und ernst nimmt.

lclilDiese zwei Stunden DVD zeigen neben Cohen hervorragende Musiker und Sängerinnen, alles eingefangen in makelloser Ton- und Bildqualität, dank der Kameras so hautnah, wie der Konzertbesucher nie den Akteuren auf der Bühne kommen kann. Aber es ist nicht die Technik, die verzaubert. Es sind nicht die begnadeten Musiker, obwohl sie ganz erheblich dazu beitragen. Es ist Leonard Cohen, der Prophet, der Poet, der seine in Musik verpackten Schätze ausbreitet, Blicke ins Innerste gestattet, sowohl seine Seele als auch das Innerste des Zuhörers. Leonard Cohen, das ist nicht Unterhaltung, das ist erheblich mehr und geht wesentlich tiefer. Viele Zeitungen schrieben über die Auftritte 2008, dass sie eher Messen / Gottesdiensten / Andachten ähnelten als Konzerten. Selbst Männern standen die Tränen in den Augen und liefen an den Wangen herunter, den Berichten zufolge. Inzwischen, nach dem Genuss der DVD, glaube ich das, denn meine Wangen blieben vor dem TV-Gerät nicht ganz trocken.
Die DVD lässt ahnen, wie sich das live anfühlt, wenn Leonard Cohen auf der Bühne niederkniet beim Singen eines Psalms, wenn er den Hut vor den Musikern und dem Publikum zieht.
Die Stimmung ist durchgehend heiter, Leonard Cohen lacht häufig wie befreit und erleichtert, wenn ein Lied gesungen ist und der Beifall einsetzt, er erzählt kleine Anekdoten und Geschichten zum Schmunzeln. Dennoch - oder deshalb? - entsteht das Empfingen der Andacht, das Gefühl, Gott selbst durch diesen Menschen zu begegnen.
Eigentlich hat ein Leonard Cohen Konzert in diesen Tagen so ziemlich alles, was mancher charismatische Gottesdienst gerne hätte und doch nicht erreicht...

Wer weiß, wie sehr mein Kostenbegrenzungszaun ins Wanken gerät, falls 2010 oder 2011 Leonard Cohen nach Berlin kommt. Manchmal muss man die Vernunft ausschalten, um der Seele etwas Gutes zu tun. Einstweilen wird diese DVD des öfteren den Weg in unseren DVD-Player finden. Ich werde die Kopfhörer aufsetzen und zwei Stunden auf die Reise gehen in eine Welt der Musik, die zum Weinen schön ist.

Mein Fazit: Wer sich das entgehen lässt, der beraubt sich selbst.

Mein Tipp: Nicht »nebenbei« anschauen, sondern sich (möglichst mit Kopfhörer und ungestört oder zu zweit mit einem Glas Rotwein, soweit vorhanden aber unbedingt mit HiFi-Ausstattung) auf das Erlebnis einlassen.

Die DVD (und CD) gibt es zum Beispiel hier bei Amazon: Leonard Cohen - Live in London

Montag, 5. Oktober 2009

Jubilations!

Wie regelmäßige und aufmerksame Blogleser wissen, produzieren wir (MatMil) unter anderem für einen namhaften Verlag Lehrwerke und CDs zu den Lehrwerken, die der namhafte Verlag herausgibt. Die komplette Programmierung der CD-Oberfläche und -Funktionen obliegt dabei meiner Wenigkeit.

nhl Die CDs gehen vor der Produktion beim Auftraggeber durch eine penible Qualitätskontrolle, QS genannt, bei der auch der kleinste Fehler, und sei es ein fehlender Punkt am Ende eines der enthaltenen Dokumente, einen Bug bedeutet, der dann gefixt werden muss. (Sorry für die Anglizismen, aber dieser Fachsprache bedienen sich die Verantwortlichen nun einmal.)

Heute ging das jüngste Projekt in die QS und – for the first time in history – gab es keinen einzigen Bug. Der Verantwortliche im Verlag meinte zu seinen Mitarbeitern: »Wo ein Wille ist, ist auch ein Bug.« Jedoch: Der Tag kam und ging – aber kein Bug tauchte auf.

Daher: Jubilations! Die erste schon im ersten Durchlauf Bug-Free-CD der MatMil-Geschichte!

Ganz herzlichen Dank auf diesem Wege an einen freien Mitarbeiter von MatMil, der zu meinen Bloglesern gehört und sämtliche zur CD gehörigen Dokumente produziert hat. Hut ab – 1000 Dank für diese Meisterleistung. Besser geht es ja nun wirklich nicht mehr. Demnächst wird Dir ein Bier spendiert, oder zwei, je nach Durst! Man muss ja schließlich solche Premieren entsprechend würdigen.

Na gut, dann also die Hose

auswertung Die Wahlbeteiligung war erschreckend niedrig, was womöglich das Meinungsbild der Gesamtbevölkerung erheblich verfälscht, aber so ist das nun mal mit freien und freiwilligen Wahlen. Immerhin gibt es am frühen Montag einen eindeutigen demokratischen Sieg bei der Abstimmung, denn 75% sind ja nun wirklich ein klares Ergebnis.

Ich werde also, wenn ich die Entblößung fortsetze, als nächstes den mir sehr sympathischen Stephan seines Beinkleides berauben, wie von den abstimmenden Leserinnen (und Lesern?) gewünscht. Mal sehen, wie schnell ich dazu kommen werde und was dabei so alles zum Vorschein kommt.

(Die Abstimmung unter dem ersten Teil lasse ich weiterlaufen, einfach nur so aus Spaß. Aber alle zukünftigen Stimmen können natürlich nicht mehr den Fortgang der Geschichte beeinflussen, denn wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.)

Sonntag, 4. Oktober 2009

Endzeit: Ein untrügliches Zeichen?

bobcantsing Wie in den letzten Jahren üblich, wird bereits vor dem Erscheinen viel über das jeweils nächste Bob Dylan Album diskutiert. Skeptiker gibt es dabei immer und – erstaunlich – immer wieder Stimmen, die zu erkennen geben, dass sie jetzt erst verstanden haben, dass Bob Dylan nicht singt, sondern je nach Song krächzt, gurgelt, nuschelt, bellt, grummelt… – obwohl er das mit Ausnahme von Nashville Skyline (1969) bei jedem Album seines Riesenkataloges (mit alle paar Jahre neu erfundenen Stimmen) so gemacht hat. Nashville Skyline ist bei den Fans seinerzeit ziemlich durchgefallen. Niemand will einen Bob Dylan hören, der eine ganze Platte lang »richtig« singt.

image Allerdings ist dieses Mal, da es beim kommenden Album Christmas In The Heart um ganz und gar konservativ-normale Weihnachtslieder geht und der komplette Erlös jetzt und in alle Zukunft in Zusammenarbeit mit einer Großbank an drei Wohltätigkeitsorganisationen geht, das Getöse um die CD schon recht erheblich. Die LA Times zitiert gar jemanden, der die Tatsache, dass es überhaupt erscheint, als Zeichen der Endzeit ausgemacht hat: Another sign that the end times are near.

Amüsant, sehr amüsant, all die »Fachleute«, Dylanologen, Weltverbesserer und Dösbaddel, die zum Beispiel bei Expecting Rain (in meiner Linkliste zu finden) und andernorts ihre Meinung hinausposaunen, bevor die CD überhaupt erschienen ist. Ich muss leider noch warten, bis ich das Endzeitzeichen zu hören bekomme. Und ich weigere mich, die Soundschnipsel, die verfügbar sind, vorher anzuhören.
offen

Samstag, 3. Oktober 2009

Experimente mit der Schärfentiefe






...ohne weitere Worte.
Oder na ja, so viel doch: Die Kamera und ich, wir lernen einander gerade besser kennen.

Freitag, 2. Oktober 2009

Die Entblößung - Teil 1

Eine faire Warnung vorab: Diese Geschichte endet mitten drin. Einstweilen. Wie es weiter geht, darüber dürfen am Ende dieses ersten Teiles die geschätzten Blogbesucher abstimmen.

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Der E-Mail-Posteingang war so unübersichtlich wie meist nach einem Wochenende ohne Aufruf der iGoogle-Seite. Beim Löschen der unerwünschten Nachrichten hätte Stephan Haberling beinahe die E-Mail ungelesen gelöscht, die in den nächsten Tagen für eine ganz und gar unerwartete Wendung in seinem Leben sorgen sollte. Natürlich konnte er das nicht wissen, der Betreff ließ auch nicht auf persönlichen oder wichtigen Inhalt schließen, deutete eher auf Spam hin. »Ist das dein Bild auf dieser Seite?« stand da. Eigentlich ein typischer Lockvogel-Betreff. Der Absender namens alter.ego@... ließ ebenfalls kein persönliches Schreiben, sondern irgendwelchen Müll erwarten.
Was wäre geschehen, wenn er diese E-Mail nicht geöffnet hätte? Diese Frage stellte sich Stephan Haberling in den nächsten Tagen wohl häufiger als irgendeine andere. Wäre nichts geschehen? Hätte die Entblößung nicht stattgefunden? Oder hätte er nur nichts davon gewusst?
Solche Fragen sind bekanntlich müßig, denn sie ändern nichts daran, dass etwas getan wurde, dass ein Umstand eingetreten ist. So auch in diesem Fall – er hatte die E-Mail geöffnet und gelesen. Eine Möglichkeit des Entlesens existiert nun einmal nicht. Und das Vergessen, das ahnte er bald, würde so leicht nicht fallen.

»Lieber Stephan, mir scheint, dass dieses Foto dich zeigt«, las er, »aber ich bin mir nicht ganz sicher. Und wie kommt es ins Internet? Wer hat es aufgenommen, wo und wann? Wirf doch mal einen Blick darauf, vielleicht ist es für dich ja interessant? Es grüßt herzlich: Alter Ego.«
Es folgte ein Link, und den einfach zu klicken, hütete sich Stephan Haberling. Auf solche simplen Tricks der Virenschleudern fiel er nicht herein. Zunächst schaute er sich den Seitenquelltext an, ob hinter der angezeigten Adresse womöglich eine Umleitung versteckt sei. Dies war jedoch nicht der Fall. Die Verknüpfung führte direkt zu einem öffentlichen Fotoalbum auf Picasaweb, in dem es nur ein einziges Bild zu sehen gab.
Es zeigte, ein Zweifel schien kaum angebracht, tatsächlich ihn selbst. Allerdings war er ratlos, von wem, wann und wo es aufgenommen sein mochte. Auch der Titel der Galerie machte ihn stutzig: »Die Entblößung« stand da. Die Galerie gehörte einem gewissen alter.ego – also mit großer Wahrscheinlichkeit dem Absender der E-Mail.
Die abgebildete Person – Stephan Haberling selbst, soweit er es zu beurteilen vermochte – stand in einem ihm unbekannten Raum und reckte sich in die Höhe, um einen Halogenstrahler zu erreichen. Bekleidet war er mit Sandalen, Jeans und Freizeithemd, die durchaus zu seiner Garderobe gehören mochten. Bei den Jeans war er unsicher, denn die sahen ja alle ähnlich aus, aber das Hemd erkannte er mit ziemlicher Sicherheit. Natürlich war es keine Sonderanfertigung vom persönlichen Schneider nur für ihn, sondern Kaufhausware, aber immerhin hatte er ein solches Kleidungsstück im Schrank und trug es auch recht gerne.
Sein Gesicht war auf dem Bild nach oben gerichtet, das Foto war im Halbprofil aufgenommen, aber es schien keine Verwechslung möglich: Da war er selbst zu sehen, wo und wann und warum auch immer.
Stephan Haberling grübelte, während er das Bild betrachtete. Er suchte in seinen Erinnerungen, aber er wurde nicht fündig. Weder erkannte er den Raum, noch hätte er sagen können, wann er sich jemals nach einem Halogenstrahler ausgestreckt hätte und dabei fotografiert worden wäre. Vielleicht war es doch nur ein Fall von verblüffender Ähnlichkeit?
Und wer war eigentlich dieser Mailabsender? Das musste sich ja wohl klären lassen. Ein Klick zurück zum E-Mail-Posteingang und dann ein Klick auf »antworten« öffnete das Formular. »Wer sind Sie oder wer bist du?«, tippte er. »Kennen wir uns?« Dann klickte er auf »senden« und widmete sich anderen Nachrichten.

Am nächsten Tag war eine Antwort eingetroffen, die jedoch keine Antwort auf seine Frage beinhaltete. Statt dessen las er: »Das zweite Foto ist da.«
Die Galerie zeigte tatsächlich ein weiteres Bild. Eigentlich war es das gleiche Foto, auf den ersten Blick jedenfalls. Jedoch fehlten die Sandalen, er – oder der ihm verblüffend ähnliche Unbekannte – stand nun barfuss an der gleichen Stelle, in der gleichen Haltung. Bis auf die nun bloßen Füße war auch bei genauer Betrachtung kein Unterschied erkennbar. Erneut durchforstete Stephan Haberling seine Erinnerung, aber weder der Raum noch eine auch nur annähernd ähnliche Situation kam ihm in den Sinn.
Er antwortete nicht auf die Mail.

Das dritte Foto, das sich am Morgen des nächsten Tages zu den anderen beiden gesellt hatte, ließ ihn bereits ahnen, dass der Titel der Galerie von jenem mysteriösen »alter ego« mit Bedacht gewählt worden war. Nun war auch das Hemd verschwunden. Jeans und T-Shirt trug er – oder der Unbekannte mit der verblüffenden Ähnlichkeit – noch, keine Sandalen, kein Hemd. Das T-Shirt war, genau wie Jeans und verschwundenes Hemd, kein Einzelstück, er vermochte nicht zu sagen, ob es ihm gehörte oder nicht. Weiße T-Shirts gab es so häufig wie triefende Nasen im November, und selbstverständlich besaß Stephan Haberling mehrere. Er trug sie auch gerne unter Oberhemden oder Pullovern, wie so viele andere Männer verabscheute er die Feinripp-Unterhemden, die zu seiner großen Verwunderung nach wie vor verkauft wurden. An wen auch immer, jedenfalls nicht an ihn.
Keine E-Mail diesmal, vermutlich ging »alter ego« mittlerweile davon aus, dass er schon aus Neugier Picasaweb einen täglichen Besuch abstatten würde. Zu recht.
Wie würde die Entblößung weitergehen, was als nächstes offenbaren? Stephan Haberling vermutete, dass am nächsten Tag das T-Shirt verschwinden würde, aber natürlich konnte er nicht sicher sein. Erst die Sandalen, dann das Oberhemd. Wenn er selbst sich auszöge, und nicht ein Unbekannter ihn – falls man das überhaupt so sagen konnte in diesem Fall – hätte er zunächst das Oberhemd, dann das T-Shirt abgelegt, anschließend dann die Sandalen, falls er auch aus der Hose zu schlüpfen gedachte.
zille Ihm fiel Natalie ein, seit der Kindheit hatte er nicht mehr an sie gedacht. Sie war in seinem Alter, Tochter der Nachbarn und häufige Spielkameradin, seit die beiden eingeschult worden waren. Im Sommer kam sie oft mit zum Baden, da ihre alleinerziehende Mutter kaum die Zeit fand, mit Natalie an einen See oder ins Freibad zu gehen. Schon beim ersten Ausflug an den nahegelegenen See war Stephan aufgefallen, dass Natalie sich »verkehrt herum« auszog. Sie entledigte sich zuerst der Schuhe, dann der Hose und des Schlüpfers, bevor sie sich daran machte, den Oberkörper von den Textilien zu befreien. Badebekleidung war damals aus finanziellen Gründen weder in Stephans Familie noch bei Natalie vorhanden, also ging man, wenn der Ausflug zum Schwimmen diente, an eine der FKK-Badestellen. Stephan zog sich von oben nach unten aus, wie alle anderen, die er kannte. Wenn es einige Stunden später wieder nach Hause gehen sollte, schlüpfte er zuerst in die Unterhose und Jeans, während Natalie die umgekehrte Reihenfolge ihres Entkleidens wählte. Zuerst griff sie zu Hemd und Bluse, dann erst wurde ihre untere Körperhälfte mit Textilien bedeckt.
Warum ihm nun diese Erinnerung an Kindheitstage einfiel, konnte Stephan nicht sagen, abgesehen von dem Umstand, dass die ersten drei Bilder in der Galerie nicht seiner gewohnten Reihenfolge entsprachen, Kleidungsstücke abzulegen.

Am Morgen des vierten Tages, noch im Bett, überlegte Stephan Haberling, was »alter ego« eigentlich bezwecken wollte. Es gab keinen Hinweis darauf, ob die Galerie irgend einen Sinn hatte außer dem, eine Entblößung – seine Entblößung womöglich – vorzuführen. Sicher war er sich immer noch nicht, ob die Bilder wirklich ihn zeigten. Er war nie in dem Raum gewesen, der auf den Bildern zu sehen war, und schon gar nicht mit jemandem, der ihn unter einem Halogenstrahler fotografiert hätte. Noch dazu mehrmals, nach dem Ablegen eines Kleidungsstückes nach dem anderen...
Da die Bilder keine wesentlich jüngere Person zeigten, hätte eine Erinnerung da sein müssen, wenn die Aufnahmen tatsächlich stattgefunden hätten.
Wenn nicht – was dann? Spielte ihm hier jemand einen Streich? Wozu? Einfach nur so? Oder doch mit einem Hintergedanken, einem Ziel? Mit Photoshop, oder wie konnte das technisch vonstatten gehen? Diesbezüglich war er wenig bewandert.
Stephan Haberling stand ohne Ergebnis seiner Grübeleien auf und schaltete den Computer ein. Eine neue E-Mail von alter.ego lag im Posteingang bereit.

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So, liebe Leser, wie soll es weiter gehen mit der Entblößung? Die Fortsetzung ist noch nicht geschrieben...


Welches Kleidungsstück fehlt am vierten Tag?
Die Jeans.
Das T-Shirt.
Auswertung


P.S.: Ich werde bis Sonntag Abend warten, wer oder was hier die Wahl gewinnt.

Update 5. Oktober: Wer mag, kann weiter abstimmen, aber die Geschichte wird nun so fortgesetzt, wie es die Mehrheit bis zum Montag. dem 5. Oktober, gewünscht hat: Die Hose muss weg.

Update 12. Oktober: Hier geht es zur Fortsetzung: Die Entblößung - Teil 2

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Kein Twitter-Account


Wenn ich twittern/tweeten würde, könnte ich heute die Welt wissen lassen beziehungsweise fragen:

Armbanduhr zu Hause vergessen. Bin ich jetzt zeitlos?

Aber ich habe eben keinen Twitter-Account. Daher wird die Welt nichts von dieser schwerwiegenden Frage erfahren.